Zentralschweizer biken durch Zentralamerika

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Reisebericht Kalifornien

01. September - 03. Oktober 2008

Das erste Foto unserer Reise im Bahnhof Luzern machte Sandro, der uns mit Gepäck ablichtete. Das “Vorabend-Checking” der 4 Gepäckstücke über 100 Kilogramm Gesamtgewicht verlief unproblematisch, dem Start unserer Zentralamerika Biketour konnte nichts mehr im Wege stehen.

Unvorhergesehen wurde der geplante Abflug am 1. September wegen schlechtem Wetter gestrichen, mit der Folge, dass wir erst drei Stunden später den zweiten Anschlussflug nach San Francisco nehmen konnten. Etwas erstaunt waren wir, als wir beim Check-In-Schalter unsere Gepäcktaschen öffnen mussten. Sie kontrollierten die zwei leeren MSR Brenner-Flaschen. Eine Flasche war o.k., die zweite wies noch wenige Dämpfe auf und wurde konfisziert.

In London Heathrow wollte uns das “British Boarding” zuerst nicht in das Flugzeug einsteigen lassen mit der Begründung: “Ohne gültigen Rückflugschein und fehlendem USA-Visum gibt es kein Flug nach San Francisco”. Einige Erklärungen, und das Zuziehen einer kompetenten Person, brachten uns schlussendlich weiter.

Der Abflug erfolgte ab Heathrow mit einer weiteren Stunde Verspätung, weshalb wir in SF erst um 18.00 Uhr statt um 14.00 Uhr landeten. Bei der Gepäckentgegennahme hörten wir: „Mrs. Nägeli und Mr. Keller, please present at the information desk“. Mit einem freundlichen „hello“ wurden wir empfangen. Die Annahme, dass wir als “Zentralbiker-V.I.P” schneller durch den Zoll geleitet würden, erwies sich bald als Irrtum. Drei Gepäckstücke waren in London zurückgeblieben, darunter natürlich unsere Bikes und ein Sack mit vier Velotaschen. Der Rapport war schnell erstellt und mit einer 100 Dollar-Visakarte entschädigt. Ein Shuttle-Bus brachte uns zum Hotel „Bay Landing“ in Burlingame San Francisco.

Den Folgetag nutzten wir als „Sightseeing Day“ um zu Fuss SF zu erkunden. Downtown, Fisherman's Wharf, Cable Car Museum, Pier 39, Crocodile-Street und Chinatown standen auf dem Programm.

Zurück im Hotel, welche Überraschung! Zwei total zerfetzte, vom Wasser aufgeweichte und auf den Kopf gestellte Bikeschachteln, erwarteten uns. Der Pappkarton war derart nass, dass ein Rücktransport zum Airport zur Schadenaufnahme ein Balanceakt wurde. 1 ½ Stunden am Flughafen, von “Desk to Desk”, von “Floor to Floor”, kein British Airways-Verantwortlicher zu finden. Ohne Rapport, von den Strapazen total übermüdet, fuhren wir wieder ins Hotel zurück.

Der 3. Tag stand unter dem Motto: 2. Versuch einer Schadenmeldung, Ersatzteilbeschaffung der fehlenden Teile und Bikeinstandstellung. Kein Problem, dachten wir uns, bis Mittag alles erledigt. Weit gefehlt! Trotzt BART (Bay Area Rapid Train), der uns jeweils schnell vorwärts brachte, war die Suche nach Ersatzteilen in SF und Umgebung erfolglos. Ein Geschäft orderte eines von uns benötigtes Teil in das 650 km entfernte Ventura. Eine billige provisorische Lösung muss bis Mitte September durchhalten. Total entmutigt und genervt, kehrten wir ins Hotel zurück. Eine zusätzliche Hotelübernachtung war die Folge.

Jetzt kann es losgehen! Mit “BART” und Bike direkt in die City von San Francisco, eine Testfahrt entlang der SF-Bay über die Golden Gate-Bridge, weiter nach Sausalito, Tiburon, und einer Fahrt mit dem High Speed Katamaran, gibt wieder Zuversicht.

Mittags, bei 35 Grad, verlassen wir Burlingame in Richtung Half Moon Bay. Abends, das Thermometer zeigt nur noch 15 Grad, was für diese Region als normal gilt, erreichen wir Half Moon Bay. Dieser Ort wird als „beautiful“ bezeichnet, bietet jedoch bis auf Souvenir Shops, Honeymoon Suites und Weddings nicht sehr viel mehr. Im Dorf belegt eine Hochzeitsgesellschaft fast alle Hotelzimmer, so dass wir für die Übernachtung und Teilnahme am Hochzeitsbuffet USD 150 bezahlen. Zwei weitere Nächte, mit campieren im Garten und BBQ, durften wir bei einer Privatperson verbringen. Hier entledigten wir uns auch von 20 kg Übergepäck, welches mit UPS zurück nach Luzern spediert wurde. Rücksendung siehe Ausrüstungsliste im EPILOG.

Greetings to our friends at Half Moon Bay: Thank you for your help,
Bike storage, the Campground and the beautiful
BBQ-Dinner. See you soon in Switzerland.

Auf Empfehlung von Jack und Vicky, ein “Tandem Cycling Paar”, und etwas mehr Durchsicht, lassen wir uns zwei Bikekarten nach Carmel senden. Die “zusammengeklebten” Autokarten aus dem Strassenatlas erwiesen sich als völlig unbrauchbar! Ohne Bicycle und Touring Map der Pazific Coast, Section 4 und 5, geht absolut nichts.

Folgendes Beispiel gibt einen ersten Eindruck über USA Distanzen: Für ein Shopping im nahe gelegenen Center benötigt man ”only 20 minutes”, oder auch möglich: “after 2 miles take a right, then 4 blocks down the street, at the left”. Etwa so lauten die amerikanischen Richtungs- und Distanzangaben. So erreichten wir abends nach 35 Meilen (56 Km), und zwei neuen Outdoor Leichtgewicht-Rucksäcken, unseren Campingplatz. Wieder ist ein Ruhetag ausgefallen!

Nebel, Nieselregen ohne Sonne, alles grau in grau begleitet uns auf dem Weg nach “Pigeon Point” wo wir in einem “Dorm” (6 Bett-Zimmer) nächtigen wollen. Das auf einer Klippe, 50 km südlich von San Francisco entfernte und 16 Meter hohe “Pigeon Point Lighthouse”, ist einer der grössten Leuchttürmen in Amerika. Das erste 8000 Kilogramm schwere Objektiv mit 6 Meter Durchmesser, einer 1008 Prismen Fresnel-Linse und fünf-Wick Schmalz Öl-Lampe wurde im Jahr 1872 das erste Mal in Betrieb genommen. Der heute modernisierte Leuchtturm bildet immer noch einen aktiven Teil der US-Küstenwache.

In Monterey besuchen wir das Aquarium und durchfahren den 17 Miles Drive, fotografieren die weltberühmte Zypresse und suchen mit dem Feldstecher den Pazifik nach Walen ab. Ausser Seehunde und Pelikane haben wir noch nichts Aufregendes gesichtet. Das Wetter ist kühl und neblig. Schlafsack, Zelt und Kleider bleiben nass und feucht. Weiter südlich soll es wieder besser werden. Dies wirkt ermutigend und hat uns auf der Suche nach der Sonne bereits 200 Meilen weit gebracht.

Ab Monterey zeigt sich für uns ein völlig anderes Bild von Kalifornien. Sonnig, angenehme Temperaturen, wechselnde Vegetation von gepflegtem grün bis kargem, Weideland. Pismo Beach, Lompoc und die nachfolgenden Küstenorte sind vom Wellenreiten geprägt. Neben Foot- und Basketball liegt wohl surfen an dritter Stelle des Volkssports. Wo es Pazifikwellen gibt, so sind auch Wellenreiter in ihren schwarzen Neoprenanzügen stark vertreten. Die “Kalifornier” haben immer Zeit für eine Unterhaltung und interessieren sich für unser Vorhaben. Sie sind hilfsbereit und geben gerne Auskünfte über die USA, die bevorstehenden Wahlen und Reisetips. Kaffeepausen, Mailadressen austauschen, Gleichgesinnte treffen und Reiseratschläge einholen brachten uns schon öfters in Zeitnot. Wie zum Beispiel im El Capitain Beach State Park, wo wir ohne Verpflegung um 18.00 Uhr eintrafen - kein Shop - kein Abendessen. Mit der Hoffnung, doch noch etwas warmes in den Magen zu kriegen fragen wir den Camping-Nachbar um Pasta und Salsa. Dieser lädt uns spontan zu seinem Familientreffen mit BBQ ein. Alles perfekt, mit der Folge, das Dinner zur Geburtstagsparty am Folgetag ist auch schon gesichert.

Many thanks to all SCIARONIS for this wonderful evening and BBQ
at the Campground. We liked your Beans and Birthday Cake.

Carmel ist sehr teuer! Eine Übernachtung im 2- oder 3-Sterne-Hotel ohne Meerblick kostet zwischen USD 250-300. Wir bevorzugen den 7 Meilen abseits des Highways 1 liegenden 40 Dollar “günstigen” Campingplatz doch noch zu finden. Wegen streunender Berglöwen wurde uns von einer Wanderung abseits des Camps abgeraten! Inzwischen haben wir 270 Meilen abgestrampelt und den Pfeiffer Big Sur Campground erreicht. Sonne und die allgegenwärtigen Souvenir Shops der Touristenzentren zeigen sich wieder. Nur 35 Meilen von Carmel entfernt sind die Campingplatzkosten bereits auf 6 Dollar gefallen. Wir sind gespannt wie sich diese “Hartgrund-Preise” bis San Diego weiterentwickeln.

Big Sur, die Landschaft mit ihren schroffen Felsküsten ist abwechslungsreich, kurvig und hügelig. Diese Meilen sind wirklich empfehlenswert. Auf diesem Landstrich haben wir auch unsere ersten Wale gesichtet. Inzwischen brauchen wir noch 2 Stunden für das Frühstück, Duschen, Zelt abbrechen und Bikes beladen. Die Handgriffe sind jetzt aufeinander abgestimmt und die Ersatzreifen haben doch noch eine sichere Befestigungsmöglichkeit gefunden. Mit den Bikekarten ausgerüstet ist die Planung der Tagesetappen "ein Leichtes", nur das „Wo-ist-was“ in unseren Packtaschen ist immer noch nicht definitiv geklärt. Dennoch haben wir uns an die neue Alltagssituation gewöhnt und die Position der Griffe, Schaltung, Sattelhöhe, Neigungswinkel ist jetzt mit Erfolg abgeschlossen.

Cambria, ein kleiner Ort, im “Wild West Stil” liegt etwa auf halbe Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles. In dem hübschen Hostel “Bridge Street Inn” legen wir zwei Ruhetage ein und lassen uns in einem Restaurant kulinarisch verwöhnen. Auffallend, durch Cambria führt eine Hauptstrasse, die von vielen kleinen Shops und Restaurants gesäumt wird. Touristisch nicht überfüllt, lädt dieses Städtchen zum Schlendern und verweilen in den Strassencaffees ein. Das Klima hat sich auch geändert und die Sonne scheint bei 25 bis 30 Grad von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Es herrscht jedoch ein stetiger Wind und während der Nacht sinken die Temperaturen unter 15 Grad.

Schon der 21.9.? Bereits 20 Tage in Kalifornien?

Wir verlassen Carpintera mit Ziel Los Angeles. Auf dem Weg nach Point Mugu, nächtigen wir an einem strandnahen Pazifik Campground. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt und während des Zeltaufbaus werden wir von einer Moskitoinvasion überfallen. Zu spät erkennen wir das nur wenige Schritte entfernte Feuchtgebiet. An Kochen ausserhalb des Zeltes war gar nicht mehr zu denken, weshalb das Nachtessen im Zelt zubereitet werden musste. Am Morgen herrschte erneut das gleiche Szenario, so dass wir ohne Frühstück diesen unliebsamen Campingplatz verlassen. So eilig haben wir noch nie zusammengepackt!

Ein letzter Hügel vor Santa Monica, der Purisma Hill (900 Fuss hoch), war noch zu bezwingen. Die Skyline von LA wurde nun ersichtlich. Ab Malibu führt uns ein gepflegter Radstreifen entlang der “Pacific Beach ” nach “ Venice Beach”. Wir verzichten auf eine Los Angeles Sight Seeing Tour und widmen uns um so mehr dem skurillen Treiben an der Venice Beach, mit den vielen Individualisten die alles verkaufen was Dollars bringt und der Muscle-Beach Käfig "immer jung und fit", Kickboards, Skateboards, Rollerblades und alles was mit Muskelkraft rollt, hüpft oder springt.

Nach 2 Nächten in einem äusserst unbefriedigenden Hostel verlassen wir LA um die vorerst längste Tagesetappe von 130 Kilometer in Angriff zu nehmen. Etwas erschöpft erreichen wir um 20.00 Uhr den Campground Capistrano Beach. Mit Stirnlampe das Zelt aufbauen und Nachtessen kochen ist trotz eingespielten Handgriffen nicht unter einer Stunde zu schaffen.

Der Streckenabschnitt Los Angeles bis San Diego wird als nicht sehr attraktiv beschrieben. Uns haben die Radwege und die Abwechslungsreichen Strände, mit den vorgelagerten Inseln und Städte positiv überrascht. Das “Campland on the Beach” auf einer Halbinsel in San Diego war schnell gefunden. Mit 2 Pools, 2 Jacuzzi, bester Infrastruktur und ohne Pacific Coast Getöse ist dies der teuerste), jedoch schönste Campingplatz bis jetzt (44 Dollar pro Tag).

Bis zur Weiterreise nach Mexico wollten wir in San Diego noch ein paar erholsame Tage verbringen. Der Ausflug nach Tijuana (mexikanische Grenzstadt zu den USA) wurde zu einer Belastungsprobe. Trotz vieler Ratschläge und unserer Vorsicht blieben wir von einem Diebstahl nicht verschont. Die Idee mit dem Bus von Tijuana über Mexico Stadt (umsteigen) nach Tapachula zu gelangen war schnell verworfen. Tapachula liegt 18 Kilometer von der Grenze nach Guatemala entfernt an der Pazifikküste. Die unverbindlichen Preis angaben, ein umständlicher Biketransport und die 4-tägige Busfahrt über 4000 Kilometer bis an die Guatemala Grenze war uns zu riskant.

Wir entschliessen uns einen Pickup zu mieten um mit unserem Gepäck zurück nach LA zu fahren und anschliessend mit “Continental Airways” nach Guatemala City zu fliegen. Die 5 Tage in San Diego waren alles andere als erholsam. Während dieser Zeit haben wir mit Bike 150 Meilen zurück gelegt um die gestohlene Sonnenbrille zu ersetzen, Bikeschachteln organisiert, 2x einen Hinterradplatten repariert, Bikes eingepackt, und im “R.E.I Outdoorshop” unsere verlorenen Kaffeetassen ersetzt!

Die 3-stündige Fahrt nach LA war trotz Rushhour unproblematisch und das Motel für eine Nacht schnell erreicht. Die Vorbereitungen für den Abflug am Folgetag nach Guatemala waren erledigt. Uns blieb genügend Zeit für ein gemütliches Nachtessen um Alexandre's Geburtstag ausklingen zu lassen.

Unser Flug nach Guatemala, war Stress pur!

Die bemessene Zeit von 4 Stunden bis zum Abflug erwies sich als ungenügend. 7.30 Uhr aufstehen, Mietautorückgabe, Schlange stehen beim Check-In und Probleme bei der Gepäckaufgabe mit den als Übergewicht geltenden Bikeschacheln. Dies hatte zur Folge, dass wir den Zubringerflug nach Huston verpassten. Glücklicherweise bestand noch eine zweite Möglichkeit um den Anschlussflug ab Huston nach Guatemala City zu erreichen. Schlange stehen, spezielle Screenings, Passkontrolle und immer wieder “stand the queue”. 10 Minuten vor Abflug erreichen wir das bereits geschlossene Gate. Das Boarding musste für uns nochmals eröffnet werden. Nach 3 Stunden Flug erreichen wir Huston um 17.00 Uhr (Zeitverschiebung 2 h+).

Der Weiterflug nach Guatemala um 19.10 Uhr liess uns nur wenig Zeit für eine Kaffeepause.

 

Nach 1390 Kilometer verlassen wir Kalifornien mit folgenden Erinnerungen:

Bikefahrt über die Golden Gate Bridge nach Sausalito

BBQ Party mit Freunden in Half Moon Bay

Waschbären im Container und in unserem Zelt

Mit dem Fahrrad auf dem Freeway

US-Autofahrer und Motorhomelenker die uns Rücksichtsvoll begegneten

Der Pacific Coast Highway mit fast 90% Bikeweg von teilweise bis zu 3 Meter breite

Moskito Invasion auf Campground nach Point Mugu

Venice-Beach mit skurillen Häusern, vielen Individualisten und Muscle-Beach Käfig

Camp Pendleton der US-Navy Stützpunkt mit 14 Kilometer Küstenanstoss

Einladung zum “Sciaroni” Familienfest im El Capitain Beach State Park

In Monterey das Aquarium die Seehunde und den 17-Mile Drive

Grenzstadt Tijuana in Mexico und der Entscheid, die Baja zu überfliegen

 

Bikerinfo Kalifornien

Kartenmaterial:

www.adventurecycling.org/routes

Testfahrt:

Zu Hause mit Ausrüstung. 300 Höhenmeter !

Verpflegung:

Für 2 Tage mitführen
Zwischenverpflegung unterwegs möglich

Wasser:

In State Parks nicht immer einwandfrei trinkbar

Etappen:

Höhenprofil, Distanzen und Zeitaufwand. nicht unterschätzen.

Radweg:

Bike Lane benützen, Highways können zu Freeways werden und dürfen in der Regel von Bikes nicht befahren werden. Es bestehen jedoch Ausnahmen

Transport

Fahrräder werden in öffentlichen Bussen (max. 2 Stück) und auf Schiene (Metro) kostenlos befördert.

Klima:

Temperaturunterschiede von 10-25 Grad möglich, feucht+neblig, Gegenwind, Wichtig: Sonnenschutz

Hotels:

Hotelunterkünfte sind Freitag und Samstag meistens doppelt so teuer. (Weekend = Campground)

Internet:

Ohne eigenes Notebook in öffentlichen Libraries.
Wi-Fi Zugang Starbucks Kaffees (Karte kaufen)

 

Mexiko

Warum wir Mexiko nicht bereisen


Unsere Sicherheit im Bezug des Strassenverkehrs und persönlicher Unversehrtheit hatten erste Priorität. Nachfragen bei Touristikbüros, USA-Bürger mit Mexiko-Erfahrung und den Ratschlägen im Internet zeigten uns ein schlechtes Bild dieses Drittweltlandes.

