Zentralschweizer biken durch Zentralamerika |
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Reisebericht Bolivien 9. Mai - 13. Juni 2009 Kasani nach Potosi
Cobacabana Das touristisch orientierte Copacabana liegt auf 3800 M.ü.M. und zählt 20'000 Einwohner. Einst war diese Stadt ein bedeutendes Kulturzentrum und heute mit der Isla del Sol ein reizvoller Touristen- und Wallfahrtsort. Die grösste Attraktion ist ein Bootsausflug zur Isla del Sol oder der Isla del Luna im Titicacasee. Mit einem schwerfälligen Holzboot und 30 weiteren Gästen erreichen wir nach 3 Stunden (!) die 20 Kilometer entfernte Sonneninsel. Angeblich soll diese Insel das Ursprungsland der Inkakultur sein und somit gibt es auch hier einzelne Terrassenhänge und Ruinen. Die Inselwanderung entlang des Hochgrates von 3 Stunden bis zum Bootsanleger bietet uns nochmals einen eindrucksvollen Ausblick auf den Titicacasee. Die Weiterfahrt in Richtung La Paz führt über eine Panoramastrasse 4'300 M.ü.M., mit immer wieder sensationellem Weitblick in die über 6'000 hohen und schneebedeckten Berge. Diese Strecke gehört zu den landschaftlich schönsten der Anden. Eine Engstelle in Tiquina von 800 Meter muss mit Fähre überbrückt werden. Zwischen San Pedro de Tiquina und San Pablo de Tiquina verkehren Holzfähren mit unterdimensionierten Aussenbordmotoren. Wir haben das “Glück” mit einem Reisecar in Schräglage übergesetzt zu werden. Die abenteuerliche Fahrt kostete uns 10 Bolivar (CHF 1.50). Die verbleibenden 110 Kilometer und einer Passhöhe von 4'250 Meter bis nach La Paz eröffnet uns immer wieder den eindrucksvollen Ausblick auf die Königskordilieren. Unterwegs treffen wir bei Huatajata auf den höchstgelegen Jachtclub der Welt und viele Restaurants die “Trucha” (Forellen) in allen Variationen anbieten. Auffallend ist die örtliche “Baukunst” welche möglicherweise aus der Hand des einzigen Dorf-Architekten stammen könnte. Über ein ausgedehntes Altiplano (40 km) geht es schnurgerade Richtung La Paz. Die ersten Anzeichen der quirligen Hauptstadt Boliviens erkennen wir beim Durchfahren der 8 Kilometer langen, ärmlichen Oberstadt “El Alto”. Dort befindet sich auch der Flughafen, welcher mit 4082 M.ü.M. zu den welthöchsten zählt. La Paz Ein Städtebummel am nächsten Tag zeigt uns das Bild einer hektischen, lauten und indogen-geprägten Businessstadt. Auffallend wenig Tourismus, viele Fastfood-Ecken entlang der Hauptstrasse, und immer wieder steile Nebenstrassen und Treppen die in nächst höher gelegene Parallelen führen. Wir durchstreifen:
Gehandelt wird fast alles was das Herz begehrt. Es herrscht ein Schubsen und Stossen, man trifft auf sich zankende Hunde und zum platzen überfüllte Busse die sich hupend durch die Strassen drängen. Carretera de la muerte Über 64 Kilometer Distanz geht es 3345 Höhenmeter talwärts nach Yolosa, welches auf 1295 M.ü.M. liegt. Dieser spektakuläre Downhill führt uns durch Nebelbänke, Wasserfälle, subtropischen Dschungel und entlang von steil abfallenden Felswänden. Die ungesicherte Schotterpiste von 4 - 6 Meter breite wird ausnahmsweise berg- und talwärts auf der linken Strassenseite befahren. Während dieser 4-stündigen Fahrt werden wir aus dem Begleitfahrzeug mit Zwischenmahlzeiten und Getränken versorgt. Vor dem Rücktransport nach La Paz gibt es eine Duschmöglichkeit, Swimmingpool, ein Buffet-Lunch und als Zertifikat ein Madness-T-Shirt. Nach dieser perfekt organisierten und mit grösstmöglicher Sicherheit geführten Tour erreichen wir um 19.00 Uhr das Hotel. Ein Erlebnis, das wir unter dem Link www.madness-bolivia.com bestens empfehlen können. Streckeninfo: La Paz – Uyuni – Potosí
