Zentralschweizer biken durch Zentralamerika |
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Reisebericht
Paraguay Von Puerto Suarez (Bolivien) über Corumba (Brasilien) erreichen wir nach 100 Kilometer Puente Morinho (Brasilien) und lassen uns mit einem Boot nach Porto Esperanca (Brasilien) bringen. In der Annahme dort unser Schiff nach Asuncion zu besteigen geniessen wir die Fahrt mit Flusstaxi auf dem Rio Paraguay. Die Flussgeschwindigkeit lässt sich durch die losgerissen “Seerosen” schnell feststellen. Teilweise bedecken diese treibenden Gewächse grossflächig den Wasserweg. Unser Bootsführer muss sich den Weg voraussichtig wählen um passierbare Lücken rechtzeitig durchfahren können. Ein Zwischenhalt beim Eisenbahnviadukt ermöglicht uns einen fantastischen Weitblick über den Rio Paraguay. Nach 40 Minuten erreichen wir Porto Esperanca. Ein Schock! Wo befindet sich das Hafengelände? Es scheint, dass sich ausser uns und den Moskitos niemand hierher verirrt hat. Ja, ja, bestätigt uns der Bootsführer stolz, das ist Porto Esperanca in Brasilien. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt und es stellt sich die Frage wo wir die Nacht verbringen werden. Miguel erkennt unser Entsetzen und bringt uns zu seinem Freund, der am Flussufer wohnt. Einmal mehr freuen wir uns über die Südamerikanische Hilfsbereitschaft. Die ganze Familie hilft beim Ausladen und bringt unsere Taschen in ein kurzfristig bereitgestelltes 4-Bett-Zimmer. 2 Betten sind mit frischen Bettlacken überzogen und stehen für uns bereit. Die Matrazen der restlichen 2 Betten haben die Jungs ins andere Zimmer gebracht. In der Küche ist die Mama bereits am kochen, so dass unser Hunger auch bald ein Ende findet. Selbst die beste Planung kann buchstäblich ”in's Wasser fallen”. Wir befinden uns am falschen Flussufer. Das von uns erwartete Schiff fährt ab Puerto Esperanza in Paraguay und dies liegt etwa 200 Kilometer weiter flussabwärts, und ist von hier nur auf dem Wasserweg erreichbar. Ausserdem gibt es nur einmal wöchentlich ein Auslaufen nach Asuncion, jeweils Freitags um 07.00 Uhr und somit erst in 5 Tagen. Der Gastgeber würde uns Morgens weiter Flussabwärts zum Hafen bringen. Eine 5-stündige Bootsfahrt, 140 Liter Benzin plus 100 USD würde uns der Spass kosten. Es gibt nur eine vernünftige Lösung! Zurück nach Puente Morinho, wo sich auch nur ein paar einsame Hütten, die Tankstelle und die Brücke befinden. Wo es eine “Zapfsäule” gibt, da findet sich bestimmt auch ein LKW bis zum nächsten Busterminal. Die Mitfahrgelegenheit lässt nicht lange auf sich warten, und wir werden ins 160 Kilometer entfernte Miranda befördert. Portugiesisch verstehen wir nicht und sprechen ist erst recht nicht möglich. Zeichensprache und die Hilfe eines spanischsprechenden Einheimischen lassen uns bald im Reisecar 270 Kilometer weiter nach Campo Grande fahren. Im grossen Busterminal, hier treffen sich die meisten Linien von Brasilien, müssen wir umsteigen, um in's 1000 Kilometer entfernte Asuncion zu gelangen. Morgens um 06.00 Uhr nach 14 Stunden Nachtfahrt, die Dämmerung hat noch nicht eingesetzt, radeln wir zum 8 Kilometer entfernten Stadtzentrum. Asuncion, die Hauptstadt von Paraguay mit 600'000 Einwohner, hat uns ausser den vielen gefährlichen Schlaglöcher mi Asphalt, nicht viel geboten. Beim Stadtrundgang ist uns das “Panteon de las Herös” mit den 2 Wachsoldaten aufgefallen. Dieser kuppelgekrönte Prachtbau wurde 1936 nach seiner Fertigstellung als Kriegsgräberstätte eingerichtet. Unübersehbar ist der Regierungspalast und die direkt vorgelagerten Slums. Die Elendsviertel erstrecken sich bis an das Flussufer des Rio Paraguay und werden von der Policia National überwacht. Extremer könnten die Gegensätze nicht sein! Die Regierenden geniessen einen sensationellen Ausblick, und die Randständigen können sich keine Fenster in ihren Bretterbuden leisten. Verlassen und verkommen steht auch das alte Bahnhofsgebäude, welches 1856 eines der ersten des Südamerikanischen Kontinents war. Nur eine Strassenbreite entfernt, befindet sich die “Plazza Uruguaya”. Ein erschreckendes Bild von Elend, Unrat und Plastikfolien-Zelten. Es