Mexiko befindet sich zur Zeit in einem "gesetzlosen Zustand". Fast alles bleibt unbestraft so dass selbst die Ordnungshüter mit dem "Banditos" sympathisieren. Korruption, Entführung und Beraubung sind an der Tagesordnung. Extrem ist die Situation nach dem Grenzübertritt USA - Mexico bei Tijuana. Auch wenn es "nur" wenig "Unfälle" gibt, das Risiko für Individualreisende ist unverhältnismässig gross.

Die Strassenbeschaffenheit durch die Baja ist für 2-Räder, unversehrt durch zu kommen, eher Glücksache. Der Fahrstreifen lässt das Kreuzen von 2 Lastwagen nur um haaresbreite zu. Die Strassenränder sind ohne Abschluss (Stellriemen), und bieten keine Ausweichmöglichkeit wegen des starken seitlichen Gefälles. Hilfe bei einem Unfall ist kaum zu erwarten, weder von Einheimischen noch von Touristen, aus Vorsicht in eine "Falle" zu geraten.

Leider, es gibt nichts erfreuliches zu berichten, so bleibt uns die Naturschönheit und kulturelle Vielfalt dieses Landes nur in der Vorstellung "wie es sein könnte".

 

Reisebericht Guatemala

03. - 24. Oktober 2008

Nach einer unsanften Landung in Guatemala City konnten wir erfreulicherweise unser ganzes Gepäck in einwandfreiem Zustand in Empfang nehmen. In nur 35 Minuten waren die Passkontrolle und der Zoll erledigt. Ein Bustransfer zu einem nahe gelegenem Mittelklass-Hotel (US-Dollar 50) kam uns sehr gelegen, so dass unsere Befürchtungen einer Übernachtung im Flughafen schnell vergessen waren.

Beim Frühstück, hinter einer sicheren Glasscheibe wurde uns bewusst, was uns auf der Fahrt nach Antigua erwarten wird. Montag um 09.00 Uhr, die beste Zeit nach der Rushhour die Stadt zu verlassen, erschien uns als geeignet. Die 45 Kilometer nach Antigua waren von Smog, Abgas, russenden und qualmenden Bussen, Lärm und "Wildwest" im Strassenverkehr geprägt. Vortrittsregeln gibt es (fast) nicht, der "schnellere" kommt zuerst, für Fahrräder bleibt nur wenig Platz. Nach fünf Stunden, einigen "up and downs" erreichen wir Antigua auf 1500 Meter über Meer.

Antigua, bekannt durch die mehr als 80 Sprachschulen und den Tourismus zeigt uns Guatemala von einer ganz anderen Seite. Die Gegensätze von Blechhütten am Strassenrand und den restaurierten Gebäuden können nicht grösser sein. Antigua, ehemals Hauptstadt, wurde durch ein Erdbeben zerstört und nun wieder aufgebaut. Die Strassen des ganzen Stadtgebietes sind mit Natur- Kopfsteinpflaster ausgelegt, so dass wir unsere Räder zum Hotel schieben mussten.

Campingmöglichkeiten gibt es nicht, einfache Unterkünfte sind schon ab 25 US-Dollar zu finden. Vorerst wollten wir nur zwei Tage in Antigua verbringen. Unsere Spanischkenntnisse liessen jedoch sehr zu wünschen übrig, so dass wir uns die Möglichkeit zu einem Intensivkurs nicht entgehen lassen wollten. Privatlehrer, 1 Heft und 1 Kugelschreiber, ein Holzstuhl, WC-Papier selber mitnehmen, - unser erster Kurstag hat begonnen. Kosten; 510 US-Dollar für 2 Personen inkl. Unterkunft und Verpflegung bei einer einheimischen Gastfamilie. Andere Länder, andere Sitten, wir sind nach der ersten Nacht bereits wieder ins Hotel umgezogen.

Bei 5 Stunden Intensivunterricht von 08.00 - 13.00 Uhr blieb uns noch ausreichend Zeit für Ausflüge zum "Lake Atitlan" und dem aktiven Vulkan "Pacaja". Mit Shuttlebus (Max. 13 Personen) werden die Touristen zu den entfernten Ausgangspunkten befördert. Über die mit Schlaglöcher versetzten Strassen dauert eine Fahrt bis 3 Stunden (oneway). Wenn die Stossdämpfer Bremsen, Gangschaltung und Lichtanlage einwandfrei funktionieren, so hat man sich für die richtige Touragentur entschieden.

Durch den Tourismus geprägt nimmt Antigua in Guatemala eine Sonderstellung ein. Die Armut und das geringe Einkommen der Bewohner sind auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar. Eine Nacht bei einer Gastfamilie der Mittelklasse zeigte uns die Spanne zwischen "nichts haben" und "dem Nötigsten" was man zum Leben braucht.

Unsere Spanischkenntnisse aufgebessert, sind wir bereit, die 400 Kilometer entfernte Grenze zu Honduras zu erreichen. Ab Antigua (1500 Meter über Meer) einmal kräftig in die Pedalen treten und es geht 45 Kilometer bergab, und wir befinden uns auf 560 Meter über Meer.

Durch den lärmigen und von Smog belasteten Ort Esquintla werden wir mit Polizeibegleitung geführt. Unsere hilfsbereite Unterstützung verabschiedet sich freundlich und gibt uns noch richtungweisende Infos um sicher die Ebene von "Santa Rosa" zu erreichen. Über 30 Grad Hitze und eine enorm hohe Luftfeuchtigkeit belastet uns sehr. Schweisstropfend, wird das Pedalen anstrengend und kräftezehrend. Die anhaltenden und starken Regenschauer vor Chiquimulilla bringen die ersehnte Erfrischung. So erreichen wir total durchnässt, nach über 100 Kilometer, unser Nachtlager.

Ab Antigua werden die Hotelunterkünfte immer schlechter und ungepflegter. Die Zimmer sind feucht, schimmlig, dunkel, eng und durch ungebetenes Ungeziefer mitbewohnt. Unsere Schlafsäcke sind uns wieder sehr hilfreich, wenn auch nur als "Fixleintuch" in den schwül-heissen Zimmern. Die Nächte sind von bellenden Hunden, krähenden Hähnen, Fahrzeugen ohne Schalldämpfer, Moskitos und überlauten TV-Geräten geprägt. Unter diesen Umständen wünschten wir uns wieder einen Campground mit quietschendem "Pacific Coast Train" zurück.

Um möglichst schnell nach Honduras zu gelangen, werden die verbleibenden 250 Kilometer in 5 Tagesetappen eingeteilt. Ein Irrtum, den wir sogleich teuer bezahlen werden. Die locker anzugehende Strecke von Chiquimulilla nach Cuilapa von "nur" 37 Kilometer müssen wir völlig erschöpft nach 11 Kilometer aufgeben. Die unendlichen Steigungen von bis zu 15 Prozent auf 5 Kilometer überwinden wir mit Schieben. Nach 4 Stunden sind unsere normalerweise ausreichenden 3 Liter Flüssigkeit bereits aufgebraucht. Die verbleibenden 6 Kilometer bis zur Passhöhe auf 1400 Meter über Meer, und die restliche Strecke bis Jutiapa bezwingen wir auf der Laderampe eines Abschleppdienstes.

Die Erschöpfung dieses ungewohnten Tages bleibt uns bestimmt in Erinnerung. Unser Entschluss nicht aufzugeben, wird durch eine abwechslungsreiche Fahrt ohne kräftezehrenden up and downs belohnt. Die Vegetation erscheint grüner und üppiger die Kühe, Schweine und Hühner bewegen sich bis an den Strassenrand. Die Häuser wirken gepflegter, die Strassen sind gut asphaltiert ohne Schlaglöcher und abfallfrei. Wir freuen uns auf Honduras.

Der Grenzübertritt verlief problemlos. Die Leute sind neugierig und interessieren sich für unser Abenteuer. Wir geben gerne Auskunft über unsere Reiseerfahrung, die Ausrüstung und dass sich “Suiza” in Europa befindet.

 

Nach 402 Kilometer verlassen wir Guatemala mit folgenden Erinnerungen:

Besteigung des aktiven Vulkan Pacaya und flüssige Lava in der Abenddämmerung

Markt in Antigua wo fast alles, gebraucht oder neu, verkauft wird

Hähne krähen ab 3 Uhr früh, Hunde bellen die ganze Nacht,

Sprachschulen werben um jeden Student.

Armut, Mobile, TV, Strassenverkehr, Smog,

Schwarze Abgaswolken der Chickenbus (alte USA Schoolbus)

Motorräder mit 4 Personen (ganze Familie) beladen

Die 11 kräftezehrendsten Kilometer auf dem Weg nach Cuilapa

Gastronomie?

Kalt duschen ist gewöhnungsbedürftig

 

Bikerinfo Guatemala

Kartenmaterial:

www.reise-know-how.de
Landkarten und Reiseführer Lateinamerika

Verpflegung:

Für 2 Tage mitführen
Zwischenverpflegung unterwegs möglich

Wasser:

NUR Mineralwasser ist einwandfrei (PET Flaschen kaufen)
Wenn immer möglich den Flüssigkeitsbedarf ergänzen!

Etappen:

Informationen über Höhenprofil, Distanzen, Strassenzustand und Übernachtungsmöglichkeiten einholen.
Zeitaufwand. nicht unterschätzen.

Radweg:

Einheimische erhalten den Fahrschein in 2 Stunden! . Entsprechend das “Wild West” verhalten auf den Strassen. . Auf der Panamericana ist ein Rückspiegel ein Muss. Lastkraftwagen und Bus entwickeln eine Sogwirkung!
Schlaglöcher, Längsrillen, fehlende Gully-Deckel unangepasste (alt – neu) Asphaltbeläge

Transport:

Fahrräder werden in öffentlichen Bussen (alte USA Schoolbus) auf dem Dach transportiert. Es empfiehlt sich, eigene Riemen (4 x 50 cm) bereitzuhalten und selber die Räder zu fixieren. Ein Trinkgeld wirkt motivierend.

Klima:

Höhenabhängige vielseitige Klimabedingungen möglich.
Schwülheiss und hohe Luftfeuchtigkeit. Sonnenschutz! In Bergregionen ist lokaler Niederschlag mit Nebel möglich.

Hotels:

Hotelunterkünfte sind billig
Bettwäsche und Hygiene nicht Europa Standard.
Wäsche wird vorwiegend mit Kaltwasser gewaschen.

Camping:

Nach unserer Ansicht grundsätzlich nicht möglich
Sichere Campingplätze gibt es nicht. Von “wildem” campieren wird abgeraten. Die meisten Flächen sind mit Stacheldraht eingezäunt und von Hunden bewacht.

Internet:

Internet-Kaffees, Laundry, Hotel-Lobby.
PC mit “Skype” und Kamera zur Verfügung gestellt
Wi-Fi Zugang eher selten (langsam oder defekt)

 

Reisebericht Honduras

24. - 31. Oktober 200
8

10 Kilometer nach der Grenze Guatemalas machten wir einen ersten Zwischenhalt in Copan Ruinas, bekannt durch die Ruinen der Mayakultur. Dieses einzigartige, durch die UNESCO geschützte Weltkulturerbe, wird als grösste Sehenswürdigkeit Honduras bezeichnet. Wir verbringen einen halben Tag mit einer Führung um uns die Hintergründe und Geschichte der Mayas näher zu bringen. Im "Espresso-Americano" geniessen wir nach längerer Zeit wieder einen wirklich guten Capuccino. Als Folge des Bohnenexportes ist guter Kaffee nicht selbstverständlich. Copan Ruinas, fest in touristischer Hand, fällt durch die vielen Restaurants, Souvenirläden und kopfsteingepflasterten Strassen auf.

Wir verlassen bei Nieselregen und bedecktem Himmel, was hier keine Seltenheit darstellt, dieses gepflegte Provinzstädtchen. Auf dem Weg Richtung "La Entrada" treffen wir auf Viehherden, Frauen am Fluss, Schweinetransport, schlammige und durch Erdrutsche verschüttete Strassen. Durch die anhaltenden Regenfälle und Unterspülungen wurden viele Strassenteile zu aufgeweichten Lehmpisten. Nach 50 Meter Fahrt blockieren die Räder und Bremsen, der Schlamm fällt in die Kette, Kassette und Kurbel. Dies zwingt uns zu mehreren Fahrradreinigungen. Mit dem “Wasserstrahl” aus PET-Flaschen müssen wir die Komponenten wieder beweglich machen; Eine äusserst zeitaufwendige Angelegenheit. Kurz vor La Entrada erfolgt bei Alexandre der vierte Reifenplatten. Bereits geübt beim Flicken auftragen ist dieses Malheur schnell behoben.

Auf dem Weg nach Santa Rosa sind wiederum viele "up and downs" und 500 Höhenmeter bei 11% Steigung zu bewältigen. Gracias erreichen wir bei Dunkelheit und suchen uns ein Hotel. Im "La Posada Don Juan", bestes Hotel im Ort, nächtigen wir für nur 25 US-Dollar. Bei unserer Nachfrage über den weiteren Weg nach "La Esperanza" erfahren wir, dass die Strecke offiziell gesperrt sei. Die Naturstrasse ist durch die andauernden Regenfälle schwer geschädigt und die Aufräumarbeiten dauern an. Nur ein "Zurück" mit grossem Umweg nach San Salvador würde uns weiter nach Nicaragua bringen. Wir begeben uns auf die Suche nach einem Allrad-Fahrzeug mit Chauffeur, der uns von Gracias nach La Esperanza bringt.

Vorbei an schweren Baumaschinen wird uns bewusst, dass unter normalen Bedingungen diese Strecke mit Fahrrad nicht unter 3 Tage zu bewältigen wäre. Nach 3 Stunden Fahrt auf einer Rappelpiste, weiteren 5 Mitfahrern zwischen Gepäck und Bike und um 3000 Lempira (150 US-Dollar) erleichtert, erreichen wir La Esperanza nach 80 Kilometer. Wegen der Lenca-Einwohner, deren Ehrencodex für Ehrlichkeit steht, gilt dieser Ort als der sicherste von Honduras.

Bei Regenschauer verlassen wir La Esperanza durch die unasphaltierten, mit Schlaglöchern durchsetzten und aufgeweichten Strassen. Der „Insider-Tipp“ eines Einheimischen führt uns auf der alten Passstrasse über die Berge nach Marcala. Abseits der Zivilisation geniessen wir 30 Kilometer autofreie Naturstrasse die uns durch grossflächige Bergwälder führt. In diesen Höhen ist Nebel, Nieselregen und Temperaturwechsel mit sonnigen Abschnitten nichts aussergewöhnliches, was ein mehrmaliges An- und Ausziehen des Regenschutzes erfordert. Dieser Streckenabschnitt würde sich als Mountainbikeroute mit ausgedehnten Downhills hervorragend eignen. Nach 5 Stunden erreichen wir wieder festen Asphalt, der uns nach Marcala führt.

Zum Preis von nur 9 US-Dollar inkl. Getränken, essen wir ausgiebig und gut in einem Honduras-China-Restaurant. Diese Ortschaft fällt uns durch ein gepflegtes Erscheinungsbild, Geschäfte mit geordneter Auslage und einer guten Hotelunterkunft auf. Im Orts-Kaffee erstellen wir auf einer Papierserviette das Distanz- und Höhenprofil für die nächste Etappe. Die hilfreichen Informationen eines LKW-Fahrers unterstützen uns zur Bewältigung der bevorstehenden 700 Höhenmeter nach La Paz. Die gute Vorbereitung verschont uns von der Mehrbelastung einer Fahrt ins Ungewisse. So erreichen wir unser Ziel noch rechtzeitig vor Einbruch der kurz andauernden Dämmerung.

Die Strecke von La Paz nach Tegucigalpa, Hauptstadt von Honduras, birgt einige nicht zu unterschätzende Hindernisse. Die 70 Kilometer in einem Tag, über 1000 Höhenmeter, keine Übernachtungsmöglichkeit und eingeschränkte Verpflegung erscheinen uns nicht machbar. Gemäss Information am Busterminal herrscht in dieser Bergregion dichter Nebel mit eingeschränkter Sicht, immer wieder Regen und es sei gefährlich (warum ist uns nicht genau bekannt).

Wir entschliessen uns zur Weiterfahrt mit "Chicken-Bus" bis Tegucigalpa. Die Koga's schnallen wir mit unseren mitgebrachten 5 Riemen (2cm breit 1m lang und Gurtschnalle) auf das Busdach. Um Schaden an den Fahrräder zu vermeiden, empfiehlt es sich das festbinden selber zu erledigen. Ein zusätzliches Trinkgeld für den Fahrer motiviert ihn die Schlaglöcher zu umfahren. Nach 2 Stunden, im hektisch und lauten Tegucigalpa angekommen, zeigt sich ein Bild von Unrat, Smog, üblen Gerüchen und einem zum stillstand erliegenden Verkehr. Eigentlich wollten wir in der Hauptstadt Honduras eine Nacht verbringen. Die ersten Eindrücke von Tegucigalpa waren entscheidend zur Weiterfahrt nach Danli, um diese Ortschaft noch vor Einbruch der Dunkelheit (Rat eines Mitfahrers) zu erreichen. Über die Mittagszeit wird der Buswechsel zum 1 Kilometer entfernten Terminal zur Belastungsprobe und benötigt starke Nerven. Jeder Bus hat seinen eigenen Standplatz, und dies in einem Stadtviertel das man freiwillig nicht durchstreifen würde.

Nach 3½ Stunden (85 Kilometer) abenteuerlicher Busfahrt nach Danli, sind wir erleichtert, diese ohne spektakuläre Zwischenfälle überstanden zu haben. Wie schon bestens bekannt, passierten wir an eingebrochenen Strassenstücken, einem Lastkraftwagen der aus dem Schlamm gezogen wurde, Bauarbeiter mit Hacken und Schaufeln mit Schaulustigen, die warten bis die Strasse zur Weiterfahrt wieder freigegeben wird. Um 2-Radbreiten fahren wir an einer auf 20 Meter abgebrochenen Strassenhälfte entlang. Unterhalb des betroffenen Fahrstreifens sind mehrere Häuser von den Abbruchstücken und Schlammassen verschüttet worden. Weil es sich um eine Hauptverkehrsachse mit Gegenverkehr handelt, rollen die Fahrzeuge weiter auf dem unbefestigten Strassenstück. Bedenklich und äusserst gefährlich! Im Vergleich war die "Rowdy-Fahrt" mit unserem Privatchauffeur harmloser als diese „20-Meterstrecke“.

Vor dem Grenzübertritt nach Nicaragua, ein letztes Mal die Lavanderia aufsuchen, Wäsche reinigen lassen, im Supermarkt die notwendige Verpflegung und Getränke besorgen, um am nächsten Morgen um 07.00 Uhr nach "Los Manos" (Grenze Honduras/Nicaragua) aufzubrechen. Abends möchten wir nach 51 Kilometer die Ortschaft Ocotan in unserem 4. Reiseland erreichen.