Um es gleich vorabzunehmen, auch von Uyuni nach Potosi herrschen zur Zeit die gleichen miserablen Bedingungen. Mit wenigen Ausnahmen windet sich die 210 Kilometer lange sandige Piste durch eine “unwirtliche” Gegend, wobei sich noch 2 Pässe (4200 M.ü.M) dazugesellen. Schlechte Versorgungsmöglichkeiten und entsprechend schwierig wird die damit verbundende Wasserversorgung! Auf der ganzen Strecke wird zur Zeit mit schweren Baumaschinen die Strasse verbreitert. Vereinzelt felsige Hindernisse müssen weggesprengt und aufwändig abtransportiert werden. Bis Ende 2010 soll die Strecke Uyuni – Potosi asphaltiert sein. Aufgrund der äusserst schlechten Strassenverhältnisse entscheiden wir uns die 2 Teilstrecken im ”bequemen” Reisecar zu bewältigen. Von La Paz – Uyuni besteigen wir um 22.00 Uhr den “First-Class-Car” um morgens um 08.00 Uhr Uyuni zu erreichen. Eine warmgereichte Mahlzeit, den Film “Indiana Jones” zu Ende gesehen, beginnt auch schon die Rappelpiste. Die Fahrgäste werden aufgefordert sämtliche empfindlichen Geräte unter die Sitze zu verlagern. Kissen gegen das “durchschütteln” und Decken gegen die Kälte (bis -10 Grad möglich) werden verteilt. Auch der bequeme Liegesessel kann uns nicht in den Schlaf wiegen. Die Nacht wird zur 10-stündigen Tortur durch lichterloses Wüstengebiet bis Uyuni. Salar de Uyuni und Lagunenroute Unsere Erlebnisse möchten wir mehr mit Fotos als
mit Text dokumentieren. Nachfolgend versuchen wir dennoch mittels Stichworten
die einzigartigen Naturbilder weiterzuvermitteln. 1. Tag Tafelsalzgewinnung in Colchani (Häuser aus Salzblocks) Salar de Uyuni mit 2000 km2 grösster Salzsee der Welt. Salzdecke bis 28m dick. 60% des Salzweltbedarfs. Mineralsalz wurde während mehr als 1000 Jahren aus dem umliegenden Bergen herausgespült. Während Regenzeit von November – April unpassierbar. Einzigartiges Salzhotel, geschlafen wird auf Lamafellen Incahuasi (Isla Pescado). 100 Kilometer von Uyuni entfernt. Bis 1200 Jahre alte Kaktusse welche 8 – 12 Meter hoch werden. Nachtessen und Übernachtung in San Juan, 400 Einwohner
und 2 Fussballplätze. Einfache Unterkunft (keine Heizung jedoch
mit Warmwasserdusche). 2. Tag 4 kleine Lagunen und wilde Vicunas (domestizierte tragen Bändel in den Ohren) Siloliwüste mit den Arbol de Piedra (Steinbäumen). Schneedecke im Juni bis 10cm möglich. Sand und Staub überall auch im Jeep. Laguna Canapa mit Mineralien angereichert und noch teilweise bedeckt mit einer Eisdecke von der Nacht. Laguna Colorado (4274 M.ü.M.) 60 qkm grosser See, mit Farbwechsel je nach Wind und Sonneneinstrahlung. Lagune besteht aus Süsswasser, Mineralien, Algen und weissen Boraxinseln. 3 verschiedene Arten von Flamingos brüten hier. Das Thermometer fällt in der Nacht bis auf – 20 Grad. Nachtessen und Übernachtung im einfachen Mehrbettzimmer 3. Tag Frühstück um 08.00 Uhr, wieder an der Laguna Colorado. Salvador Dali Wüste, ausgeworfene Vulkansteine nach einem Vulkanausbruch. Surrealistisch! Laguna Verde am Fusse des Vulkans Lincancabur und Juriquez, 17 qkm gross und 4850 M .u.M. mit hohem Blei-, Kalzium- und Schwefelgehalt. Kein Leben möglich. Salar de Chiguana (Boraxabbau) Laguna Blanca (weisse Lagune) Chilenische Grenze (Kollege wird abgesetzt und fährt mit Bus nach San Pedro de Atacama) Aktiver Vulkan Uturunco ( 6010 M .u.M.). Strasse bis auf 4000 Meter , Wanderung zum Kratersee auf 6000 Meter möglich. Mittagessen im Jeep mitgeführt und vom Fahrer vor Ort zubereitet. Tanzende Felsen Von weitem die 5-grösste Silbermine der Welt, San Cristobal, ersichtlich.