ist uns unverständlich, dass inmitten der Hauptstadt von Paraguay ein derartiger Elendsplatz “Uruguaya” genannt wird. Dieser Fussballfeld grosse Flecken beherbergt 50 – 100 Behausungen, deren Familien und eine handvoll WC-Häuschen. Auch dieses Elend wird rundum von der Polizei bewacht, aus Vorsicht dass sich kein Tourist hinein verirren kann. Zwei Tage in Asuncion haben uns gereicht, wir ziehen weiter ins 360 Kilometer östlich liegende Ciudad del Este. Die “Ruta International” führt erst 2-spurig aus der Grossstadt, wird jedoch schon bald nur noch 1-spurig geführt. Alles, aber auch alles wird auf dieser Hauptverkehrsachse quer durchs Land bewegt. Das Verkehrsaufkommen ist enorm. Selbst auf der entgegenkommenden Strassenhälfte herrscht Gegenverkehr. Wo ein Pannenstreifen geführt wird, was auf fast der ganzen Autopista der Fall ist, sind “Sekunden-Schlaf-Schwellen” eingebaut. Diese quer zur Fahrrichtung gelegten Asphalterhöhungen sind für uns Radler derart Unangenehm, dass wir beim Überfahren erst einen Stop einlegen müssen. Somit befinden wir uns immer zwischen schnellem Verkehr, Asphalt-Schwelle oder entgegekommenden Fahrzeugen, die noch schnell vor ihr Haus drängeln wollen. Auf der ganzen Strecke von Asuncion nach Ciudad del Este bestehen genügend Versorgungsmöglichkeiten, bei den angrenzenden Landwirtschaftsbetrieben “Estancias” ist auch meistens ein Platz fürs Zelt zu finden. Nach 4 Tagen, mehr Frust als Lust erreichen wir Ciudad del Este, die am schnellsten wachsende Stadt des Landes. Die “Puente de la Amistad” welche den Rio Parana überspannt und der Bau des Wasserkraftwerkes brachten den Stadt den Aufschwung. Inzwischen leben hier 300'000 Einwohner, in einer Schmuggelstadt wo sich alles kaufen und verkaufen lässt, was Geld bringt. Elektronikgeräte, Spirituosen, Parfüme, Kleidungsstücke und Kopien von Markenartikel werden zu Tiefstpreisen angeboten. Am Wochenende erscheint die Stadt wie ausgestorben, ideal für uns zu den 40m hohen Wasserfällen am Parana-River zu radeln. Ciudad del Este liegt sehr zentral. Die Brasilianische Grenze, die Wasserfälle “Saltos Monday” und das Itaipu-Kraftwerk liegen im Umkreis von nur 10 Kilometer. Das temperamentvolle Verkehrsverhalten der Innenstadt benötigt allerdings starke Nerven und eine dauerhafte Bremsbereitschaft! Das grösste Wasserkraftwerk der Welt!
Als ein “Denkmal der Solidarität, der Zusammenarbeit und der Integration” wurde im Mai 1991 das Kraftwerk Itaipu eröffnet. Mit der Vereinbarung im Jahre 1966 war der Grundstein des binationalen Unternehmens zwischen Brasilien und Paraguay gelegt. Der Fluss Parana sollte zu gleichen Teilen zur Energiegewinnung genutzt werden. Ein internationales Konsortium, bestehend aus den Firmen IECO-USA und ELC-Italien bekamen den Zuschlag. Die Bauzeit diesen gigantischen Projektes betrug 16 Jahre (1975 -1991) und kostete angeblich 22 Miliarden Dollar. Zahlen: Auf dem Rückweg nach Ciudad del Este, sind “El Museo de la Tierra Guarani” und der integrierte zoologische Garten nicht zu verpassen. Dort wird die Kultur der Guarani-Indianer, die Tierwelt des Kontinentes konserviert in Vitrinen und lebend in Gehegen gezeigt. Mehrfach hat man uns darauf hingewiesen, dass in Paraguay (Chaco) wilde Berglöwen, Jaguare und Panther leben. Es sei deshalb gefährlich, diese Region zu durchqueren. Diese Tiere würden auch Radfahrer nicht vom Speiseplan ausschliessen. Für uns war Paraguay ein “Durchgangsland” um zu den Wasserfällen von Iguacu (Brasilien) und weiter nach Argentinien zu gelangen. Ausser dem Itaipu-Wasserkraftwerk und die Salto Monday Wasserfällen, welche für uns die “rettenden” Höhepunkte darstellte, hatte uns Paraguay nicht viel mehr geboten.
Nach 380 Kilometer verlassen wir Paraguay mit folgenden Erinnerungen: Slums inmitten des Stadtzentrums von Asuncion Gefährliche Tiger, Panther und Jaguare im Chaco Flussfahrt auf dem Rio Paraguay Odysse nach Porto Esperanca, Brasilien Wasserfälle Salto Monday Weltgrösstes Wasserkraftwerk Itaipu Für uns ein Durchgangsland, mit Panama vergleichbar (je ein gigantisches Bauwerk)
Bikerinfo zur Strecke
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