 

Nach 290 Kilometer verlassen wir Honduras mit folgenden Erinnerungen:

Grundsätzlich hat uns Honduras besser gefallen, als Guatemala. Das Land wirkt kultivierter, die Hotels gepflegter und das Essen schmeckte uns besser. In Honduras sind die Strassen noch nicht überall asphaltiert. Dort wo vorhanden, ist die Belagsqualität einwandfrei und ohne Schlaglöcher. Das Mittelland ist bergig, bewaldet und grün. Die Bewohner erscheinen uns aufgeschlossener, wohnen mehrheitlich in Häuser und nicht in Bretterbuden. Unserer Auffassung nach, ist der Lebensstandard deutlich höher als in Guatemala. Jederzeit fühlten wir uns wohl und in keiner Weise bedroht oder unsicher. Mit Ausnahme während der Nacht, wo man das Fahren besser unterlassen sollte, lässt es sich im Strassenverkehr sicher voran kommen.

 

Was kostet was?

Chicken-Busfahrt, 80 Kilometer, 2 Personen, 2 Fahrräder
CHF 10.--
Übernachtung im „ortsbesten“ Hotel, Doppelz. mit Dusche
CHF 30.--
1 Stunde Reparatur der 150mm Kogalenker Stahlschraube
CHF 10.--
Nachtessen inkl. Getränk, 2 Personen, im Durchschnitt
CHF 15.--
1 Banane vom Markt (2 Lempira)
12 Rappen

 

Reisebericht Nicaragua

31. Oktober - 7. November 2008

Bis heute sitzen wir bereits 2 Monaten im Sattel, haben 2500 Kilometer abgestrampelt, 4 Länder durchquert, 4 Grippeninfekte kuriert, 2 Ketten gewechselt, eine Lenkerreparatur ausgeführt, 4 "Plattfüsse" behoben und befinden uns jetzt in Nicaragua.

Die Leute sind hilfsbereit, freundlich und sehr tolerant zu unserem "kargen" Spanisch-Wortschatz. Die Strassen sind gut ausgebaut, geteert und meistens mit angrenzenden Plantagen, Wälder oder Wiesland gesäumt. Diese üppige und abwechslungsreiche Vegetation "hautnah" geniessen zu können hat auch seinen Preis. Nicht selten erreicht das Thermometer morgens um 10.00 Uhr bereits 38 Grad und immer noch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr versuchen wir in einem Restaurant der schweisstreibenden Hitze zu entfliehen und verkürzen uns die Wartezeit mit Fahrradunterhalt oder Ananas schälen. Unter solchen Klimabedingungen beginnt unser Tag bereits um 5 Uhr mit aufstehen, Frühstück, Zusammenpacken und der Abfahrt um 7 Uhr. Somit erreichen wir auch mit einer "ausgedehnten" Siesta eine Tages-Distanz von über 100 Kilometer.

Auffallend, es gibt weniger Supermärkte. Mehrheitlich treffen wir auf Kleinläden von circa 25m² Verkaufsfläche, mit einer Auslage die vom Boden bis zur Decke reicht. Auch der Eingang ist mit einer "Displaywand" auf Rollen verstellt. Man findet fast alles irgendwo, und wenn nicht, wird man mit grosser Wahrscheinlichkeit am Markt fündig. Apotheken gibt es in Zentralamerika so viele wie bei uns Bäckereien. Letzteres mit Vollkornbrot im Angebot sucht man jedoch vergeblich. Abends trifft man sich im Stadtpark wo das Leben spielt. Musik, Motorräder ohne Schalldämpfer und viele Hunde. Wo es die Vierbeiner gibt, ist auch Mamas Grillstand am Strassenrand nicht weit. Im Speiseplan findet sich: Pollo, Cerdo, Res, Frijoles, Tortillas, Gallos Pinto, Platanos ..... und sehr wichtig, Salsa Picante. In Masaya erhalten wir für nur 3 Doller einen grossen Teller randvoll mit bester traditioneller Kost und einem Getränk.

Nach einem kurzen "Hupf" von 21 Kilometer erreichen wir Granada, am Lago de Nicaragua. Eine kleine Stadt mit angenehmen Ambiente, reizvollen Bauten, intensivem Marktgeschehen und natürlich einigen Touristen. Im Hotel "La Posada del Sol" verbringen wir 2 Nächte in einem originell gestalteten rustikalen Appartement. Im Touristikcenter erkundigen wir uns über die Fährverbindung nach "Isla de Ometepe", die weltgrösste Insel in einem See, welche aus den beiden Vulkanen "Concepcion" (1610 Meter über Meer) und "Maderas" (1394 Meter über Meer) entstand. Diese Vulkan-Insel wird von 40'000 Einwohnern vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Mittels Shuttlebus werden wir zum Hafen „San Jorge“ gebracht wo die Fähre nach „San Jose del Sur“ auf uns wartet. Ein tragfähiges Stück Holz, bestehend aus einem löchrigen Rumpf, Kompass und Steuerrad, Kapitän, Maschinist, 6 Matrosen (einer davon an der Lenzpumpe). Für die Gangschaltung und Geschwindigkeit gibt der Kapitän, mittels einer Schnur zur Signalglocke, die notwendigen Kommandos aus dem Steuerhaus zum Maschinist unter Deck. Die Zulassung dieser kommerziell genutzten Fähre für 70 Passagiere, wird vom Gouvernement für jeweils 30 Tage erteilt. Nach einer Stunde fahrt, der Matrose an der Lenzpumpe hat erfolgreich das Wasser nach Ausserbords gebracht, erreichen wir die Anlegestelle. Diese Anlegestelle, auch Hafen genannt, ist nur für Fussgänger und 2 Räder geeignet. Noch 10 Minuten bis zum Hotel "Chargo Verde", wir beziehen ein von exotischen Pflanzen umgebenes Bungalow. Am Rande der Lagune erwartet uns eine Vielfalt von Gewächsen, Mangroven, Mammutbäume, Palmen…. und vielen Moskitos.

Hier möchten wir uns wie Robinson Crusoe vom Inselleben verwöhnen lassen. Der 10 Meter vom Bungalow entfernte Strand des Lago de Nicaragua, besteht aus schwarzem Vulkan-Sand. Das Wasser des Lago de Nicaragua vermag auch nachts das Thermometer nicht unter 25 Grad zu drücken. Ein ratternder Deckenventilator über dem Bett bringt die schwülheisse Luft etwas in Bewegung. Um nicht ganz dem "Nichtstun" zu verfallen, entschliessen wir uns am Folgetag zur 49 Kilometer langen Inselumrundung des Vulkan Concepion. Im "Ojo de Agua", gespiesen aus dem aktiven Vulkan Concepion, finden wir die wohlverdiente Abkühlung. Das „Auge des Wassers“, mit der Heilkraft eines Thermalbades und der Wassertemperatur von 25 Grad, umgeben von exotischem Wildwuchs ist ein ruhiges und erholsames Stück Natur.

 

Nach 420 Kilometer verlassen wir Nicaragua mit folgenden Eindrücken:

Üppige und abwechslungsreiche Vegetation

Fortschrittliche Stromgewinnung durch Windgeneratoren

Spektakuläres Übersetzen mit der Fähre, und Bungalow am Lago de Nicaragua

Präsidentenwahl die auch auf einer Insel mit Volksfesten gefeiert wird.

Einzigartiges Thermalbad „Ojo de Agua“ (Auge des Wassers)

Sonnenuntergang am Horizont der Insel Ometepe

 

 

Reisebericht Costa Rica

07. - 27. November 2008

Costa Rica - die Schweiz Zentralamerikas

Costa Rica, mit seinem Wohlstand, Funktionalität und Sauberkeit ist eine Besonderheit Mittelamerikas. Tropische Regenwälder, aufregende Strände, aktiven Vulkanen, Dschungelflüssen, und die vielen Naturparks lassen Costa Rica zu einem abwechslungsreichen Radelabenteuer werden.

Fast 30% des Landes stehen unter Naturschutz und der Ökotourismus wird gross geschrieben. Besonders zu erwähnen; Costa Rica besitzt kein Militär, ist neutral und die daraus freigewordenen Mittel werden für ökologische und soziale Zwecke eingesetzt. Ein wahres Paradies als drittkleinstes Land Mittelamerikas auf einer Fläche von 51'000 Quadratkilometer, umgeben vom Atlantik und Pazifik, die nur durch 3 Autostunden von einander getrennt sind.

Die Durchschnittstemperatur an den Küsten liegt bei 32 Grad und bei 17 Grad im Landesinnern. Regenzeit ist vom Mai bis November, in der restlichen Zeit gibt es kaum Niederschläge. Jedem Radbegeistertem wird schnell klar, dass Costa Rica die "Schweiz Zentralamerikas" genannt wird. Costa Rica, mit dem Colón als Währung, ist leider neben Panama das teuerste Land Zentralamerikas.

Unsere Erlebnisse vom 7. - 27. November waren abwechslungsreich, vielseitig, spannend und voller Überraschungen und soll Euch ein Bild verschaffen, wie es uns auf den insgesamt 752 Kilometer (Tagesdurchschnitt ca. 52 Kilometer) ergangen ist.

Ohne “Touristen-Führer” durch die verschiedenen Grenz-Amtsstellen zu gelangen, wäre für uns eine mehrstündige Angelegenheit geworden. Der Grenzwechsel aus Nicaragua ist bürokratisch und kostspielig (20 Dollar). Costa Rica erhebt für die Einreise keine Gebühren. Der Grenzübergang in „Penas Blancas“ mit 5 cm Feinstaub und den vielen LKW's ist katastrophal. Der markante Wechsel der Zivilisation zu den bereits durchreisten Ländern ist uns besonders aufgefallen.

Von der Grenze bis La Cruz (20 Kilometer) folgen mehr “up's” als “down's”. Die Strasse führt durch dichten Wildwuchs aus Bäumen, Palmen und weiteren exotischen Pflanzen. Durch herunterfallende Äste werden wir auf freilebende Affen aufmerksam. In La Cruz erhalten wir noch das letzte freie Hotelzimmer „alles inklusive“, ohne Fenster, ein Ventilator mit durchtrenntem Stromkabel, fehlenden Latten im Bettgestell und einigen Kakerlaken. Ein Stromausfall ab 23.00 Uhr brachte die muffige Luft erst recht zum kochen. Jetzt finden unsere Therm-a-Rest-Matten wieder einen willkommenen Einsatz und wir wechseln von den Betten auf die Liegestühle am Pool und verbringen die Nacht "open-air".

Nach 65 km Asphalt ohne Verpflegungsmöglichkeit erreichen wir Liberia. Von Liberia nach Brasilito (72 km) sind nur knapp 20 km asphaltiert. Wir verfahren uns, und verlieren eine ganze Stunde. Nach einer Fahrzeit von 5 Stunden mit 20% Steigung und Gefälle über den "Monkey-Trail", erreichen wir in der Dunkelheit, den kleinen Ort Brasilito. Die Playa Brasilito und die 500m entfernte Playa Conchal gehören zu den schönsten Stränden Costa Rica's.

Wir wechseln von Brasilito nach Tamarindo, welches nur 20 km entfernt ist. Auch hier sind lediglich 5 km asphaltiert. Tamarindo, vom Tourismus negativ geprägt, ist sehr teuer, hat viele Surfshops, Souvenirläden und einen Strand der nicht speziell zu erwähnen ist. Diesen Ort kann man mit ruhigem Gewissen auslassen. Die Ausnahme; Der "Parque National Marino las Baulas" wo wir mit dem Boot durch ein Labyrinth von seichten Wasserwegen viele Vögel, Krokodile, Affen und Mangroven sehen.

Tamarindo – Manzanillo: 42 km! Sehr anstrengend, eine Bachquerung, 5 Stunden Fahrzeit, durchschnittlich 10 km/h, sehr staubig, grosse Steigungen. Übernachtung im “La Joya” Ressort (nähe der Ortschaft Lagarto) weiter wäre es nicht mehr gegangen. Wir entfachen an der Beach ein Lagerfeuer und kochen unser Nachtessen selbst. In unserem Bungalow (als einzige Hotelgäste) fühlen wir uns wie Robinson Crusoe.

Manzanilla – Samara: 60 km! Äusserst anstrengend, 3 Flussdurchquerungen, letztere 20 Meter breit, 80 cm tief. 3 Hängebrücken, die Strassen sind unbefestigt und mit Schlaglöchern durchsetzt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt "lediglich" 8 km/h.

Auf der ganzen Strecke Liberia nach Samara muss mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h ohne Flussdurchquerungen gerechnet werden. Streckenteilung in drei Tagesetappen sind das Minimum, Übernachtungsmöglichkeiten etwa alle 10 Kilometer. Eine Flussdurchquerung benötigt ca. 30 Minuten (für 2 Bikes und alle Taschen einzeln durchs Wasser tragen). Teilweise Schiebestrecken rauf und runter (staubig, trocken und rutschig).

Es empfiehlt sich, gut abzuklären und zu überlegen, ob man diese 150 km auf unbefestigter Strasse von Sardinal nach Samara zurücklegen will, oder über Santa Cruz, Nicoya nach Samara 110 km auf Asphalt ausweichen will.

Samara gefällt uns besser als Tamarindo, ist jedoch sehr touristisch.

Samara – Corazalito: Eigentlich wollten wir die “Playa Coyote” 60 km in einem Tag erreichen. Jedoch falsch gedacht! Die erste Flussdurchquerung 10 km nach Samara benötigte 1 Stunde. Einen Flusslauf von ca. 20 Meter breite und 80cm tiefe, ist ein grosser "Zeitfresser". Dazu gesellten sich noch 3 Hügel unter dem Motto “steil, steiler, am steilsten”. Mehr als 1000 Höhenmeter! Meistens mussten wir zu zweit die Räder mit Gepäck schieben. Die Talfahrten wurden zum Bremsakt mit einigem “abwärts-schieben“ (fahren auf dem Schotter war nicht mehr möglich). Somit erreichten wir nach 33 Kilometer und 6 Stunden schweisstreibender Arbeit das kleine Dorf “Corazalito” wo wir eine Cabina mit Verpflegung (Abend- und Morgenessen) erhielten. Ein Restaurant oder Supermarkt war hier nicht zu finden.

Corazalito – Puntarenas: Früh morgens um 08.00 Uhr waren wir bereits unterwegs um die letzten 2 Hügel und Schotterstrassen von bis zu 20% Steigung zu überwinden. Nicht mehr ganz so hoch wie am Vortag, jedoch 60 km bis “Jicaral” sind geplant. Nur Schotterpisten, die Hände immer am Bremsgriff, die Unterarme schmerzen. Wir haben Glück, ein Kokosnussfarmer nimmt uns 12 Kilometer mit, so dass wir noch zur richtigen Zeit (17.30 Uhr) die Fähre nach Puntarenas erreichen. Die Fahrt über den Golf von Nicoya dauert etwas mehr als 1 Stunde. In einem nur 200 Meter vom Hafen entfernten Hotel (mehr Absteige, als Hotel), erhalten wir ein Appartement mit Kochgelegenheit. Alles Paletti, so dass wir nicht noch für das Abendessen besorgt sein müssen.

Puntarenas - Jaco: 78 km schwülheisses Klima, mit mehreren Steigungen (die letzte happige Rampe kurz vor dem Ziel). Jaco, touristisch geprägt, bietet alles was das Herz begehrt. Wir gönnen uns eine Unterkunft in einem Best Western Hotel. Der Strand mit Bucht ist nicht speziell. Hier beschliessen wir, unsere Räder im Hotel zu lassen und mit öffentlichem Bus nach Puerto Limon zu fahren. Die 2 x 3 Stunden Fahrt mit Buswechsel in San Jose (Taxi zur Busstation der Karibikseite) sind hektisch und chaotisch. In San Jose herrschen starke Winde und das Wetter wird von Minute zu Minute schlechter. In Puerto Limon finden wir kein Hotel und übernachten deshalb ausserhalb der City im Hotel Maribu Resort. In Puerto Limon war wenige Tage zuvor wegen Sturm ein kleiner Öltanker an der Küste gestrandet. Es regnet den ganzen Tag orkanartig. Der Besuch des Tortugero Nationalparks wird fallengelassen, da eine Tour (nur begleitet möglich) nicht durchgeführt werden kann und keine Wetterbesserung in Sicht war. Wir beschliessen am nächsten Tag unverrichteter Dinge nach Jaco zurück zu kehren, unsere Bikes im Hotel in Empfang zu nehmen und unsere Reise fort zu setzen.

Jaco – Quepos: Wir fahren durch kilometerlange Ölpalmenhaine, in denen die Ölfrüchteernten in vollem Gange ist. Die Regenzeit ist noch nicht zu Ende. Immer wieder müssen wir einen trockenen Unterstand suchen.

Quepos: Wir möchten den 7 Kilometer entfernten, als "don't miss" angepriesenen, Manuel Antonio Nationalpark besuchen. Der Eintritt kostet 10 Dollar pro Person. Eine Führung mit Guide und “Swarovski-Fernglas” mit bis 60-facher Vergrösserung um die Kleintiere und Insekten zu sehen, wird empfohlen. Der Mehrpreis richtet sich nach Anzahl der Gäste und ist ziemlich kostspielig. Wir verzichten auf diese Begleitung und suchen mit unserem Leitz-Fernglas die Baumwipfel und Büsche selber ab. Um unseren Hunger zu stillen, knacken wir eine der vielen herumliegenden Kokosnüsse. Nicht schlecht, wenn man weiss, wie man an das innere vitaminreiche Weiss gelangt.

Quepos – Uvita: Weiter führt uns die Reise auf einer 50 km langen Rappelpiste nach Dominical. Wir sind 1 Jahr zu früh, die ganze Strecke befindet sich im Ausbau zu einer über 20 Meter breiten Fernstrasse. Der Untergrund besteht aus unzähligen Schlaglöchern, faustgrossen runden Steinen und Schotter. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt lediglich 10 km/h. Auf diesem Streckenabschnitt ohne Steigung erwartet uns 5 Stunden ununterbrochene Schläge auf das Handgelenk bei 41 Grad Hitze und zuletzt noch Regen, der die staubige Strasse in kurzer Zeit zu einer Schlammpiste verwandelt. Auf den folgenden 20 Kilometer bis Uvita erholen wir uns auf dem langersehnten Asphaltbelag.