Hervorragend geführt und ohne Pannen endete die Tour um 19.00 Uhr vor unserer Unterkunft, Hostal Tonito. Die Naturvielfalt im südwestlichen Bolivien hat uns begeistert. Ein Erlebnis, wie wir es uns so in Südamerika nicht vorstellen konnten.
Bemerkung: Weitere Infos zur Tour unter: www.bolivianexpeditions.com Potosi Diese Tagesreise über 200 Kilometer sollte nur 6 Stunden (!) dauern. Schon kurze Zeit nach der Abfahrt um 10.00 Uhr gibt es einen ungeplanten Stop. Reifenpanne! Druckverlust eines Hinterrades. Keine Aufregung, die Passagiere bestaunen die Reparatur der 2 “Mechaniker” welche als Begleitung des Chauffeurs mitfahren. Bei der allgemeinen Reifenkontrolle stellt man fest, dass sich an einem Vorderrad das Profil ablöst und das Ventil undicht erscheint. Somit wird ein 2. Radwechsel ausgeführt. Nach einer Stunde kann die Fahrt fortgesetzt werden, zu unserem Erstaunen ohne Halt (5 Stunden), so dass die verlorene Zeit kompensiert werden kann. Es bleibt nun der Fantasie überlassen, wie sich ein Toilettengang im fahrenden Bus erledigen lässt. Um 18.00 Uhr erreichen wir, man wusste schon nicht mehr auf welcher “Backe” man sitzen soll, die 170'000 Einwohner zählende Stadt Potosi. Mit 4067 M.ü.M. ist diese Grossstadt die höchstgelegene der Welt. Aufgrund des Mineralienabbaus (Untertageminen) war Potosi im 16. Jahrhundert die reichste Stadt der Welt und grösser und bedeutender wie Madrid, Paris oder Rom und einst die Schatzkammer Amerikas. Aus dem Berg “Cerro Rico” wurden bis heute annähernd 50'000 Tonnen Silber herausgeholt. Inzwischen sind die Adern ausgebeutet und es wird vorwiegend nur noch Zinn und Zink abgebaut. Die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen (Höhenlage, Quecksilbervergiftung, Staublunge, usw.) hatten bis zum 18. Jahrhundert 8 Millionen Tote gefordert! Aktuell liegt der Mineralien-Welthandelswert auf einem tiefstwert und an der Situation hat sich bis heute kaum etwas geändert. Unvorstellbar, dass es eine solche Ausbeutung an menschlicher Arbeitskraft heute noch gibt. Um 1 Kilogramm Erz zu gewinnen müssen erst viele Tonnen Stein gefördert werden. Gemäss Information werden die Potosi-Erze exportiert und nicht wie einst 1850 zu Silberbarren verarbeitet. Vom ehemaligen Reichtum der Stadt sind nur noch 36 (zum Teil verfallene) Kirchen übrig geblieben. Das historische Zentrum wurde von der UNESCO zum weltkulturerbe erklärt. Die Silbergewinnung verlieh dieser Stadt ehemals grosse Bedeutung durch die Herstellung und Prägung von Münzen und Medaillen. Der Besuch des Museums “Casa Real de la Moneda ” vermittelt einen interessanten Einblick in die Kunst der Münzherstellung. Der Besuch einer Mine wird von vielen Agenturen als geführte Tour angeboten (10 USD). Diese Attraktion gilt als Höhepunkt eines Potosi-Aufenthaltes. Als 2-Personengruppe mit Führung in englischer Sprache werden wir zum Überkleider, Stiefel, Helm und Stirnlampen fassen abgeholt. In Bergwerkskleidung kaufen wir beim “Calvario miners Market” Geschenke, die wir unterwegs auf dem Gelände an die Arbeiter verteilen werden. Für 35 Bolivar (5 USD) gibt es einen Sack Coca-Blätter, 2 dl Zuckerrohr-Alkohol 96%, Zigaretten, Mineralwasser, Bananenkonzentrat und Dynamit auf den Weg. Ein Kleinbus bringt uns zu einem Aussichtspunkt mit Blick über die Stadt und das Minengelände. Es folgt eine Dynamit-Nitroglycerin-Sprengung mit Zündschnur, demonstriert von einer Tourführerin. Auf dem Weg zum Mineneingang treffen wir Frauen die von Hand Gesteinsbrocken zertrümmern und nach Qualität verlesen. Eine 79-jährige Frau (Foto) arbeitet 16 Stunden die Woche und erhält je nach Ausbeute 500 Bolivar (70 USD) pro Monat und von uns eine Handvoll Cocablätter. Eine “miners”-Frau, sie ist meistens bereits Witwe, bearbeitet und separiert 7 Tonnen Gestein in 3 Monaten. Alle sind “gefangen” von der Familientradition als Mineure arbeiten zu müssen. Über Generationen werden Minenstollen weiter gereicht. Um Potosi bestehen noch 180 aktive Minen die zur Zeit von 5000, vor 3 Jahren waren es noch 8000, Mineuren ausgebeutet werden. Wegen des heute schlechten Mineralanteils ist der Familienertrag entsprechend schlecht. 12-jährige Kinder werden zur Arbeit ausserhalb der Minen herangezogen, gehen Nachts zur Schule, und erhalten 30 Bolivar pro Tag. Mit 14-15 Jahre beginnt die harte Arbeit im Stollen als Hilfsarbeiter zu 50 Bolivar-Tageslohn. Die Beförderung zum Maschinist, sofern in diesem Stollen notwendig bringt doch schon 140 Bolivar pro Tag. Als Minenbesitzer (bezahlt eine Miete an den Staat) arbeitet der Mineur an der gefährlichen Front und verdient je nach Erzqualität 200 - 300 Bolivar pro Tag. Die Lebenserwartung eines Mineurs beträgt 40 – 50 Jahren. Die Todesursache liegt meistens am Asbest- oder Staublunge, Kollaps durch übermässigen Alkohol- und Tablettenkonsum oder am beschleunigten Alterungsprozesses. Die Arbeitsbedingungen sind extreme hart. Alle Arbeiter, Frauen und Männer, kauen ununterbrochen Cocablätter die sie aus ihrem Depot in den Backen holen. Cocablätter unterdrücken den Hunger und verdrängen Erschöpfung und Schmerzen. Damit eine Mine rentabel wird, muss pro Tag 1 Tonne von Hand oder 20 Tonnen mit Maschinenunterstützung gefördert werden. Die Rentabilität ist abhängig von der Qualität des Mineralgehaltes. Ein Arbeitstag dauert 8 Stunden, ohne Essen und Pausen. Je nach Beschäftigung besteht die Arbeit aus 1-Tonne schwere Karren schieben, mit Hammer und Meisel Sprenglöcher in das Gestein treiben, Gesteinsbrocken umlagern und sortieren, und…. den ganzen Tag Cocablätter kauen. Inzwischen haben wir unsere Geschenke verteilt, die Mine verlassen, und uns mit einem “Gracias por visitation” verabschiedet. Die Gesichtsausdrücke dieser Arbeiter werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Potosi nach Puerto Suarez Erfreut über die vollständig asphaltierte Hauptstrasse sind wir unterwegs von Potosi nach Sucre. Die Strasse führt durch ein fruchtbares Tal und es wird mit jedem Kilometer merklich wärmer. Wie bereits gewohnt, liegen einige Hügel dazwischen. Die ersten 35 Kilometer nach Potosi werden uns durch eine schnelle Talfahrt geschenkt. Jedoch sind auf der ganzen Strecke von 160 Kilometer insgesammt 2000 Höhenmeter zu überwinden, die nicht zu unterschätzen sind. Insbesondere das letzte Stück setzt uns zu. Man denkt, ja dort vorne liegt unser Zielort, aber nein, es gibt noch eine letzte kräftige Steigung bis Sucre. Sucre, die Hauptstadt Bolivien ohne Regierungssitz (dieser befindet sich in La Paz), wirkt sehr gepflegt und wir fühlen uns sofort wohl. Sucre (knapp 300'000 Einwohner) feiert dieses Jahr den 200-jährigen Geburtstag und das 50-jährige bestehen des Autorennens. Ja! Ein alljährliches Rennen wie