In Uvita übernachten wir in einem Cabina (2 Kilometer off-road von der Hauptstrasse entfernt) an der Playa Ballenas. Am folgenden Morgen, vor erreichen der Flut, wandern wir zu einem Riff, welches jeweils bei Springtide überflutet ist, und geniessen das eindrückliche Zusammentreffen der Wellen. Die Verbindung vom Riff zum Strand wird zunehmend mehr überflutet. Innert weniger Minuten steigt das Wasser so stark, dass man bereits die zurücklaufende Strömung spüren kann. Um 11 Uhr ist das gefahrlose erreichen des Riffs nicht mehr möglich. Die Fotos vermitteln Eindrücke dieses einzigartigen Schauspieles im Naturpark Marino Ballenas, welcher während des Tages 6 Dollar pro Person kostet. Nachts ist der Eintritt gratis. Wegen der Krokodile im nur 30 Meter entfernten Rio, welche nicht schlafen, ist grösste Vorsicht angebracht. Um 12.00 Uhr machen wir uns bei Nieselregen auf den Weg nach dem 45 km entfernten Palmar Norte. Aus dem Nieselregen wird ein für diese Zeit ein ungewöhnlich starker Niederschlag. Wir verbringen den ungeplanten Stopp in einem "willkommenen" Shoppingcenter und warten, warten, warten. Da der Regen nicht nachlässt müssen wir uns trotzdem in die unangenehm klemmenden und jetzt schon feuchten Regenkleider stürzen um das Nachtlager noch vor der Dunkelheit zu erreichen.

Palmar Norte - Ciudad Neily: Relativ flache 79 km. Platzregen überraschen immer wieder und zwingen uns zu unfreiwilligen Stopps. Wir sind nie sicher, ob es sich “nur” um eine kurze “Störung” handelt, oder wird's gleich aus Kübeln giessen. Eine richtige Entscheidung zu treffen, Regenkleider ja oder nein, oder nächster Unterstand ansteuern und abwarten, lässt sich an der Scheibenwischergeschwindigkeit der entgegenkommenden Fahrzeuge vermuten. Ciudad Neily, 20 Kilometer von der Grenze Panama's entfernt, bietet vielseitige Übernachtungsmöglichkeiten und ist eine ansprechende Kleinstadt.

Ciudad Neily - Paso Canoas: Die Streckenführung ist unspektakulär mit schlecht rollendem Belag und vielen Schlaglöchern, die teilweise unprofessionell saniert wurden.

 

Unsere Empfehlung an Fahrradglobetrotter:

Beim Besuch des Manuel Antonio Nationalpark: Die Räder in der Unterkunft (Quepos) stehen lassen, und mit dem öffentlichen Bus, Fahrpreis pro Weg und Person 210 Colon, zum Nationalpark zu fahren. Die Strasse (7 Kilometer) windet sich wie eine Schraube über den Hügel, mit Rad ein Aufwand von mindestens einer Stunde pro Weg, der sich nicht lohnt.

 

Nach 752 Kilometer verlassen wir Costa Rica mit folgenden Erinnerungen:

Un- freiwilliges Nachtlager am Swimmingpool

Halbinsel Nicoya, Die bisher strengsten Streckenabschnitte; Steile, unbefestigte Naturstrassen

Traumhafte einsame Pazifikstrände Brasilito und Playa Conchal.

Lagerfeuer-Romantik als einzige Hotelgäste an der Playa Manzanilla

Heiss, schwül, feucht, staubig

Flussdurchquerungen; Fahrräder und Ausrüstung durch das Wasser tragen

Kokosnuss-Farmer transportiert die Bikes, Ausrüstung und Zentralbiker auf seiner „Ladung“

Nationalparks:
Marino las Baulas mit Krokodilen und Wasservögel. Manuel Antonio mit Affen, Insekten und schöne Strände. Marino Ballenas mit dem Riff und „Wellenspiel“ von Ebbe und Flut

Am meisten freilebende Wildtiere gesichtet.

Chaotisches San Jose, 340'000 Einwohner, 3 Kilometer voneinander entfernte Busterminal

 

Reisebericht Panama

27. November - 10. Dezember 2008

Panama liegt an der schmalsten Stelle Zentralamerikas und verbindet durch den 80 Kilometer langen Panamakanal den Pazifik mit dem Atlantik. Durch den Bau des 1903 erstellten Kanals, unter Mithilfe der USA, verdankt die Stadt Panama seinen heutigen Wohlstand. Ein liberales Steuer- und Bankengesetz begünstigen den Aufstieg zu einem internationalen Finanzplatz.

Jede fünfte Segelyacht schippert weltweit unter der Panama-Flagge. Der Tourismus hat sich hier in Panama noch nicht so ausgebreitet, wie in anderen Zentralamerikanischen Ländern. Das Klima ist feuchtheiss und es gibt viel Niederschlag. In Colon an der Karibikseite gibt es fast täglich Regenschauer. Wir verbringen einige Tage in Panama-City um einige Sehenswürdigkeiten wie “Puente de las Americas”, “Miraflores” Schleusen, Panama “Ciudad Vieja” und vieles mehr zu besichtigen.

Der Grenzübertritt von Costa Rica nach Panama, im Gegensatz zur Grenze Nicaragua – Costa Rica spielt sich erfreulicherweise auf Asphaltbelag ab. Der Grenzwechsel ist kostenlos. “Salida” bzw. “Entrada” liegen jedoch 100 Meter auseinander. Die Schalter sind uns durch meterlange Grenzgänger sofort aufgefallen. Mit Hilfe eines Beamten können wir uns als “Fahrrad-Globetrotter” vordrängen und sofort alle Formalitäten erledigen. Bikeklamotten und die Ausrede noch vor dem Regen ein Hotel zu erreichen, ermöglichen eine schnelle Abfertigung und ein freundliches “buen viaje”. Im Grenzgebiet “Paso Canoas” befindet sich eine Zollfreizone. Es gibt fast alles zu kaufen, jedoch einen Super- oder Minimarkt, damit wir unseren Wasservorrat ergänzen können, findet sich vorerst nicht. Die Leute verhalten sich hektisch, das Leben empfinden wir als chaotisch. Nach längerem Suchen treffen wir doch noch auf ein Regal mit den von uns begehrten PET-Flaschen.

Paso Canoas – David:
Nach einer kurzen Talfahrt geht es 30 Kilometer nicht steil, jedoch stetig bergwärts. Auf einer 2 x 2spurigen, langweiligen Betonpiste, erreichen wir nach 2,5 Stunden die “Passhöhe”. Bis David folgen noch 25 Kilometer, vorwiegend talwärts mit einzelnen kurzen Anstiegen. Im strömenden Regen, mit Flip-Flop an den Füssen, ärmellosen T-Shirt und kurzer Bikehose, durch Rückenwind bis 40 Km/h schnell, erreichen wir schon bald die Ortschaft David. Vollständig durchnässt, auch in den regendichten Ortlieb Frontroller hatte sich Wasser angesammelt, finden wir das Hotel “Gran National”. Durch die Hotel-Lobby hinterlassen 2 Reifenspuren eine braun gefärbte Wasserspur. An der Rezeption werden uns sogleich warme Frotteetücher gereicht. Wir verbringen 2 Nächte zum “Entfeuchten” und reinigen unseres Equipments in einem nicht ganz so preiswerten Doppelzimmer.

Mehrmals täglich prasseln lang anhaltende heftige Regenschauer nieder und lassen ganze Strassenzüge unter Wasser stehen. Wir nutzen diesen Aufenthalt, um uns auf die Schlechtwetterlage und Weiterreise nach Panama-City vorzubereiten.

David - Santiago:
Diese Strecke erscheint uns wegen der schlechten Versorgungs- und Übernachtungsmöglichkeiten besonders erwähnenswert. Dieser äusserst anstrengende Weg über 200 Kilometer muss in mindestens 2 – 3 Tagesetappen aufgeteilt werden.

“Hardcore” Biketoreros bewältigen die Distanz David – Tole (105 Km) und Tole – Santiago (95 Km) in 2 Tagen.

“Ausdauerstarke” Radler bevorzugen die Strecke David – San Felix (85 Km), San Felix – Tolepasshöhe (25 Km) und Tolepasshöhe – Santiago (90 Km) in 3 Tagen.

Aufgrund der seit Tagen anhaltenden Regengüssen, welche eine Sicht dermassen verschlechtern, dass wir von Truck-Fahrer übersehen werden könnten, lassen wir uns für 45 US Dollar mit einem Taxi von San Felix nach Santiago chauffieren.

Streckenbeschreibung:
Von David – San Lorenzo gibt es fast keine Versorgungsmöglichkeiten, kein Nachtlager und einige nicht zu unterschätzende Steigungen. Die Vegetation bietet nichts besonderes, es ist schwülheiss und es gibt keinen Schatten.

San Lorenzo – San Felix:
200 Meter nach der “Terpel”-Tankstelle, beim “Centro Comercial Oriente” erreicht man San Felix. Linksabbiegen, 2 Kilometer bis nach dem Hospital, links 100 Meter findet sich im Hotel “Cholo” (nicht angeschrieben!) eine akzeptable 10 US Dollar Übernachtungsmöglichkeit und einen Supermarkt.
10 Kilometer nach San Felix, sind uns die neu erstellten komfortableren “Cabinas La Jsleta” aufgefallen.

San Felix – Tole:
Tole liegt ca. 2 Kilometer vor der Passhöhe, etwas abseits (2 Km) der Panamericana. Hier soll es Privatzimmer oder eine Übernachtungsmöglichkeit in der Mission geben. Auf der Passhöhe finden sich eine Tankstelle und ein kleines Restaurant. Es folgt eine kurvenreiche Talfahrt mit mehreren kurzen Anstiegen. Diese Hürden sind kräftezehrend und eintönig! Ein stetiges rauf und runter über 100 Kilometer. Etwa 5 Kilometer vor Santiago lässt sich wieder eine Zivilisation vermuten, denn die “Sodas” (kleine Restaurants) werden wieder zahlreicher.

Grundsätzlich sind die Versorgungsmöglichkeiten nach der Panama-Grenze eingeschränkter als gewohnt. Viele Ortschaften an der Panamericana liegen etwas abseits der Hauptverkehrsachse. Die erwähnte Strecke (David – Santiago) gilt allgemein als “Durststrecke” für Bikeglobetrotter.

In Santiago, einer eher unwirtlichen Stadt, haben wir uns nach einer Übernachtung im Hotel “Gran David” früh morgens wieder auf den Weg gemacht.

In Penonome, im Hotel “La Pradera”, welches wir gerne empfehlen möchten, treffen wir auf Malinka, eine Entwicklungshelferin der Agrarwirtschaft. Sie hat uns spontan ihr Notebook ausliehen und ihre Einladung zur Stadtrundfahrt kam uns sehr willkommen. Malinka verfügt über ausgezeichnete Zentralamerikakenntnissen, und gibt uns viele gute Tipps auf den Weg nach Gorgona.

Erfreulicherweise wieder mit Sonnenschein, treffen wir auf mehrere kräftezehrende „rauf und runter“ Abschnitte. An der Playa Gorgona möchten wir ein paar erholsame Tage verbringen und ausspannen. Niemand hat uns erwartet! Die Hotels waren geschlossen, verlottert, oder befanden sich in einem Zustand, den man “Renovation” nennen könnte. Den Gedanken an Camping war auch schnell vergessen, denn es gibt keine geeigneten Plätze dazu. Viele Parzellen sind zugesperrt und mit einem Schild “se vende” versehen. Wir nehmen an, dass dies mit dem Wegzug der Amerikaner vor 9 Jahren in Verbindung zu bringen ist. Etwas müde, und ziellos durch die Strassen fahrend, treffen wir auf Ines, einer betagten Panamesin, die unsere Suche nach einer Unterkunft sofort erkannte. Kurz danach erhalten wir für 40 USD/Nacht ein gepflegtes Haus mit Garten, Kinderschwimmbecken und allem Notwendigen. Erfreut über diesen Glückstreffer fühlen wir uns während 4 Tagen wie Panama-Eigenheimbesitzer.

Auf dem Pannenstreifen nach Panama-City werden wir öfters von grossen Löchern mit mehr als einem Meter Durchmesser überrascht. Dabei handelt es sich um herausgerissene und gestohlene Betongussdeckel inklusive Rahmen. Für Fahrräder äusserst gefährlich, für Diebe ein einträglicher Nebenerwerb. Mit dem Bike in einen solchen mehrere Meter tiefen Abgrund zu stürzen wäre katastrophal! Ein Grund mehr, nachts nicht mehr unterwegs zu sein, denn solche Löcher finden sich auch in den Gehsteigen.

Mit Fahrrad in die Stadt zu gelangen, soll angeblich von abenteuerlich bis gefährlich gelten. Schon einige Kilometer vor der "Puente de las Americas" werden die Fahrspuren der Panamericana immer schmäler und der Pannenstreifen fehlt gänzlich. Es wird eng! Deshalb möchten wir in Aranjian, die letzte grössere Ortschaft vor Panama, ein Hotelzimmer beziehen und uns mit Taxi in den Kern der 3 Millionen-Metropole fahren lassen. Aranjian verfügt nur über ein "Stunden-Hotel" das uns nicht zu sagt. An einer Strassenecke nach dem Weg suchend, werden wir von Glen in sein Haus gebeten. Die Aufklärung, es sei hier draussen in der „Red Zone„ wegen Jugendbanden viel zu gefährlich stimmt uns nachdenklich. Glen's Vorschlag, uns mit seinem Pick-up direkt in ein Hotel in der City zu fahren, war für uns die willkommene Lösung. Wir erhalten alle notwendigen Ratschläge zu unserer Sicherheit und werden sogleich mit einem Pfefferspray ausgerüstet. Kein Scherz! Als Tourist sind einige Viertel von Panama-City tabu! Auch nachts sollte man sich nicht mehr auf den Strassen aufhalten. Die Liste der kriminellen Gewalttaten, in der Anzahl als auch in der Vielfältigkeit, ist bedenklich. Insbesondere im Dezember sind die Übergriffe sehr zahlreich. Dennoch geniessen wir die sichere Stadtführung durch Glen, der uns mehrmals am Hotel abholt und wieder zurück bringt.

Many thanks to Glen for the sight seeing tour
through Panama-City and your frendly help.

Ein "Highlight" war der Panamakanal (erbaut 1913), wo wir das Geschehen rund um die Miraflores-Schleusen beobachten konnten. Weitere Sehenswürdigkeiten; Panama-City Ciudad Vieja, Puente de las Americas, die 1522 erbaute Kirche „Nata de las Caballeros“, Puente Centurion made by Germany und der Besuch bei Glen's Bruder, einem bekannten Einbaum-Bootsbauer. Für ein 3-tägiges, internationales "Ocean to Ocean Race" durch den Panamakanal, werden diese 4-plätzigen Edelholzboote hergestellt. Alles Handarbeit! Die ganze Familie von Glen sind begeisterte Kanuten und haben schon einige Preise und Titel gewonnen. Nach 5 Tagen Aufenthalt in Panamacity und fast 4000 Kilometern durch Zentralamerika beschliessen wir Weihnachten in Florida zu verbringen.

 

Unsere Empfehlung an Fahrradglobetrotter:
Der Ortlieb-Frontroller, 3 x gefaltet, Verschluss oben, ist bei extremen Regenschauer nicht dicht. Verschluss mit Tragriemen nach unten spannen, oder Abfallsäcke überziehen.

Regenschutzponcho bringt nichts! Das Zentralamerika Klima ist zu heiss und zu feucht. Durch die Körpertranspiration wird der Kunststoff innert kürzester Zeit innen genau so nass wie aussen. Vorsicht; Übelkeit durch Wärmestau.

„Flip-Flop“ bieten den idealen Schuhersatz. Frühzeitiges Wechseln erspart den grossen WC-Papierverschleiss zum trocknen (eine Rolle pro Schuh).

 

Nach 520 Kilometer verlassen wir Panama mit folgenden Erinnerungen:

Glen; Ein Freund der uns Panama-City und die Sehenswürdigkeiten näher gebracht hat

Playa Gorgona; Eine erholsame Woche im gemieteten „Panama-Eigenheim“

Durchgangsland; Von Costa Rica nach Kolumbien, nicht sehr attraktiv für Radler

Regenschauer; Andauernd und heftig! Durchnässt in „Flip-Flop“ das Hotel erreicht

Miraflores Schleusen; Die Verbindung vom Pazifik zum Atlantik

Panama Ciudad Vieja; Ein „don't miss“, jedoch mit Vorsicht zu geniessen

Panamericana; Langweilig, eintönig, unzähliges kräftezehrendes „rauf und runter“

David - Santiago; 200 Kilometer Durststrecke ohne Versorgungsmöglichkeiten

Fahrstreifen und Gehsteige; Gefährliche Löcher durch gestohlene Gussdeckel

Kanubauer und seine Edelholzboote die aus einem Baumstamm gefertigt werden

 

Reisebericht Florida

Dezember 2008

Viel erlebt – gesehen – gekurbelt – geschwitzt – getragen – geschoben

Weil wir Mexiko überflogen haben, erreichten wir Panama 2 Monate zu früh. Die Regenzeit in Ecuador und Peru endet erst im März. In dieser Periode sind die Strassen vielfach unpassierbar und es gibt kein Vor- beziehungsweise Rückwärts. Deshalb entschliessen wir uns, die Feiertage in Florida zu verbringen und fliegen von Panama nach Miami. Fahrräder wieder in Schachteln verpackt, Equipment im Seesack, mit Shuttlebus werden wir ins Hotel nach Miami Beach gefahren.

Die Freizeitbeschäftigungen Nummer 1: Grossflächig den Rasen trimmen, oder so viele Angelruten auslegen wie man Köder zur Verfügung hat. Was dem Panamese der Rasentrimmer, ist dem Amerikaner die Angelrute. Dies sind unsere ersten Eindrücke des Landeswechsels von Panama nach Florida.

Wohnmobile in der Grösse eines Reisecars oder Sattelschleppers, bestehend aus einem Zugfahrzeug und Wohnanhänger in der Grösse eines Ferienappartements, werden durch die Strassen gesteuert. Nicht selten werden an diese Fahrzeuge noch Privatwagen an einer Schleppstange gekoppelt und darauf ein 4 Personen Huckepack Allrad-Fahrzeug geladen. Auch Boote mit bis 400 PS Aussenbordmotoren werden an den WoMo's nachgeschleppt. Die Campingplätze sind für solche Gerätschaften bestens vorbereitet. Druck- und Abwasseranschluss, Strom- und TV-Versorgung und waagrechter Betonparkfläche. Dies alles mit viel Grünfläche umgeben, so dass es noch ausreichend Platz für die Veranda, BBQ, Bootsanhänger, die Harley Davidson und die Weihnachtsbeleuchtung hat.

Endlose Strassen, alles geradeaus, keine Hügel, nur die Hauptverkehrsachsen im 90° Winkel sind auf den Touristen-Karten (Strassenatlas ist detaillierter) eingezeichnet. Die Distanzen sind aus den Karten schlecht abzuschätzen. Es liegen meist noch mehrere Anschlussstrassen dazwischen, so dass wir uns von der 184igsten bis zur 344igsten vorarbeiten mussten um den Anschluss zu den Key's zu finden. Immer wieder, alle ca. 500 Meter ein lästiges Lichtsignal, das uns zum Anhalten, Taste drücken, warten bis die Ampel grün zeigt veranlasst, um die Fahrt fortzusetzen zu können. Das bedeutet: Bremsen, aufsitzen und mit Gepäck von Null auf 20 Km/h beschleunigen und das immer wieder über insgesamt mehr als 40 Kreuzungen.