in Monaco, wo die Rennstrecke mitten durch die Gassen der Altstadt führt. Keine einmündende Strasse wird gesperrt, keine Abschrankungen, die Zuschauer verfolgen das Geschehen vom Gehsteig aus. Wenn sich ein “Bolide” mit bis 170 Km/h nähert, trillert die Polizei mit der Pfeiffe, so dass sich die Leute von der Strasse weg begeben. Die gefährlichsten Kurven um die “Plaza 25 de Mayo” sind mit von Frauen abgefüllten Sandsacken entschärft. Zu unserem Erstaunen gibt es ein paar “Krüppelkisten” welche die Ecken nicht schaffen und geradeaus in die Sandsäcke donnern. Unglaublich gefährlich! Dies gibts bestimmt nur hier in Bolivien, jedoch habe es noch nie einen nennenswerten Unfall gegeben. Die Rennwagen erscheinen uns mehrheitlich aus überzähligen Autörsatzteilen zusammengebastelt und ohne Schalldämpfer auf die Strecke geschickt. Wegen des Renngeschehens sind alle umliegenden Strassen gesperrt, so dass wir den bekannten Sonntagsmarkt von Tarabuco nicht besuchen konnten. Dieser Markt, 65 Kilometer von Sucre entfernt, soll einer der schönsten von Bolivien sein. Die Stadt Sucre erhielt den Namen nach dem “General Jose de Sucre” der 1809 den Unabhängigkeitskampf hier begann, deshalb das 200-jährige Jubiläum. 1992 wurde Sucre von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Zahnschmerzen von Alexandre zwingen uns zu einem merhtägigen Aufenthalt. Der in Cusco bereits fehlerhaft behandelte Zahn macht erneut grosse Probleme, so dass eine Krone angefertigt werden musste. Mit Erfolg wie sich zeigt! Die Zeit zwischen “Dentista” und Städtebummel verbringen wir im“Hostal de Su Merced” www.desumerced.com eine sehr empfehlenswerte Adresse. Ein Hotel inmitten der Stadt, ruhig gelegen, freundliches Ambiente und ein gepflegtes Frühstücksbuffet. Von der Besitzerin erhalten wir eine Einladung zum Espectaculo Origen. Eine 2-stündige Darbietung von bolivianischen indigenen Tänzen und traditionellen Trachten. Erst waren wir etwas skeptisch, betreffend solcher Shows. Etwas ähnliches, nicht sehr einfallsreiches, hatten wir bereits in Cusco gesehen. Diese Attraktion hier in Sucre hat uns jedoch sehr gefallen. Über www.origenesbolivianos.com finden sich weitere Details zu dieser farbenfrohen Darbietung. Das Gebiss wieder in Stand gestellt, verlassen wir Sucre in Richtung Santa Cruz. Ein hartes Wegstück von 600 Kilometer liegt vor uns. Bolivien wie es sich für Radler von der extremsten Seite zeigt. Nach Sucre erst 300 Höhenmeter kräftig bergauf, gefolgt von unzähligen Kehren talwärts bis ca. 2000 M.ü.M.. Bei Puente Arce, 97 Kilometer hinter Sucre, hört der Spass auf! Aus feinstem Asphalt wird eine steinige und staubige Bergstrecke. Die verbleibenden 67 Kilometer bis Aiquile sind kräftezehrend! Teilweise schieben wir unsere schmalen Reifen (für den Asphalt hervorragend geeignet) durch Sand und Staub. Die Strecke führt durch ödes und trockenes Gebirge, mit teilweise kräftigen Steigungen und Kehren. Vorsorglicherweise haben wir im letzten Dorf nach Puente Arce noch unsere 5 Bidons und die 2 Wassersäcke (20 Liter) mit Wasser gefüllt, so dass uns ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung steht. In Aiquile, ein eher unwirtlicher Ort, wo sich die Nord -Süd mit der Ost-West Achse kreuzt, finden wir eine Unterkunft mit Dusche. Eine Dusche “caliente” versteht sich als, durch einen Durchlauferhitzer-Brausekopf