Radwege sind selten, und meist nur in Quartierstrassen, oder parallel zu Busspuren anzutreffen, wo diese überflüssig sind. Angeblich ist man bestrebt, diese „Bicycle-Path“ auch durch die Stadtzentren zu führen. Grundsätzlich ist man als Fahrradfahrer in Florida nur geduldet. Eher wird man mit einem mitleidigen Blick gewürdigt, oder durch das geöffnete Fenster zum Verlassen des mehrspurigen Fahrstreifens auf den Gehsteig verwiesen. Entsprechend ist die Anzahl der anzutreffenden Radler.

Während unseres Aufenthaltes in Miami sind uns nur 20 Fahrräder begegnet.

Das Auto bestimmt das Leben! Die öffentlichen Verkehrsmittel sind bescheiden und schlecht erschlossen, oder für Amerikanische-Distanzen (Strassen bis 3-spurig durch die City), nicht attraktiv genug. Eine Busfahrt mit 2x Umsteigen, eine Hochbahn, mit Zug und Shuttlebus bis zum Flughafen, benötigte mehr als 3 Stunden. Mit Auto ist die Strecke in ¾ Stunden zurückgelegt. Entsprechend weit weg, „Not far, only a few blocks“, liegt unser nächster, von Miami-City in 2 Stunden erreichbarer Camp-Ground.

Florida, auch genannt als der Staat mit 365 Tagen Sonnenschein und den tausend Brücken hat auch uns neugierig gemacht. Die Key's, Fort Lauderdale, Miami Beach und die Everglades möchten wir besuchen. Viele Brücken, in und um Miami Downtown, ermöglichen eine Bootsdurchfahrt durch die Vielzahl der schiffbaren Kanäle. Wahrend der Schiffspassage werden die mehrspurigen Fahrstreifenteile angehoben, wobei der Verkehr für 15 Minuten angehalten wird.

Die „Number 1“ (erste Strasse) führt entlang der Ostküste von Norden, mitten durch Miami nach Key-West, dem südlichsten Punkt der USA. Das Wort „Key“ kommt vom spanischen Wort „Cayo“. Der ursprüngliche Name für Key West war Cayo Hueso, was „Knochen Inselchen“ bedeutet. Key West, einst die längste Stadt in Florida, liegt strategisch günstig in der Florida-Strasse und verfügt über das höchsten pro Kopfeinkommen der USA. Der warme Golfstrom ermöglicht ein grosses Vorkommen an Fischen, Schwämmen und Hummer.

Einst war Key West der grösste Zigarrenproduzent und Naturschwammlieferant des Landes und hat immer bekannte Besucher wie: John James Audubon, Ernest Hemingway, Harry Trumann, Tennesse Williams, Robert Frost und auch uns „Zentralbiker“ angezogen.

Wir begeben uns auf den Weg zu den „Keys“, bestehend aus 5 Sektionen die sich über insgesamt 105 Meilen erstrecken.

Key Largo

bekannt durch seine Offshore-Riffe im John Pennekamp-Nationalpark und dem Key Largo „National Marine Sanctuary“

Islamorada

die „Purple Isles“ und Anzugspunkt für Hochsee-Sportfischer

Marathon

das Herz der Keys weil sie den Mittelpunkt der Koralleninselkette bildet

Lower Key

die längsten und zuletzt erschlossenen der Inselkette. Hirsche und Wildtiere finden hier ihren Lebensraum. Ruhesuchende und Betagte suchen hier ihre Rückzugsmöglichkeit.

Key West

die kleine Inselstadt, welche rund um die Uhr was zu bieten hat

In einer Stunde fährt man von Miami durch die „Gateway to the Key's“ mit den Everglades, das Top der Attraktionsliste. Die anschliessenden 105 Meilen (175 Kilometer) bis Key-West werden mit 2 ½ Stunden Autofahrt angegeben. Mit den Koga's benötigten wir für diese Strecke etwas mehr als 8 Stunden.

Henry Flagler, Ingenieur, ermöglichte den Bau einer Eisenbahn. Am 22. Januar 1912 erreichte das „Wunder der Technik“ über mehrere Viadukte Key West, was die Inselstadt massgeblich veränderte.

In den Keys findet man nur eine Handvoll Campingplätze. Diese sind meistens bis 12 Monate im Voraus ausgebucht. Erstaunlicherweise wird für einen Zeltplatz pro Nacht, der gleiche Preis berechnet wie für ein Motorhome, unabhängig von der Grösse. Im Pauschalpreis des Caravanplatzes ist der Wasser- Strom- und Fäkalanschluss inbegriffen. Vielfach sind Zeltplätze in den RV-Campgrounds nicht zugelassen, weil Toiletten und Waschgelegenheiten fehlen. Diese Notwendigkeiten finden sich in allen Motorhomes! Deshalb verbringen wir 2 Nächte in Key-West im Radisson-Hotel, nur unwesentlich teuerer als ein 10 m² Campingplatz.

Für die 175 Kilometer Rückweg nach Key Largo, inzwischen die letzten Power-Gels und Bars verzehrt, benötigten wir nur 8 Stunden. Die Festtage möchten wir im „Penny and Larry Campground", unweit des „Metro Zoo“ verbringen. Die Enttäuschung ist gross, aus dem gemütlichen Weihnachts-BBQ vor dem Zelt wird leider nichts. Im Zeitraum von 30 Tagen waren wir bereits 7 Tage zu Gast und werden deshalb nach 2 Tagen Aufenthalt gebeten, das Zelt abzubrechen und den Platz zu verlassen. Mit dieser Regel möchte der Ranger vermeiden, dass sich „Homeless“ oder „Strangers“ auf Campingplätzen niederlassen.

Mit Unverständnis und verärgert begeben wir uns auf die Suche nach einem anderen Ort um unseren „Christmas-Turkey“ zu grillieren. „Nur“ 90 Kilometer entfernt, in der Nähe von Fort Lauderdale, finden wir den nächstgelegenen 40 USD Zeltplatz. Nach einer schlaflosen Nacht, gestört durch das permanenten Rauschen des angrenzenden Freeway und das Horn des AMTRAK Güterzuges bevorzugen wir den Umzug in ein 70 USD Motel.

Permanent werden wir von Fast-Food-Ketten wie Mac Donalds, KFC, Subway, Taco Bell, Burger King, Pizza Hut, und Co. begleitet. Jede Tankstelle trägt noch ein “Food Mart” Aushängeschild und im TV findet sich ein 24 Stunden “Food-Sender”. Alles dreht sich um Essen, Beauty, Auto, und Plastikgeld. Zur Begleichung eines 3 USD-Zugbillets wurden wir erst zum Wechseln eines 20 Dollarscheins in ein Restaurant geschickt.

Während unseres Miami-Aufenthalts bis zum Rückflug haben wir Fort Lauderdale, Port Everglades, Dania Beach, Hollywood Broadwalk, A1A Highway, Key Biscayne, Coral Gables, Metro Zoo, Port of Miami und Miami Downtown mit Rad besucht, durchstreift und erlebt.

 

Nach 1200 Kilometer verlassen wir Miami mit folgenden Erinnerungen:

Besonders gefallen haben uns die Strände entlang der “A1A” und der “Crandon Park” mit seinem Strand auf “Key Biscayne”. Interessant und eindrücklich erschienen uns die vielen “Zug-Brücken” und die Dimensionen der mehrspurigen Strassenbauten über die Meerengen und Seestrassen. Erstaunt hat uns auch der staufreie Verkehrsfluss mit der enormen Anzahl von Privatfahrzeugen (nur sehr wenige Lastkraftwagen). Mit einem Mietwagen zu durchfahren, bilden die Keys mit den Everglades bestimmt die grösste Attraktion.

Nach Kalifornien, war Miami der kostenintensivste Reiseabschnitt. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die Hotelübernachtungen wegen der wenigen Campingplätze den grössten Kostenanteil ausmachen.

Wegen einer Fehlinformation und mangelnder Beschilderung wird uns die Irrfahrt auf dem 5-spurigen Expressway in Miami noch lange in Erinnerung bleiben!

 

Distanzen:

Lauderdale by the Sea South Beach
50 Kilometer
South Beach Key Biscayne
35 Kilometer
International Airport Miami Miami Beach
20 Kilometer
Miami Downtown Key West
288 Kilometer

 

Bemerkung:

Zeltplatz, pro Nacht, beschränkte Personenanzahl, ohne Wasser und Strom kostet meistens 40 USD. Eine Einschränkung der Aufenthaltsdauer ist möglich.

Ein Motorhome, egal welche Grösse, Parzelle mit Wasser-, Strom- und Fäkalanschluss, kostet 40 – 50 USD. Mehrheitlich besteht keine Einschränkung der Aufenthaltsdauer.

 

Reisebericht Ecuador

03. - 24. März 2009

Quito nach Alausi

Nach 26 Stunden Reisezeit, Zürich – London – Miami – Quito, erreichen wir die Hauptstadt von Ecuador in der Provinz Pichincha. Mit einem spektakulären Anflug auf einer äusserst kurzen Landebahn, mit Sicht in die Schlafzimmer der Anwohner, landen wir auf der Piste “Mariscal Sucre”. Die Zoll- und Einreiseformalitäten sind unproblematisch und zügig verlaufen. Der Fahrer des Hotel Sandmelis erwartet uns bereits und wir werden in die nur 10 Minuten entfernte Unterkunft gefahren.

Eine angemessene Anklimatisierung von 3 Tagen ist angebracht. Die 6 Stunden Zeitverschiebung wird uns jedoch länger zu schaffen geben.

Den ersten Tag verbringen wir mit Bike zusammen schrauben und einem Ausflug mit Taxi ins “Mariscal” Stadtviertel. Eine Taxifahrt kostet ca. 2-3 USD, wobei die Distanz im Stadtgebiet keine Rolle spielt. Aus Sicherheitsgründen wird empfohlen, das Taxi einem Fussmarsch oder einer öffentlichen Busfahrt vorzuziehen.

Am zweiten Tag entscheiden wir uns zu einer Tourismusführung durch das Stadtzentrum mittels Taxirundfahrt. Wir besuchen die “Virgil de Quito” Schutzheilige der Stadt auf dem “Panecillo”, das “Museo de Ciudad”, durchstreifen den historischen Stadtteil und besichtigen: Den Platz San Francisco, die Basilica und die Unabhängigkeitsjungfrau auf dem Plaza Independencia.

Quito's Altstadt mit ihrem kolonialem Erscheinungsbild wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, zählt 13 Millionen Einwohner und liegt auf 2850 Meter.

Dritter Tag: Durch den Hoteltaxifahrer werden wir zum nahegelegenen Vulkankrater “Pululahua” gefahren. Die landwirtschaftlich genutzte Senke wird (unsere Schätzung) von einem ca. 5 Kilometer Durchmesser weiten Kraterrand eingeschlossen. Einer Wanderung von 45 Minuten vom Parkplatz bis zur Senke wollen wir uns wegen “Herzrasen” nicht anschliessen. Wir ziehen es vor, gemütlich am Äquator-Denkmal “Mitad del mundo” zu verweilen und die obligatorischen Fotos zu knipsen. Das Denkmal liegt nicht auf der Äquatorlinie! Das unweit (ca. 1000 m) entfernte Museum mit indogener Kulturausstellung liegt auf dem wirklichen Äquator, welcher mittels GPS errechnet wurde. Dazu gibt es eine Führung mit Lern- und Erlebnis-Charakter über die Koriolis- und Anziehungskräfte, Sonnenstände der 4 Jahreszeiten und Magnetismus.

Vierter Tag: Mit mulmigem Gefühl verlassen wir das Hotel Sandmelis Richtung Süden. Dank der guten Wegbeschreibung inkl. Skizze des Hoteliers erreichen wir die Schnellstrasse und bezwingen auf dem Weg nach Machachi die ersten 1000 Höhenmeter.

In der Hosteria Chiguac, einem Bergsteiger-Ausgangspunkt zu den umliegenden Vulkanen, finden wir eine gastfreundliche Unterkunft. Jetzt kommt die erste Hürde. Der Weg nach Lasso, auf der “Strasse der Vulkane”, führt über den 3500 Meter liegenden Pass im Nationalpark Cotopaxi. Auf den Spuren “Alexander von Humboldt” nächtigen wir in der “Hacienda la Cienega”. Die 1580 erbaute Hacienda gehört zu den ältesten Südamerikas. Die Zimmer des heutigen Landgutes sind mit Mobiliar aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet.

Über Latacunga, welches auf einer Höhe von 2850 Meter liegt (wie Quito), eine durchschnittliche Temperatur von 12 Grad aufweist, führt uns die Panamericana nach Ambato. Das Hotel Ambato erscheint uns als bestmögliche Übernachtung und Ausgangspunkt zum Städtebummel. Der Montagsmarkt am Rio Ambato liegt einzigartig zwischen den Vulkanbergen Chimborazo (6310 m), Carihuairazo (5020 m) und Tungurhua (5016 m). In der allseits gerühmten Pizzeria “La Fornace”, bei einem Ecuadorianer welcher sein Handwerk bei Sizilianern gelernt hat, essen wir ausgezeichnet. Ausreichend geschlafen und gefrühstückt brechen wir auf nach Riobamba. Innerhalb 3 ½ Stunden, 34 Kilometer, befinden wir uns erneut auf einer Passhöhe von 3600 Meter. Sprichwörtlich; 30 Kilometer rauf, gefolgt von 30 Kilometer runter, erreichen wir die Hosteria “El Troja” in Riobamba und nächtigen dort.

Die Tagesetappe nach Guamote brechen wir wegen 35 Grad Hitze und kräftezehrendem rauf und runter nach 35 Kilometer in Cajabamba ab. Ein Kleinlastwagen bringt uns anschliessend durch das kurvenreiche und neblige Gebirge (Sichtweite unter 30 Meter) nach Alausi.

Mit der Entscheidung zur “Pick-up-fahrt” liegen wir ausgezeichnet, so dass einer Zugfahrt zur Teufelsnase “Nariz del Diabolo” am Donnerstag nichts im Wege steht. Die atemberaubende Bahnfahrt von Alausi (2347 m) bis ins Tal (1800 m), mit 500 Höhenmetern, ist das höchste Eisenbahngefälle weltweit. Heute wird die Strecke ausschliesslich touristisch genutzt und die Dampflokomotiven wurden durch die Mercedes-Benz LKW Fahrgestelle und Busaufbauten ersetzt.

Ein ungebetener Zimmermitbewohner, der uns nachts vom Nachttisch die Kekse weggefressen hat, stört um Mitternacht unseren wohlverdienten Schlaf. Schnell war das Mausloch in der Sockelleiste ausgemacht, mit Seife und Klopapier verstopft, so dass wir die verbleibenden Stunden bis zum Morgengrauen noch in Ruhe schlafen konnten. Nur ein Hotelwechsel war Garant für eine ungestörte weitere Nachtruhe in Alausi.

Alausi nach Cuenca


Alausi, nur ein touristischer Ausgangspunkt zum “Nariz del Diabolo” und Parkplatz für Reisecars hat weiter nichts zu bieten. Die Ortschaft verfügt nicht über viele Hotels und Restaurants. Allerdings findet man immer eine akzeptable Übernachtungsmöglichkeit und irgendwo etwas zu essen. Mit Ausnahme des Restaurants am Bahnhof, wo wir mit einer Reisegesellschaft sehr gut und preiswert zu Mittag gegessen haben. Der Weg nach Chunchi ist mit drei Pässen (höchster auf 2700 m) gespickt. Es sind insgesamt 750 Höhenmeter auf 39 Kilometer zu bewältigen. Die Anstrengung wird uns mit sensationellen Ausblicken auf die umliegenden Berge (alle über 4000 m), und einer abwechslungsreichen Vegetation belohnt.
Die Strecke Alausi – Chunchi sollte bis Ende 2008 vollständig asphaltiert sein, es fehlen jedoch noch 2 Kilometer. Wir nehmen an, dass die Rappelpisten-Lücke bis Ende 2009 fertig gestellt sein wird.


Nachtrag:
Von Quito nach Ambato herrscht starker Verkehrt, insbesondere die LKW's mit ihren qualmenden Auspuffabgasen. Ab Ambato Richtung Süden nimmt der Verkehr merklich ab. Der Schwerverkehr reduziert sich auf rollende Kraftstofftanks zur Versorgung der Tankstellen. Bei den Personenwagen handelt es sich vorwiegend um Einwohner der an die Panamericana angrenzenden Gemeinden. Die Strassen sind sehr gut ausgebaut, asphaltiert und mit Pannenstreifen versehen.

Chunchi, kleiner als Alausi, erscheint uns sofort viel gepflegter und zeigt ein freundlicheres Bild. Wir finden im Hotel Chunchi eine komfortable und saubere Unterkunft zu 20 USD inkl. Frühstück. Allmählich ändert sich das Landschaftsbild und Klima der Sierra. Die “Strasse der Vulkane” endet, und das fruchtbare Tal von Canar beginnt. Die extremen Berg- und Talverhältnisse werden zunehmend gleichmässiger. Die Panamericana führt jetzt in den geologisch ruhigeren Sierra-Abschnitt Ecuador's.

Es soll trockener und wärmer werden? Für uns heute jedoch nicht! Auf dem äusserst anstrengenden Weg von Chunchi nach Zhud (45 Kilometer, 960 Höhenmeter) werden wir ab 2800 m von Nebel und Nieselregen überrascht. Das Foto “über den Wolken” war nur von kurzer Daür, die Nebelgrenze stieg stetig mit uns auf 3000 Meter.

In Zhud gab es keine Übernachtungsmöglichkeit. Es war kalt und nass und bot uns ein grau in grau Bild. In solchen Situationen haben wir meistens Glück! Ein Pick-up Fahrer rät uns die Räder auf seinen Wagen auf zu laden und bis nach Canar mitzufahren. Ausserdem sei die Strasse auf dem folgenden Abschnitt teilweise nicht asphaltiert und stark mit Schlaglöcher durchsetzt. Die Gelegenheit, dass nur 27 Kilometer entfernte Canar “easy” zu erreichen lassen wir uns nicht entgehen.

Die verbleibenden 70 Kilometer Talfahrt nach Cuenca bringen wir locker am Folgetag hinter uns. Im Hotel El Dorado verbringen wir 3 Nächte zur Erholung und Städtebummel durch die “Ciudad Historico”. Die Vorbereitung der nächsten Tagesetappen von insgesamt 8000 Höhenmeter über 400 Kilometer nach Macara, durch teilweise schlecht erschlossenes Gebirge ohne Übernachtungsmöglichkeit, muss jetzt gut vorbereitet werden.

Cuenca liegt auf 2530 m in einem Hochgebirgslandbecken und ist mit 300'000 Einwohner die drittgrösste Stadt Ecuador's. Cuenca, auch das “Athen von Ecuador” genannt, wird geprägt durch republikanische Häuser, kleine Geschäfte und Kopfsteinpflaster-Strassen aus der Kolonialzeit. Um mehr über die kulturellen und geschichtlichen Hintergründe dieser interessante Stadt (Inkas des 15 Jahrhunderts und Besetzung durch die Spanier 1557) zu erfahren, lohnt sich ein Blick auf http://www.ecuadorexplorer.com/html/cünca.html

 

Cuenca nach Macara


Cuenca hat uns ausserordentlich gefallen. Nette, zuvorkommende und hilfsbereite Einwohner. Die Stadt hat einen hohen Lebensstandard, ist gepflegt und sauber und wirklich eine Reise wert.
Wir müssen weiter! Vor uns liegen noch etwa 4000 Höhenmeter und über 300 Kilometer. Ab Cuenca gibt es vorerst einen Pass von 3500 Meter, den Altiplano Tinajilla zu bezwingen. Es gibt keine Übernachtungsmöglichkeit so dass wir uns einen von der Strasse abgewandten "Campingplatz" im Freien suchen. Es wird kalt, dies verrät uns ein sternenklarer Himmel. Die neu gekauften Schlafsäcke sind super und halten was sie versprechen. Am Morgen, alles wieder zusammengepackt, beginnt eine der längsten Talfahrten! Während 40 Kilometer "vernichten" wir 1600 Höhenmeter mit einzelnen kurzen Anstiegen dazwischen. Durch die Topographie bedingt gibt es "fast" eine Faustregel: 10 Kilometer Anstieg gefolgt von 20 Kilometer Abfahrt. Es wird nichts geschenkt. Hat man den Eindruck, "da oben ist es fertig" wird man mit nochmals 400 Höhenmetern bis Ona überrascht. Im Hotel Buenos Aires (Foto mit Kristallglas-Leuchter auf Veranda), einziges "Hotel" im Dorf finden wir ein Bett, die Zimmertüre mit Vorhangschloss, Licht, Kaltwasserdusche und Kochgelegenheit. Ansonsten gibt es keinen Anlass, hier länger zu verweilen. Noch etwas geschafft von den Anstrengungen des Vortages, geht es gleich wieder zur Sache. Zur Hoteltüre raus, folgt sogleich ein Anstieg auf 3100 Meter.

In Saraguro treffen wir Peter aus dem Aargau, welcher mit seiner Offroad BMW unterwegs ist. Er hatte sich und das Motorrad vor Monaten mit einem Frachter nach Buenos Aires schippen lassen (5 Wochen überfahrt für 4000 CHF). Er erzählt uns von den Strapazen, die auch er mit dem Motorrad zu bewältigen hatte. Insbesondere Patagonien habe ihm zugesetzt. Jetzt befinde er sich auf dem Weg über Zentralamerika, Mexiko nach Canada. Von irgendwo lasse er sich wieder mit dem Flugzeug in die Schweiz bringen. Das Dorf Saraguro liegt 140 Kilometer südlich von Cuenca und wird von Saraguro-Indianer bewohnt. Die Saraguro's stammen ursprünglich vom Titicacasee und wurden von dort zur Agrarwirtschaft hierher verschleppt.

Der Grossteil der Saraguros trägt selbst an Werktagen ihre traditionelle Tracht. Männer und Frauen tragen einen schwarzen Poncho, dazu, vor allem die Frauen, einen weissen Strohhut und einen schwarzen Rock. Die Männer einen schwarzen Hut, wobei ihr langer geflochtener Zopf hervorschaut und knielange schwarze oder dunkle Hosen. Vor Saraguro nach Loja werden wir das erste Mal Niederschlägen überrascht und kommen somit in den "Genuss" unsere Regenkleider auf ihre Dichtigkeit zu prüfen. Kaum ist der Regen vorbei brennt die Sonne wieder erbarmungslos auf den Asphalt und die lästigen "Sandflies" beginnen uns zu beschäftigen. Ekelhafte Viecher! Ihren Biss bemerkt man erst, wenn es schon zu spät ist und in der Nacht kratzt man sich wegen des unerträglichen Beissen schnell blutig. Jedes Dorf, sei es noch so klein, oder liegt auf über 3000 Meter, hat seinen eigenen Dorfplatz, inmitten eine Statue auf Sockel und selbstverständlich auch eine Kirche. Ohne Platz, Statue und Kirche kann sich eine Häuseransammlung nicht "Dorf" nennen. Loja zählt zu den ältesten Städten Ecuadors, liegt auf 2100 Meter Höhe und zählt 130'000 Einwohner. Schon Alexander von Humboldt war von der Fülle der Pflanzen in diesem Gebiet beeindruckt und nannte Loja "Garten von Ecuador". Erwähnenswert ist, dass Loja einen internationalen Preis für Stadtökologie gewann. Auch hier wird das Stadtbild dominiert von Kolonialstilhäuser, Kathedralen und Statuen. Übrigens; Wir haben in Loja ausgesprochen gut gegessen und im 4 Sternenhotel "Libertador" genächtigt.

Aufgrund der äusserst schlechten Wettervorhersage, mit andauernd heftigen Niederschlägen während der nächsten 3 Tage, beschliessen wir uns zum Transfer nach Macara. Um 13.00 Uhr werden unsere Bikes ins hintere Gepäckfach eines internationalen Cars eingeladen. Um 13.30 Uhr, bei Sonnenschein, beginnt unsere abenteuerliche Fahrt von 5 1/2 Stunden nach Macara, wo wir um 19.00 Uhr eintreffen sollten. Der Fahrpreis für diesen Streckenabschnitt von 175 Kilometer beträgt 6 USD pro Person, die Fahrräder werden kostenlos befördert. Erst verlief alles wie man es sich vorstellt. Allmählich, je höher wir zum Bergpass von 2800 Meter "steigen", wird es neblig, die Niederschläge setzen ein und werden immer heftiger. Die Sichtweite beträgt nur wenige Meter, die Fahrgeschwindigkeit wird immer langsamer und man bemerkt die voraussichtige Lenkung des Chauffeurs. Ein heftiger Stopp! Mehrere Leute stehen auf der Strasse, winken, und zeigen auf die von Geröll zugedeckte Strasse. Nichts geht mehr! Alle Passagiere müssen aussteigen. Ein zweiter Car wurde hinter die Abbruchstelle beordert und wartet bereits. Es regnet in Strömen und die 20 Meter breite Abbruchstelle befindet sich immer noch in Bewegung. Dauernd rollen Gesteinsbrocken auf die Strasse. Zwei Mann werden zur Beobachtung abgestellt welche mit zurufen die einzelnen Fahrgäste zum überqueren des Gerölls auffordern. Während wir unsere Bikes aus dem Gepäckfach holen und beladen giesst es wie aus "Kübeln". In Bikeklamotten, das Thermometer ist inzwischen um 20 Grad gefallen, schieben und tragen wir unser Hab und Gut zum wartenden Bus auf der anderen Seite. Alles wieder eingeladen, wir sind in Wolldecken gewickelt, nehmen wir die Carfahrt wieder auf. Nach weiteren 10 Kilometer, in Sozorango, erneut, nichts geht mehr, die Strasse nach Macara ist durch grosse Felsbrocken und Schlamm verschüttet.  Wir sind eingeschlossen! Es gibt kein Zurück nach Loja, kein Vorwärts nach Macara und in Sozorango befinden sich ausser einer Kneipe keine Hotels! Schnell war uns klar, dass eine Übernachtung im Car angesagt ist. Es bleibt der Fantasie überlassen, wie man sich bis zum Morgengrauen, "bequem" in einen Sessel quetschen kann. "Wo ein Fahrrad, da ein Weg"! Unter diesem Motto bewegen wir uns am nächsten Morgen talwärts in Richtung verschütteter Strasse. Wow, nicht schlecht! Dieser Abbruch! Über 80 Meter gibt es kein Durchkommen. Gesteinsbrocken von bis 4 Meter Durchmesser versperren den Weg. Der Hang ist unterspült, fortwährend rollen weitere Steine auf die Strasse. Wir müssen hier durch! Ein Ortskundiger beobachtet die Bewegungen und wir tragen die Taschen und Fahrräder Stück für Stück auf die andere Seite. Geschafft! Weiter geht es bergab. Bald werden wir Macara erreichen. Es verbleiben nur noch 10 Kilometer. Diese Strecke wurde für uns die anstrengendste von ganz Ecuador. Es folgte ein zweiter Abbruch gleichen Ausmasses und 2 Schlammpisten, wo wir knöcheltief durch eine klebrige Brühe stapfen mussten. Die Temperatur stieg innert kürzester Zeit von 15 auf 38 Grad. Nichts war mit "todo plano" vielmehr folgten mehrere Anstiege die uns bei dieser Hitze mächtig zu schaffen machten. Völlig erschöpft erreichen wir nach 6 Stunden für nur 25 Kilometer Talfahrt und 10 Kilometer "geradeaus" die Grenzstadt Macara.

Macara liegt auf 450 Meter, die Quecksilbersäule erreicht hier nicht selten die 40 Grad Marke und deshalb ist dies die heisseste Stadt Ecuadors. Nach einem wohlverdienten Ruhetag und Reisebericht verfassen, werden wir am 25.03.09 die Grenze nach Peru überschreiten. Während wir diesen Text verfassen, wird uns Broccolisuppe mit Popcorn als Einlage serviert. Echt lecker! Dies stellt für uns eine Abwechslung zu "Pollo con Arroz" dar.

 

Nach 700 Kilometer verlassen wir Ecuador mit folgenden Erinnerungen:

Sauber, gepflegt, äusserst guter Strassenzustand mit teilweise Betonbelägen.

Gute Lebensqualität. ”In Ecuador soll angeblich noch keiner verhungert sein”.

Die Ecuadorianer der “Sierra” sind lebensfroh, freundlich und hilfsbereit.

Die Sierra-Route ist äusserst anstrengend, jedoch lohnenswert (Panorama).

Dünne Luft, Pässe von 3650 Meter Höhe, Anklimatisierung ein “Muss”.

Hauptstadt Quito 13 Millionen Einwohner. Sehr wenig Hochbauten. Ausgedehnte
weitläufige Wohnfläche, inmitten der Stadt der Flugplatz.

Artesanakunst, Wollespinnen, Stricken, Hüte der Saragura-Indianer.

Gute Unterkünfte, Hotels und Restaurants in den touristisch orientierten Städten.

Wir sind positive überrascht und empfehlen eine Reise durch Ecuador für jedermann.


Bikerinfo zur Bergstrecke (Sierra-Route)

- Aktiv (13 Fahrtage)

700 Kilometer

- Transfer (Bus, PW) 260 Kilometer
- Total Höhenmeter

10'300 Hm

- Durchschnittsgeschw.

11,6 km/h

- Fahrzeit in Bewegung 60 Stunden


Reisebericht Peru

24. März - 09. Mai 2009

Macara nach Trujillo

Der Grenzübertritt in Macara verlief unbürokratisch, kostenlos ohne Gedränge. Nach 92 nicht ganz flachen Kilometer, erreichen wir bei 38 Grad Hitze die Stadt “Tambo Grande”. Die Ankunft in dieser 20'000 Einwohner-Kleinstadt wird dominiert durch eine 20 Meter breite Durchfahrt unter einem Fass und einem übergangslosen Wechsel von Asphalt in Zentimeter dicken Feinstaub. Schon mehrere Kilometer vor der Stadt sind uns die vielen 3-rädrigen “Tuc-Tuc” aufgefallen. Sie prägen das Strassenbild mit 90% Anteil zu den Personen und Lastkraftfahrzeugen. Auf diesen umgebauten 125 - 200 ccm Motorräder mit Sitz- und Lademöglichkeit wird alles transportiert; 5-köpfige Familien, Schulkinder, Schweine und Ziegen, und was auf der Ladefläche Platz findet.

Und für uns eine Schlafgelegenheit? Wir fragen danach, “Donde es un Hotel”? Die Antwort: “Esta es un Hotel – Es el mechor en la Ciudad”. Toll! Erst 60 Treppenstufen unser ganzes Gepäck mit Fahrrad in den 2. Stock tragen. Das Zimmer: Fehlende Fensterscheibe, Türe mit grosszügigem Mauerausbruch zur Belüftung, feucht, heiss, schimmlig….. und den Ventilator auf wackligen Beinen musste erst repariert werden, so dass schlafen möglich wird.

Ohne Frühstück, täglich 3x Poulet mit Reis ist uns zuviel, verlassen wir Tambo Grande in Richtung Chulucanas. Es wird eine der abenteuerlichsten Kurzstrecken von nur 38 Kilometer. Die gestern noch staubigen Strassen haben sich über Nacht in Schlammpisten verwandelt. Die Wahl, 3 Tage Asphalt oder 1 Tag Naturstrasse stand im Angebot. Wir entscheiden uns zur Kurzstrecke. Nach 2 Kilometer Rappelpiste, durchsetzt mit unzähligen Schlammpfützen, geht nichts mehr. Räder, Antrieb und Bremsen blockieren. Zwischen den Schutzblechen und Pneus hat sich ein zäher Wasser- Sand-Gemisch angesetzt, dass sich immer mehr verfestigt. Wir warten am Strassenrand auf eine Mitfahrgelegenheit und finden schon bald Platz auf einem Pick-up wo bereits 4 Personen die Sitze belegen.

Alles Palletti? Viel zu einfach!

Nach 16 Kilometer findet unsere Fahrt sein Ende. Der Fahrer entschuldigt sich, dieser Fluss sei mit PW unpassierbar, er versuche seinen Bruder auf der anderen Seite anzurufen. Kurz darauf knattert ein Traktor durch das Wasser. Alles aufladen und das Ufer wechseln. Die Vorderräder versinken, der Alternator scheffelt Wasser…. wenn das nur gut geht! Am anderen Ufer wird nicht angehalten, sondern weitere 300 Meter hinter ein Haus gefahren. Erst hier wird abgeladen und die Aufforderung so schnell als möglich zu verschwinden, macht uns klar, dass die Situation hier für uns “brenzlig” sein könnte. Dieses Übersetzen hat uns 10 Sol (3 USD) gekostet, die wir mit Erleichterung dem Landwirt übergeben haben. Bei der nächsten “Waschgelegenheit”, einer Strassenpfütze, den von der glühenden Sonne festgebackenen Schlamm entfernen und weiter radeln.

Nein! Nach 3 Kilometer muss ein weiterer Fluss durchquert werden. An Stelle des Traktors kommen nun Mullis mit 2-Rad-Karren zum Einsatz. 2 Sol pro Mulli (ca. 80 Rappen) soll das Übersetzen kosten. Am anderen Ufer angelangt bezahlen wir. Schnell stellt sich heraus, dass wir einem “falschen” Fahrer das Geld gegeben haben und der “Mulli-Halter” nun entlöhnt werden möchte. Kostenpunkt 6 Sol – was soll's! Der Magen knurrt, jetzt noch schnell die restlichen Kilometer hinter uns bringen, so dass wir bald etwas zu essen kriegen.

Das darf nicht wahr sein! Es sind nochmals 2 Flüsse zu überwinden. Nicht so tief und reissend, dennoch Schuhe ausziehen und die Packtaschen und Fahrräder Stück für Stück über das Wasser tragen. Obwohl sich die braune Strassenbrühe allmählich verfestigt, durchfahren wir immer noch felgentiefe Schlammlöcher. Langsam nähern wir uns wieder der Zivilisation. Inzwischen ist es bereits 16.00 Uhr. Ziel erreicht? Zufällig erkennen wir an einem am Rand stehenden Abfalleimer die Aufschrift “Chulucanas”. Das Hotel liegt gleich um die Ecke, wir beziehen das Zimmer. Duschen, umziehen, die ersten Schritte vor dem Hotel, was…..? Ein Interview mit uns? Ein Reporter des Lockalradios bittet uns um ein Gespräch mit vorgehaltenem Diktiergerät, welches wir gerne annehmen und über unsere Reise Auskunft geben….. und zu guter letzt, unsere Abfahrt in 2 Tagen soll noch durch das Fernsehen dokumentiert und gefilmt werden.

War das ein Tag! Unser wohl verdienter Schlaf bleibt nur von kurzer Dauer. Mehrere Grillen, die durchs weitmaschige Lüftungsgitter gefallen sind, nerven uns mit ihrem Gezirpe. Kurz entschlossen wird das Zimmer gewechselt. Ein grosser Fehlentscheid, der Strassenlärm Nachts im Nebenzimmer wird unerträglich. In der Folge, wir ziehen es vor uns mit den Grillen zu vertragen, und wechseln wieder zurück, denn etwas besseres gibt es nicht. Um 23.00 Uhr findet dieser Tag ein Ende.

Über die Strecke Chulucanas – Olmos – Chiclayo gibt es nichts Spezielles zu berichten. Die nächsten 3 Tage sind geprägt durch möglichst viele Kilometer abkurbeln. Bis Motupe ist alles grün und bewirtschaftet, nachher beobachten wir einen abrupten Wechsel zu Dürre und trockenem, festgebackenem Boden. Die Temperatur bewegt sich zwischen 35 – 39 Grad je mehr wir uns der Pazifikküste nähern, um so stärker wird der Gegenwind. Es herrscht ein konstanter Südwest-Wind, welcher uns die letzten 40 Kilometer auf 13 km/h bremst, und enormen Kraftaufwand fordert.

In Chiclayo legen wir einen “Day-off-Tag” zur Vorbereitung der weiteren Route ein.

Von Chiclayo nach Trujillo sind 220 Kilometer durch Wüstengebiet zurück zu legen. Die Panamericana mit nur wenigen Richtungsänderungen führt uns zwischen Dünen, einzelnen felsigen Erhebungen und vor allem durch weitläufige vegetationslose Sandfläche. Zwischen den einzelnen Siedlungen liegen meistens 50 Kilometer unbewohntes Gebiet ohne Versorgungsmöglichkeit. Erleichtert über die “schlechte” Wetterlage dürfen wir diese, ansonsten glühende Einöde, bei Bedeckung ohne Gegenwind und einzelnen kühlenden Niederschlägen, durchqueren. Nach 108 Kilometer erreichen wir die Stadt Pacasmayo am Pazifik. Ein empfehlenswerter Ort! Mit hervorragendem Essen und einem gemütlichen Hotel direkt am Strand, geniessen wir den verbleibenden Nachmittag. Die restlichen 112 Kilometer bis Trujillo bleiben bis auf einzelne Reis- und Zuckerrohrfelder, wo eine Bewässerung möglich ist, weitgehend unspektakulär.