gedrücktes Kaltwasser. Mit viel Fingerspitzengefühl findet man die richtige Durchlaufmenge, so dass sich ein Gefühl von Warmwasser einstellt. Mit den elektrischen Installationen nimmt man es hier nicht so genau. Falls der Erdungsdraht nicht fachgerecht angeschlossen ist, gesellt sich zum Caliente-Duschen noch ein Kribbelgefühl ein. Bis Santa Cruz verbleiben noch 450 Kilometer. Die Informationen von Ortskundigen über den Strassenzustand unterscheiden sich von “todo plano” (alles flach) und “todo asphalto” (alles aspahltiert) bis “Empiedrada” (steingepflastert). Besser man gibt eine falsche Auskunft als keine, heisst die gutgemeinte Devise. Deshalb sind Streckenbeschreibungen vielfach für uns unbrauchbar. Bei Empiedradastrassen handelt es sich um unbearbeitete Feldsteine, die mit Zement zusammengefügt einen Belag ergeben. Solche Fernstrasen sind für Fahrräder, Radler und Gepäcktaschen etwas vom Übelsten! Die Vibrationen spüren wir durch das Klappern im Ober- und Unterkiefer, so dass Geschwindigkeiten von mehr als 5 km/h nicht denkbar sind. Angeblich soll die ganze Etappe ab Aiquile bis Epizano (90 Kilometer) auf diese Art gepflastert sein. Aus diesem Grund verlassen wir nach 8 Kilometer das “Empiedra-Erlebnis” und wollen quer über das Gebirge zur Hochlandstrasse (bei San Isidro) fahren um von dort weiter nach Santa Cruz zu gelangen. Die Hochlandroute Cochabamba – Santa Cruz gilt allgemein als abwechslungsreicher, als die neuerstellte, weniger spektakuläre Tieflandroute welche über den 3660 M.u.M. hohen Sacaba-Pass führt. Vorerst noch begeistert über die Abkürzungsvariante vergeht uns schnell die Lust unsere Räder erneut durch den Sand und Staub zu schieben. Umkehren auf die Empiedraroute wollen wir nicht. Am staubigen Strassenrand warten wir auf eine Mitfahrgelegenheit die unseren “Anforderungen” gerecht wird. Eigentlich wird die Strecke Aiquile nach San Isidro nur von sehr wenigen Fahrzeugen genutzt, jedoch... wie bestellt, ein kräftiger LKW nähert sich uns. Die Mitfahrgelegenheit ist schnell erkannt, den es ragen bereits einige Hüte der Indigenas über die Seitenwände des Aufliegers. Alles aufladen! Super, das 70 Boliviano-Ticket (10 USD) für über 400 Kilometer nach Santa Cruz ist gelöst. Wir richten uns gemütlich auf ca. 400 Zementsäcken ein und unterhalten uns mit den anderen, welche für unser Zubehör wenig Verständnis empfinden. Sie alle führen Zwiebel-, Kartoffel- oder Gemüse-Säcke mit sich, die sie am Markt in Sucre gekauft haben. Die Fernfahrer ermöglichen sich mit solchen Individual-Transporten einen willkommenen Zusatzverdienst. Durch “Halt-auf-Verlangen” wird unterwegs zu- oder abgesprungen. Auch Säuglinge, Kinder und Betagte, jeder kann von dieser günstigen Fahrgelegenheit profitieren. Die Männer stehen stramm an den Seitenwänden, die Frauen liegen in Wolldecken und schlafen oder stillen ihre Säuglinge, die Kinder vergnügen sich auf der Laderampe. Die schwere Last und die breiten Reifen des 5-achsigen Gefährts verdrängen den mehrere Zentimeter dicken Feinsand aus den Fahrspuren. Wir staunen über die karge, gebirgige und trockene Umgebung und sind erleichtert diese Fortbewegungsart gewählt zu haben. Durch das Ab- und Zusteigen der Mitfahrer ergibt sich immer wieder eine Gelegenheit zum Beine vertreten, Toilettengang hinter einem Busch oder Kioskbesuch am Strassenrand. Inzwischen