Trujillo mit dem verlockenden Ruf des “ewigen Frühlings” ist die 3 grösste Stadt Perus (1,5 Millionen Einwohner). Wie in den meisten grösseren Städten herrscht auch hier ein “Wildwest” Strassenverkehr. Nur sehr wenige Ampeln regeln den Verkehr. Hupen und drängeln bestimmen die Vorfahrt. Wer nicht “mitspielt” bleibt auf der Strecke und kommt zu spät. Es macht den Anschein, dass den Kleinsten, bevor sie gehen können, bereits eine Hupe mit in die Wiege gegeben wird. Mit Trillerpfeiffen verschaffen wir uns die notwendige Aufmerksamkeit und kämpfen uns erfolgreich durch das Chaos.

Einmal ohne Stress, ziehen wir es vor, auf einem Taxirücksitz (30 USD) einen archälogischen Kulturtag einzulegen. Wir besuchen die Huaca de la Luna (Mondpyramide), das Museo del Sitio, Palacio Tschudi, Huaca el Dragon oder Templo Arco Iris (Regenbogentempel) und Chan-Chan. Huaca del Sol (Sonnenpyramide), die grösste Pyramidenruine ist für die Öffentlichkeit noch nicht zugänglich. “Huaca” nennt man eine Grabstätte oder ein pyramidenartiges Heiligtum welches meist dem Mond geweiht ist. Die kleinere Mondpyramide, mit englischer Führung, hat uns die Kultur der 200 Jahr n. Ch. lebenden Mochica näher gebracht und uns am besten gefallen. Die Mochica waren die Baumeister der höchsten Lehmpyramiden Südamerikas. Auch heute noch werden Wohnhäuser mit Lehmblocks (Adobeziegeln) meist in Verbindung mit Backsteinen erstellt. Die Ruinen von Chan-Chan, der 1000 n. Ch. lebenden “Chimu”, sind für Archäologen sicher faszinierend, für uns jedoch eher verwitterte und ausgewaschene Überreste eines alten Küstenreiches.

Die 4-stündige Tour beenden wir in Huanchaco, 10 Kilometer nordwestliche von Trujillo. Hier am Strand kann man den Hinkelstein ähnlichen Binsenbooten (Caballitos de Totora) zuschaün, die als Touristenattraktion vermietet werden. Sie teilen sich die brechenden Pazifikwellen mit den neuzeitlichen Brettern der Wellenreiter. Ein Tip; Fischspezialitäten in einem nahe gelegenen Restaurant geniessen.

Die Würfel sind gefallen und wir haben unsere Entscheidung getroffen:

Die Bahn Lima – Huancayo ist ein von den Chinesen (1870 – 1893) erbautes technisches Wunderwerk. Mit einer Streckenlänge von nur 160 Kilometer hat sie die höchstgelegene Eisenbahnstation auf 4781 Meter über Meer. Die Nachforschungen über die Wiedereröffnung dieser Bahn bestätigt uns 2-monatliche touristische Einsatzfahrten. Die Beschaffung der begehrten Tickets ist nicht einfach und für uns nur in Lima buchbar. Wir entschliessen uns deshalb mit Bus (8 Stunden) direkt nach Lima zu fahren um noch rechtzeitig 2 Plätze zu reservieren. Ab der Endstation Huancayo werden wir über 4 Pässe und 637 Kilometer bis Abancay “weiterradeln”.

 

Lima

Im komfortablen Reisecar der “LINEA” erreichen wir Lima nach 8 Stunden Fahrzeit, vorwiegend durch unbesiedeltes Wüstengebiet. Die “National 1” fährt genau durch die “Pueblos Jovenes” (Slums) und die problematischsten Stadtviertel Limas. Die Wahl zur Busfahrt, mit den Fahrrädern im Gepäckabteil, erspart uns den Stress der Einfahrt in den 7 Millionen Einwohner zählenden Moloch.

Die für Touristen sicheren Viertel (mindestens tagsüber) sind Miraflores mit Hotels, Restaurants und eleganten Geschäften. Gute Unterkünfte gibt es auch in San Isidro. Das Zentrum “Ciudad Historico”, mit den meisten Sehenswürdigkeiten, hat uns am besten zugesagt und hier finden sich auch Unterkünfte (nicht nur Backpacker-Hostals) für jedes Budget.

Ein Altstadtrundgang zu Fuss benötigt etwa 6 Stunden und vermittelt einen aufschlussreichen Eindruck vom kolonialen und heutigen Lima. Sonntags, wenn die meisten Stadtbewohner am Strand sitzen, erscheint das Zentrum wie ausgestorben, so dass sich jetzt die besten Fotos ergeben. Als Startpunkt eignet sich der neuerstellte und schönste Platz der Stadt, die Plaza Mayor. Hier finden auch die Prozessionen und Militärparaden, mit der historischen Kulisse der Gebäude im Hintergrund, statt.

Keine andere südamerikanische Stadt bietet eine grössere Vielfalt an Museen und Ausstellungen wie Lima.

Wir empfehlen insbesondere:
Das Nationalmuseum, in welchem verschieden Kulturkreise Alt-Perus von den Anfängen bis zur Inka-Zeit vorgestellt werden.
Das “Museo del oro” gilt nach dem Goldmuseum von Bogota, als reichstes in Südamerika. Es werden die grossartigen Goldschätze der Chumu- und Inka-Kultur präsentiert.
Die 1546 erstellte Kirche San Francisco und den angegliederten Franziskaner-Kloster (UNESCO Weltkulturerbe) zählen zu den schönsten und grössten Kolonialbauten Limas. Berühmt ist das Kloster wegen der vielen Wandmalereien (Kacheln) und Deckenstukkaturen, historischen Schriften und insbesondere der Katakomben. 1951 entdeckte man unterirdische Gänge die zu den über 300 Jahre alten Katakomben führen. Bis 1808 wurden in ihnen über 70'000 Tote bestattet. Eine Führung (es darf leider nicht fotografiert werden) bietet uns heute die Sicht auf säuberlich geordnete und gestapelte Totenschädel und Gebeine.

Die Landflucht vom Hochland nach Lima ist ein akutes Problem Perus. Die Bezirke “Cono Sur, Cono Norte und Cono Este” umschliessen die Stadt und ziehen sich bis weit in die Wüstenhügel. Es zeigt sich ein tristes Bild von Schilf- und Blechhütten und nicht fertig gestellten Steinbauten. Hier leben etwa 1/3 der Bewohner von Lima im heissflimmernden Wüstensand. Es gibt unzureichend fliessendes Wasser und eine schlechte Stromversorgung. Die “Zugewanderten” erhoffen sich in Lima bessere Lebensbedingungen. Ein Irrtum! Viele verdingen sich als Hilfskräfte, Altmaterialsammler, Lastenträger oder fliegende Händler auf den Strassen Limas.

Als absoluter Top-Favorit gilt eine Zugfahrt mit dem “Tren”. Die Bahn Lima – Huancayo, ein technisches Wunderwerk das von Henry Meiggs geplant und in den Jahren 1870 – 1893 von den Chinesen gebaut wurde. Die höchste Eisenbahnstrecke, mit der höchstgelegenen Station “Galera” auf 4781 Meter über Meer. Vor Galera befindet sich der mit 1117 Meter längste Tunnel der 160 Kilometer langen Strecke. Bis Huancayo überquert der Zug 45 Brücken, durchfährt 67 Tunnel und über 1000 Kurven und Spitzkehren. Viele der steilen Anstiege werden mittels Rückwärtsfahrten (Zick-Zack) überwunden. Bis 1992 verliess täglich ein Personenzug den Bahnhof von Lima und erreichte nach 12-stündiger Fahrt Huancayo. Seit 1998 gibt es wieder sporadisch touristische Ausflugszüge, heute bereits 2x monatlich.

Leider hatten wir keine Chance zwei der begehrten Tickets zu erhalten. Der Zug war bereits seit 2 Wochen ausgebucht. Deshalb verlassen wir Lima südwärts durch die hektischen Strassen und Vororte mit Ziel Paracas und den Isla Ballestas.

Tip: Immer Pass mit Einreisepapier vorlegen. So erhält man das Zimmer zum Nettopreis ohne die MwSt von 19% bezahlen zu müssen. Taxis sind günstig und in jedem Fall den öffentlichen Transportunternehmen vor zu ziehen.

Weitere Informationen über Lima finden sich unter: www.munlima.gob.pe

Wichtige Information “Tren-Tickets” besorgen:
WONG-Market oder METRO-Market in Lima
oder direct www.fcca.com.pe , Mail: reservas@fcca.com,pe , Tel: 226 63 63 222

Peru-Busreisen: www.adonde.com/turismo/buses.php

Islas Ballestas, Oase Huacachina und die Nasca-Linien

Als “Ersatz” zu den Galapagos-Insel, die wir nicht besucht haben, entschliessen wir uns zu einer Tierbeobachtungstour mit Boot. Diese wesentlich günstigere Variante war ein Erlebnis und gab uns einen erholsamen Ausflugstag. Die Paracas-Halbinsel und die Islas Ballestas, mit einer Gesamtfläche von 335'000 Hektaren, bilden das Nationalreservat Paracas. Dort trifft man ein reiches Vorkommen an Mähnenrobben, Blaufusstölpeln, Pelikanen und Pinguinen und anderen Meeressäugern. Auf der Halbinsel befindet sich auch eine grosse Felszeichnung, der “Candelabro de Paracas” der den Nasca-Linien ähnelt. Wahrscheinlich diente der Kerzenleuchter von Paracas den Seefahrern als Orientierungszeichen zur Navigation.

Pisco: Am 15. August 2007 wurde bei einem Erdbeben 85% des malerischen Kolonialstädtchens zerstört. Bei diesem Beben der Stärke 8.0, mit einer ungewöhnlichen Dauer von 2 Minuten, sind mehr als 500 Personen umgekommen und 1500 Menschen verletzt worden. Allein in der grössten Kirche der Stadt, San Clemente, starben über 90 Menschen. Von der Kirche blieben nur zwei Steinsäulen und die Kuppel stehen. Die archäologischen Schätze und Kulturdenkmäler in der Region Ica sind stark in Mitleidenschaft gezogen worden. In den Museen von Ica und Paracas sind Wände eingestürzt und Vitrinen zerstört worden. Dabei erlitten wertvolle archäologische Gegenstände, darunter Mumien aus dem frühen Peru, irreparable Schäden. Die bizarren Steinformationen im Naturpark von Paracas sind stark beschädigt worden, eine der berühmtesten, die „Kathedrale“, ist verschwunden. Pisco besteht bis heute noch aus vielen Trümmerfeldern und die Schäden sind immer noch nicht restlos beseitigt.

Oase Huacachina
Nur 5 Kilometer westlich von Ica liegt die Oase Huacachina, welche für die heilenden Wasser bekannt sein soll. Für uns bietet dieser kleine Wüstenort die Möglichkeit um etwas „durchzuhängen“ und dem treiben der Sandboard-Surfern zuzuschauen. Die vielen Motorboogies, besetzt mit bis 20 Mitfahrer, sind mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm nicht zu überhören. Huacachina bietet genügend Unterkünfte von 3 – 200 US-Dollar auf erstaunlich kleiner Fläche.

Huacachina – Palpa (100 Km)
Nach den ersten 15 Kilometer bis Santiago besteht die letzte „gesicherte“ Bunkermöglichkeit vor der 60 Kilometer langen Wüstendurchquerung. Nach 50 Kilometer (1/2 der ganzen Tagesstrecke) werden 2 Funkmasten ersichtlich, dort gibt es 2 „Kioske“ mit Getränken und beschränkter Verpflegungsmöglichkeit. Ob diese Hütten in Zukunft noch stehen, ist fraglich. Sicher ist jedoch, dass wir pro Stunde/Person 0,75 Liter Flüssigkeit benötigen. Für die 60 Kilometer Wüstenquerung, fast alles schnurgerade, kein Schatten, 43 Grad Hitze waren 3 Stunden Fahrzeit nötig. Idealerweise wird man bei Sonnenaufgang um 6 Uhr losradeln. Total benötigten wir von Huacachina bis Palpa 5 Stunden. Die Strecke beinhaltet 3 Steigungen von insgesamt 500 Höhenmeter, ein Tunnel 200 Meter und eine Rappelpiste den Berg runter von 250 Höhenmeter bis Rio Grande. Im Hospedaje Foursbi in Palpa verbringen wir bei Discosound (jeden Samstag) eine schlaflose Nacht und erfahren erst beim Frühstück, dass es im Ort noch andere Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Nasca-Linien
Auf dem Weg nach Nasca (25 Kilometer nach Palpa) besuchen wir das Maria Reiche Museum. Frau Reiche (1903 – 1998) ist bekannt durch die Freilegung der Nasca-Linien. Das Museum, ehemaliges Wohnhaus, erscheint uns etwas herunter gekommen und die Ausstellung etwas dürftig. Auf den nächsten 30 Kilometer radeln wir direkt über diese Scharrbilder ohne etwas davon zu bemerken. Eine Aussichtsplattform gibt uns die Möglichkeit 2 dieser geheimnisvollen Glyphen zu fotografieren. In Nasca werden von unzähligen Reiseagenturen Rundflüge mit „Cesnas“ angeboten. Ein Erlebnis von 35 – 60 Minuten (60 – 90 US-Dollar) das gut überlegt sein will. Magenempfindlichen und von Flugangst geplagten Personen ist dringend von diesem Abenteuer abzuraten. Als Entschädigung empfehlen wir den Besuch des „Museo Regional de Ica“ in dem das Modell der Nasca-Linien einen besseren Überblick als aus der Luft bietet. Postkarten ersetzen Fotos die wegen Übelkeit selbst nicht „geschossen“ werden konnten.

Nasca nach Cusco

Jetzt gilt es die „Cordillera Occidental“ zu überwinden. Mehrere Pässe von bis 4300 Meter Höhe und Altiplanos welche sich auf 4500 Meter befinden, liegen vor uns. Eine beinharte Angelegenheit über 455 Kilometer von Nasca bis Abancay. Der Streckenabschnitt von Nasca – Puquio von 155 Kilometer und 2600 Höhenmeter, eine Strasse mit unzähligen Spitzkehren, gilt als äusserst schwierig und gefährlich. Lastkraftwagen und Busse, welche aus Platzmangel die Kurven schneiden müssen, wälzen sich den Berg hoch und lassen einem Radfahrer keinen Spielraum. Ausserdem soll sich die Passhöhe, laut Einheimischen auf 5000 Meter befinden, so dass eine Höhenkrankheit für uns eine weitere Gefahr birgt. Also entschliessen wir uns zur Taxifahrt mit einem Kleinbus und beschaffen uns „Sorrojchi-Pills“ um die schnell ansteigende Höhe und den Abra Condorcenca beschwerdefrei zu überstehen. Jeden Meter den wir an Höhe gewinnen wird es grüner das Bild von „grauen Elefantenrücken“ ändert sich allmählich in saftiges Weideland und dichtem Pflanzenbewuchs. Einmalig und für uns ein völlig neues Erlebnis. Nach 3 ½ Stunden erreichen wir Puquio auf 3214 Meter . 2 Tage Anklimatisierung, Vorräte einkaufen, Ratschläge von Einheimischen einholen und Höhenprofil erstellen sind die Voraussetzungen um nach Abancay zu gelangen.

Alles bereit, wir fahren los. Nach 2 Stunden ziehen graue Wolken heran, der fast tägliche Nachmittagsregen wird demnächst einsetzen, so dass wir jetzt auf 3700 Meter unser Nachtlager aufschlagen. Leckere Spaghetti stehen auf dem Speiseplan. Kochen in dieser Höhenlage lassen die Pasta zu einem verklebten Knäuel werden. Auch die Sauce hilft nicht viel, denn wir haben versehentlich Pizza- an Stelle der Tomatensauce gekauft. Inzwischen ist es bitter kalt geworden und wir verkriechen uns um 18.00 Uhr in den Schlafsack. Die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit lassen keine Ruhe aufkommen. Die Stunden bis zum Morgengrauen erscheinen uns unendlich lang.

Mit zunehmender Höhe benötigt alles mehr Zeit, die Atmung wird schwerfällig und die Kopfschmerzen bilden eine unangenehme Begleiterscheinung. Zur Linderung dieser Beschwerden kauen wir Kokablätter, radeln weiter, und überwinden den höchsten Punkt von 4500 Meter . Auf dieser Höhe lassen sich die Gedanken nicht mehr richtig einordnen und die Landschaft wird nur noch flüchtig wahrgenommen. Völlig entkräftet, inzwischen hat auch noch die Übelkeit und Nasenbluten eingesetzt, lassen wir uns von einem Kleintransporter auf das nächste tiefer liegende Dorf bringen. Eine Weiterfahrt ist um diese Zeit nicht mehr möglich, die Dämmerung hat bereits eingesetzt.

Im einzigen Hospedaje von Pampamarca (4000 Meter) erhalten wir Suppe mit Einlage, Kekse als Nachtisch, Kokatee und eine Unterkunft. Das Zimmer ohne Wasser, Kerzenlicht (Strom ist zu teuer) und einem Plumpsklo hinter dem Haus, so sieht unser Nachtlager aus. Trotzdem sind wir erleichtert eine Bleibe gefunden zu haben und fallen erschöpft in die 2 durchhängenden Matratzen auf einem undefinierbaren Untergestell. Das Departement Apurimac gilt als das unterentwickelte Gebiet Perus.

Die Höhenkrankheit hat auch uns nicht verschont. Selbst die beste Vorbereitung mit Höhenprofil, Distanzen und Zeitplanung sind für Radtouristen nicht ein Garant, risikolos diese Hochebenen zu überwinden. Um eine tiefere Region zu erreichen müssten wir nochmals 500 Höhenmeter hinter uns bringen. Der Reisecar in den frühen Morgenstunden kommt uns sehr gelegen. Im bequemen Liegesessel des Erstklassabteils, die Fahrräder im Gepäckfach verstaut, erreichen wir Chalhuanca auf 2900 Meter . Beschwerdefrei lassen wir unsere Räder nun 100 Kilometer ohne Kraftaufwand den Berg runter rollen. Erst jetzt können wir wieder die Landschaft geniessen. Ein befreiendes Gefühl und Belohung für die durchlebten Strapazen. Nach einem letzten Anstieg von 400 Höhenmetern, es wird uns nichts geschenkt, erreichen wir Abancay auf 2360 Meter . Wir freuen uns auf eine Dusche, ein „richtiges Bett“ und vor allem Ruhe. Eine Hochzeitsgesellschaft, im provisorisch erstellten Festzelt auf dem Hotelparkplatz, mit 10 Mann Orchester feiert bis morgens um 3 Uhr. Lieber Liveband als verzerrten Discosound, wir feiern die Feste wie sie fallen.