haben wir bereits 12 Stunden auf der Laderampe verbracht und erreichen um 22 Uhr Matarai. Wegen des einsetzenden Regens wird die empfindliche Ladung (Zementsäcke und Mitfahrer) mittels einer Plane überdeckt und geschützt. Der Fahrer verabschiedet sich und verschwindet für die nächsten 7 Stunden in seiner Kabinenkoje. Für uns eine ungewohnte Situation. Keiner kann rein, keiner kann raus. Für die Einheimischen kein Problem, sie liegen schnarchend in ihren mitgebrachten Decken. Auf unseren “Therm-a-Rest” Matten und mit einer staubigen Lastwagenplane zugedeckt, versuchen wir die Kälte zu verdrängen. 5 Uhr! Motorenlärm, Dieselgeruch und quietschende Räder, unsere Fahrt wird fortgesetzt. Die restlichen Kekse und eine Flasche Coca-Cola beruhigen vorerst unseren knurrenden Magen. Niederschläge während der ganzen Nacht haben den Staub und Feinsand der Strasse zu einer klebrigen Masse gebunden. Während den verbleibenden 6 Stunden müssen, wir ohne Sicht auf's Geschehen, auf Zementsäcken verharren und erreichen nach insgesamt 28 Stunden die Aglomeration von Santa Cruz. Santa Cruz (2'100'000 Einwohner) liegt auf 420 M.ü.M. im Tiefland von Bolivien. Ein tropisches Klima lässt die Vegetation bis in das Stadtinnere gedeihen. Während der Winterzeit (Trockenzeit) vom Mai bis August wird es Nachts ziemlich kühl, es bleibt jedoch frostfrei. Mit der Erstellung der Verbindungsstrasse nach Cochabamba erhielt Santa Cruz zunehmend an Bedeutung und ist heute nach La Paz die wichtigste Stadt Boliviens. Soja- und Maisanbau sowie Rinderzucht werden intensiv betrieben und lassen Santa Cruz zur Wirtschaftshauptstadt Boliviens werden. Santa Cruz hat auch den Ruf, die Drehscheibe des Kokainhandels zu sein und wird deshalb auch Drogenhauptstadt des Landes genannt. Für uns hatte diese Grossstadt nichts ausserordentliches geboten. Das Stadtbild und die Aglomerationen sind vielfach von Unrat geprägt und die Häuser erscheinen uns ungepflegt. Somit fällt es uns leicht, nach 2 Tagen Aufenthalt, bald an die Grenze von Paraguay zu gelangen. Schon bei der Reiseplanung wurde uns bewusst, dass es mit Fahrrad einfacher sein wird aus Peru nach Bolivien einzureisen, als dieses Land Richtung Paraguay zu verlassen. Die “Ruta Trans-Chaco” (Paraguay) führt von Sucre über Boyuibe (Grenzabfertigung) nach Mariscal Estigarribia. Die Strasse ist unasphaltiert und sehr schlammig. Inzwischen sollte davon der Abschnitt von Espinola nach Mariscal Estigarribia (100 Kilometer) fertig gestellt sein. Die 530 Kilometer nach Asuncion sind asphaltiert. Die langen Sandstrecken sind schwierig und es gibt kaum Orte für Verpflegungs- und Wassernachschub. Nach unseren Kenntnissen bleibt nur noch die Variante mittels einer Schiffspassage auf dem Rio Paraguay nach Asuncion zu gelangen. Die Strecke von Santa Cruz bis Puerto Suarez (660 Kilometer) sollte inzwischen asphaltiert sein. Die Umgebung besteht aus Wildnis pur, endlosem Staub und Sand, und die Versorgungsmöglichkeiten sind gering. Wir nutzen die Gelegenheit mit dem “Express Oriental” von Santa Cruz nach Puerto Suarez (Grenze Brasilien) zu fahren. Für diese abenteuerliche Nachtfahrt bezahlen wir 15 USD pro Person, 2 Fahrradzuschläge von 4 USD und ein extra Trinkgeld von 4 USD für bevorzugtes behandeln der Ausrüstung. Abfahrt 16.00 Uhr, Ankunft am nächsten Morgen um 08.00 Uhr. Wir freuen uns auf die bequemen Liegesessel, den Verpflegungsservice und die Kinofilme zur Verkürzung der 14-stündigen Bahnfahrt. Die Zugskomposition, von einer Diesel-Lokomotive gezogen, verlässt langsam den sicheren Bahnhof. Schon bald erkennen wir, dass eine Geleise- und Trasse-Revision nötig währe. Die einzelnen Wagen schwanken und die Spalten zwischen den Schienen sind nicht zu überhören. Befinden wir uns auf einer Achterbahn? Man gewöhnt sich schnell an die neue Umgebung, die 2 Filme sind abgespult, es wird auf Dämmerlicht umgeschaltet, der Zug knattert schwankend weiter durch die Nacht. Die Heizung der Klimaanlage ist ausgefallen und es wird mit zunehmender Fahrzeit immer kühler in unserem Abteil. Einmal mehr fehlen uns die notwendigen Wolldecken. Die Einheimischen sind sich solche Ausfälle gewohnt und haben vorsorglicherweise ihre Kissen und Decken mitgebracht. Not macht erfinderisch, so bedienen wir uns der Sitzbezüge von unbenutzen Sessel und nutzen diese als “Schlafsäcke”. Pünktlich in Puerto Suarez angekommen, können wir unser ganzes Gepäck und die Fahrräder unversehrt entgegen nehmen. Das Trinkgeld hat sich gelohnt! Wir entscheiden uns für die Variante 2 (Schiffspassage) und verbringen den restlichen Tag um die notwendigen Grenzformalitäten nach Paraguay zu erledigen. Mit Taxi fahren wir bis zur 11 Kilometer entfernten bolivianischen Grenze und lassen uns den Ausreisestempel für den nächstfolgenden Tag eintragen. Ein brasilianischer Fahrer bringt uns zum 7 Kilometer entfernten Busterminal in Corumba wo wir den Einreisestempel für Brasilien erhalten. Klingt alles sehr umständlich und kompliziert, ist aber notwendig, wenn wir die “grüne Grenze” nach Paraguay überqueren wollen. Alles kommt anders als man plant! Beim verlassen des Terminals ist uns eine aufgeklebte Brasilianische Landkarte aufgefallen. Beim verfolgen des Flusslaufes Rio Paraguay, er bildet den Grenzverlauf zu Bolivien, Brasilien und Paraguay, erkennen wir ein Porto Esperanca (Brasilien) und ein Puerto Esperanza (Paraguay). Sehr verwirrend! Da alle Leute bestätigten, dass der genannte Ort in Brasilien liege, haben wir uns spontan entschlossen Porto Esperanca in Brasilien anzufahren. Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mehr dazu im nächsten Reisebericht aus Paraguay.
Nach 670 Kilometer verlassen wir Bolivien mit folgenden Erinnerungen: Viel gesehen, viel erlebt und wenig gefahren Übersetzen auf Fähre mit Reisecar in Schräglage Carretera de la muerte, spektakuläres Downhill von 4465 M.ü.M. - 1295 M.ü.M. Zugfriedhof, Salar de Uyuni und Salzhotel, Fish-Island und die Kakteen Laguna Colorado, Verde, Blanca und Canape Alpacas, Vicunias, und Flamingos Geysire, Termen, Steinbäume und tanzende Felsen Sucre, die Hauptstadt nur durch Naturstrassen erschlossen Strassenbedingungen für Radler grösstenteils ungeeignet Empiedradastrassen, Belag mit unbearbeiteten Feldsteinen gepflastert Potosi die höchstgelegene Stadt der Welt auf 4100 Meter Minenarbeiter, Dynamit und Cocablätter Nachtzugfahrt Santa Cruz – Puerto Suarez Carfahrt La Paz – Uyuni – Potosi 28 Stunden auf Zementsäcken Staub, Feinsand und ausgetrocknete Flussläufe Wilde, karge Landschaft mit Savanne, Steppe und üppiger Vegetation Tropisches, gemässigtes und subpolares Klima Temperaturen von -20 bis +30 Grad
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