Streckenbeschrieb Abancay – Cusco
Aus Stadtmitte Abancay erfolgt ein starker Anstieg von 400 Höhenmeter. Nach 25 Kilometer , 3400 M.ü.M., ist eine Verpflegung (Flüssigkeit) beim Hüttendorf erhältlich. Erst nach weiteren 5 Kilometer auf 3600 M.ü.M. wird zelten möglich. Abancay (2400 m) bis Abra Socllaccasa (4000 m), 39 Kilometer benötigt 5 – 6 Stunden Fahrzeit. Wetterumschläge sind jederzeit möglich. Mit Nebel, Regen und Kälte muss fast täglich gerechnet werden. Nachts kann das Thermometer auf empfindliche 5 Grad fallen. Ab Passhöhe gehts 34 Kilometer runter bis Curahuasi und weitere 19 Kilometer bis zur Brücke des „Rio Apurimac“ (1900 m)! Es folgt ein Anstieg von 700 Höhenmeter und 27 Kilometer bis Limatambo (2600 m). Campieren in der Schlucht ist auf 10 Kilometer nach Brücke wegen Steinschlags und „Sandflies-Attacken“ nicht möglich. Unterkünfte sind nur in Curahuasi und Limatambo, welche 46 Kilometer auseinander liegen, verfügbar. Ab Limatambo erfolgt bis Abra Huillique (3600 m) ein stetiger Anstieg. Es folgt eine gemässigte Talfahrt bis Cusco (3430 m) mit einem nochmaligen kurzen Anstieg von 300 m vor der Stadt. Diese Strecke (Limatambo – Cusco) von 85 Kilometer benötigt ca. 8 Stunden Fahrzeit. Hotels in Cusco gibt es in jeder Preisklasse.

 

Many thanks to our friends:

  • To Christian for the „lift“ and the invitation for dinner at the Hotel Eco Inn
  • To Dr. Eduardo for the medicine and the information about cycling in the highlands
  • To Ty, a friendly biker, met at Ulrikes Cafe, thank's for postage, the excellent food and the „Cicling-Brownie-Bar“
  • To Yerald Candia, Teambike, Bicycleshop in Cusco for the perfect service and repair of our two KOGA'S


Cusco und Sacred Vally


Cusco, oder offiziell Qosqo (Zentrum) genannt, liegt auf 3430 M.ü.M. und gilt wegen der historischen Bedeutung bestimmt als interessanteste Stadt Südamerikas. Einst „Nabel der Welt“ und Herz des Inka-Imperiums war Cusco ebenso reich und mächtig wie Rom. Das reizvolle Stadtbild von Cusco wird geprägt von Kolonialbauten und den Inkamaürn. Beim Erdbeben von 1650 blieben nur die Grundmauern aus der Inkazeit erhalten.

Cusco, fest in der Hand des Tourismus (1 Million Besucher pro Jahr) muss man selbst erlebt haben. Für eine Stadtbesichtigung sollten 1 – 2 Tage (ohne den Anklimatisierungs-Ruhetag!) geplant werden. Wer den 10-tägigen „Boleto Turistico del Cusco“ (40 USD) zum Besuch von 6 Museen und den 10 umliegenden Ruinen erwirbt, sollte nochmals einen Tag dazu einplanen.

Für das Trekking auf den Inka-Trail von 80 oder 90 Kilometer zum Machu Picchu sind 3 – 4 Tage notwendig. Ein Besuch der Machu Picchu Inkastadt ist mit Bahn ab Cusco nach Aguas Calientes, und anschliessender Busfahrt, in einem Tag machbar. Dieses Tagesprogramm wird jedoch sehr stressig, denn alleine die Zugfahrt benötigt bereits 8 Stunden für die Hin- und Rückfahrt. Somit empfehlen wir einen Cusco-Aufenthalt von mindestens 6 Tagen.

Wir haben für uns ein ausserordentliches „Machu Picchu Programm“ zusammengestellt, welches durchaus auch ohne Fahrrad mit Taxi, Bahn und Bus zum Erlebnis wird.

Ausgerüstet mit dem „Boletto de Tourstico“ verlassen wir Cusco in Richtung Valle Sagrado (heiliges Tal) auf einer der Hauptverkehrsachsen. Hier beginnt eine der schönsten Radtouren Südamerikas und man lernt dabei die wichtigsten Inka-Relikte kennen. Rund 200 Höhenmeter, Pflastersteine und teilweise so steil, dass schieben angebracht ist, und wir sind vor unserer ersten Ruine „Saqsaywaman“. Wie bei allen zugänglichen historischen Inka-Stätten, sollte man vor den einrollenden Touristencars die eigenen Fotos geknipst haben. Die einzigartigen Bauwerke sind sonst von der Farbenpracht der aktuellsten „Trekking-Mode“ verdeckt.

Auf den weiteren 20 Kilometer folgen die Ruinen Q'enqo, Pukapukara und Tambomachay. All diese Inkabauten liegen unweit der Strasse und der Eintritt ist im „Bolleto de Touristico“ inbegriffen.

Nach der folgenden Talfahrt von 25 Kilometer befinden wir uns in Pisaq, auf nur noch 3050 M..M. Vorerst erscheint uns dieser Ort etwas verkommen und ungepflegt, so dass wir uns zur Durchfahrt entscheiden. Etwa 2 Kilometer ausserhalb Pisaq, Richtung Urubamba, fällt uns das schöne und gepflegte Hotel „Inti Wasi“ auf. Spontan entschliessen wir uns hier zu bleiben. Mit dem Taxi lassen wir uns zu den Ruinen von Pisaq fahren. Unserer Ansicht nach sind diese Relikte ebenso sehenswert wie Machu Picchu, jedoch sehr viel preisgünstiger, weil der Eintritt im Bolleto de Touristico inbegriffen ist. Die Ruinen von Pisaq sollte man auf keinen Fall verpassen. Wir empfehlen etwa 3-4 Stunden zur Besichtigung der Ruinen und der anschliessenden Wanderung zurück nach Pisaq einzuplanen. Es ist dabei zu beachten, dass man vor 14.00 Uhr mit Taxi (7 USD) zum Eingang gefahren wird, denn der Fussmarsch zurück zum Dorf benötigt mindestens 1 ½ Stunden. Die Nachmittagssonne steht für Fotos genau richtig und die restliche Wärme reicht aus um die Talwanderung ohne „Alpaca-Pelz“ gemütlich zu überstehen. Dieser Rundgang mit nur wenigen Touristen war für uns ein Genuss.

Die weiteren 60 Kilometer bis Ollantaytambo, Ausgangspunkt der Bahnfahrt nach Aguas Caliente, auch Machu Picchu Pueblo genannt, haben wir mit Rückenwind schnell hinter uns gebracht. Die Zugfahrt von Ollantaytambo (2850) nach Aguas Caliente (2040) benötigt 1 ½ Stunden.

Tip
Falls 3 Übernachtungen (2 Tage) zur Verfügung stehen, sind 1 Übernachtungen in Ollantaytambo, eine Übernachtung in Aguas Caliente und eine weitere Nacht in Ollantaytambo zu buchen. Gepäckaufbewahrung in den Hotels kein Problem.

Wir empfehlen ein „Backpacker-Ticket“, Abfahrtszeiten im Fahrplan nachsehen.

Falls man sich einen Stundentenausweis „erwerben“ kann, diesen nicht Zuhause liegen lassen, da vielerorts Preisreduktionen bestehen.

Kostenpunkt Machu Picchu
Zugfahrt Ollantaytambo – Aguas Calientes (hin / zurück) 70 USD/p.P.

Bus Aguas Caliente – Machu Picchu (hin / zurück) 14 USD/p.P.

Eintritt Machu Picchu 40 USD/p.P.

Wichtig, genügend Wasser und Verpflegung mitnehmen, da vor Ort massiv zu teuer!

Über das UNESCO geschützte Weltwunder www.machupicchu.perucultural.org.pe möchten wir nicht viel berichten. Der Besuch dieser sehr gut erhalten Inka-Ruine gehört zur “Pflicht“ eines Peru-Besuches. Für konditionell fit gebliebene, mit gutem Schuhwerk, keine Höhenprobleme und absolut schwindelfrei gibt es noch die kostenfreie Besteigung des Wayna Picchu (2667 M.ü.M), hin und zurück in 2 ½ Stunden. Nur 400 Personen werden täglich zugelassen und müssen sich bei Ein- und Austritt eintragen. Für uns war diese Klettertour ein Höhepunkt des Tages. Für den Rest von Machu Picchu haben wir uns dem Touristenstrom mit Führung „heimlich“ angeschlossen. Auf eine Taxi-Talfahrt haben wir verzichtet und wanderten 1 ½ Stunden auf dem Inka-Pfad zurück nach Aguas Caliente um mit dem Zug wieder nach Ollantaytambo zu gelangen.

Am Folgetag radeln wir zurück nach Urubamba (2900 M.u.M.) um die Serpentinenstrecke, mit einer Passhöhe von 3800 M .u.M. nach Chinchero zu bewältigen. Die verbleibenden Ruinen Moray und Chinchero, vor allem Moray, liegen uns etwas zu weit abseits der Strecke und lassen wir deshalb weiter „ruhen“. Ausserdem sind wir inzwischen auch etwas gesättigt von der Inka-Baukunst. Nach 190 Kilometer ab Cusco und 6 Tagen durch das heilige Tal, werden wir im Hotel Eco Inn wieder herzlich empfangen und einquartiert. Die Bikes gehen in Revision, Claudia zum Doktor wegen eines Infektes und Alexandre zur Abschlussbehandlung beim Zahnarzt. Den „Ruhetag“ werden wir mit Reisebericht schreiben und der Vorbereitung der nächsten Etappe von 345 km nach Puno am Titicacasee verbringen.

Anmerkung: Machu Picchu ist unseres Erachtens massiv überlaufen. Jeder will diese Ruinen besuchen. Als Alternative bietet sich ein 5 Tage/4 Nächte Trekking zu den 1834 entdeckten Ruinen von Choquequirao (nur in Cusco buchbar), an. Dies zum Preis von etwa 650 USD, alles inbegriffen, sogar 5 kg des eigenen Gepäcks werden von Sherpas getragen. Wir haben „das must“ Machu Picchu erlebt und gesehen. Hätten wir doch den Mut, das Kleingeld und das passende Schuhwerk gehabt, hätten wir uns fürs Trekking zu den Ruinen von Choquequirao entschieden. Ein Outdoorerlebnis in einer kleinen Gruppe, zuverlässiger Führung, näher an der Natur und das Erlebnis auf den Pfaden der Inkas zu wandern, wäre bestimmt ein ebenbürtiges Erlebnis gewesen. Dies wird das nächste Mal bestimmt unser Top-Ausflug werden.

Cusco nach Puno

Vor uns liegt eine sehr schöne und landschaftlich abwechslungsreiche Strecke. Die Panamericana führt parallel zur Bahnlinie mit gemässigter Steigung über den „Abra la Raya“ (4338 M.ü.M.). Eine kurze Talfahrt von ca. 300 Höhenmetern bringt uns auf das 150 Kilometer weitreichende Altiplano. Die Strasse windet sich ohne Steigungen auf 3900 Meter durch mehrere Seitentäler, umgeben von schneebedeckten 5000 – 6000 Berggipfel. In diesen Höhenlagen scheinen diese Gebirgsketten zum greifen nahe.

Die Hochlandbauern bewirtschaften ihre kargen Felder noch vorwiegend mit Hakenpflug und Grabschaufel. Lama-, Schaf- und Rinderherden, werden meistens von Peruanerinnen durch die Weiden geführt und durch Hunde zusammengehalten. Auf dieser Strecke Cusco – Juliaca sind die Indigenas leider nicht gut auf den Tourismus „zu sprechen“ und empfangen uns eher mit Abneigung und Unverständnis. Dies mag auf die Abgeschiedenheit, Analphabetismus und wenig Kultur zurück zu führen sein. Kurz vor Santa Cruz sichten wir einige Flamingos an einer seichten Lagune. Erstaunlich, dass diese Tiere auf 4000 Meter Höhe ihren Lebensraum fanden. Spät Abends erreichen wir nach 145 Kilometer , die etwas mehr als 100'000 Einwohner zählende Stadt Puno (3830 M.ü.M.) am Titicacasee.

Der Titicacasee ist mit seinen 800 qm der höchste schiffbare See der Welt. Wir besuchen die 33 Meter lange „Yavari“. Dieses 1870 fertig gestellte, ehemals dampfbetriebene Stahlschiff, liegt nun auf unbestimmte Zeit als Museum unweit von Puno vor Anker. Die erste Renovation ist abgeschlossen, nun fehlt es noch an einem 250'000 USD teuren neuen Dieselmotor. Wann die Yavari wieder Passagiere durch den Titicacasee befördern wird ist ungewiss.

Interessant dazu:
Die Schiffsteile wurden 1862 von London um Kap Horn nach „Arica“ verschifft um vom Pazifik mit Bahn weiter nach „Tacna“ (550 M.ü.M.) befördert zu werden. Bis Puno, wo das Schiff fertig gestellt werden sollte, liegen die Andenberge mit Höhen bis 4850 Meter die zu überwinden waren. Die in 2766 zerlegten Teile werden mit Maultieren während 6 Jahren zum 3250 Meter hohen Titicacasee getragen. Mehr dazu www.yavari.org

Die verbleibende Zeit des Tages lassen wir uns mit Taxi zu den umliegenden Touristenattraktionen chauffieren. Die Aussichtsplattformen des Kondor, Inka und Puma bieten uns ausgezeichnete Sicht über die Stadt und zu den Binsen-Inseln. Eine weitere Attraktion sind die Uros-Inseln. Eine ½-stündige Bootsfahrt bringt uns, zwischen unzähligen Binsenfeldern, zu den „schwimmenden“ Uros-Inseln. Immer schwimmend, steigen die Inseln im Dezember bis März während der Regenzeit um 1 – 2 Meter. Die Inselgruppe besteht aus 80 einzelnen Inseln, die durch Taue mit der Trockenzone verbunden sind, sogar eine Schulinsel ist darunter. Jede Insel wird von 8 – 9 Familien bewohnt und durch einen Präsidenten vertreten und alle Inseln zusammen werden von einem Präsidenten regiert. Die Bewohner leben vorwiegend vom Fischfang. Die fehlenden Esswaren wie Kartoffeln und Früchte werden durch tauschen mit Fisch beigebracht. Ein Uros-Bewohner erklärt uns wie eine einzelne Insel „gebaut“ wird. Erst werden 4 torfähnliche Blöcke zusammengeschnürt. Mehrere tausend Blöcke zusammen bilden den tragenden Teil der Insel und reichen bis zu 1 Meter tief ins Wasser. Diese Basis wird um einen weiteren Meter mit Binsen überdeckt. Fertig ist der „Grund und Boden“. Ein Ausguck, Häuser aus Binsengeflecht und Kochstelle werden darauf errichtet. Die Schilfrohrbündel der Inseln müssen alle sechs Monate ausgebessert werden, eine notwendige Maßnahme, welche die jüngere Generation leider allzu gerne vernachlässigt, weshalb regelmäßig auch größere Schilfinseln im See versinken. Mittels „Totorabooten“ sind die einzelnen Inseln gegenseitig erreichbar.

Nach 2 Tagen Aufenthalt verlassen wir Puno in Richtung Bolivien. Bis zur Grenze sind es nur noch 150 Kilometer entlang des Titicacasee.

Zwischen Cusco und Puno treffen wir auf weitere Rad-Globetrotter:

•  Dorothee & Sven; Südamerika bis Alaska: www.auf-radreise.de

•  Japanese Tandem Bikers, travelling around the world: www.h2.dion.ne.jp/~fumiya

Die Radler aus Alaska kommend kreuzen sich hier in Peru mit denjenigen aus Patagonien. Die Wahrscheinlichkeit sich hier zu treffen ist gross und bietet einen hilfreichen Erfahrungsaustausch über die aktuellste Streckensituation.

 

Nach 2000 Kilometer verlassen wir Peru mit folgenden Erinnerungen:

Flussdurchquerung mit Traktor und Eselkarren bei Tambo Grande.

Idyllisches Pacasmayo am Pazifik.

Islas Ballestas Naturschutzgebiet (klein Galapagos) mit Seehunde, Pinguine und jede Menge Vögel.

Huaca del Sol und Chan Chan nahe bei Trujillo.

Hauptstadt Lima, Ciudad Historico mit Kirchen, Kathedralen und Katakomben.

Oase Huacachina, Sandduenen und viel Tourismus auf kleinstem Grund nahe der Grossstadt Ica.

Nascalinien beidseits der Panamericana nach drei Tagen Wüstenfahrt.

Unser 3800 M.ü.M. Camping, Höhenkrankheit auf Altiplano bei 4500 M.ü.M.

Cusco, erbaut auf den Überresten der Inka-Mauern und Ausgangspunkt zum Sacred Valley

Mehrtägiger Karneval- und Artesana-Umzug.

Die Ruinen von Pisaq mit anschliessender 1 1/2-stündiger Talwanderung zum Dorf.

Das “Muss” (?) Machu Picchu mit der Besteigung des Wayna Picchu und Rückwanderung nach Aguas Calientes. Touristisch überlaufen! Als Alternative dazu bietet sich das 5-tägige Choquequirao -Trekking.

Die schönste “Peru-Rad-Strecke” von Cusco nach Puno, mit Pass Abra la Raya und dem nachfolgenden 150 km langen Altiplano.

Kondore leider nicht gesehen, dafür unsere ersten Flamingo auf 4000 M.ü.M. gesichtet.

Puno Bootsausflug zu den schwimmenden “Uros-Inseln”, 80 flossähnliche, aus Binsen gebaute, “Grundstuecke”.

Der Titicacasee (60% Peru , 40% Bolivien), 13x grösser als der Bodensee mit 3850 M.ü.M. der höchstgelegene schiffbare See der Welt.

 

Leider:
Die attraktive Strecke Cusco – Puno besteht teilweise (Jahr 2009, 100 Kilometer ) aus einer Rappelpiste von unzähligen Flicken und Schlaglöchern. Dieser Abschnitt empfinden wir als ausserordentlich gefährlich. Die Hochlandbewohner begegnen dem Tourismus mit Abneigung, Kinder werfen mit Steinen nach Fahrräder, die Erwachsenen “empfangen” uns mit lautstarken Schimpfwörtern und Fahrzeuge bedrängten uns mit waghalsigen Ueberholmanoevern.

 

Bikerinfo zur Strecke Macara - Kasani

- Aktiv (26 Fahrtage) 2012 Kilometer
- Transfer (Bus, PW) 1070 Kilometer
- Total Höhenmeter 14'270 Hm
- Durchschnittsgeschwindigkeit 15,7 km/h
- Fahrzeit in Bewegung 128 Stunden

 

Reisebericht Bolivien

09. Mai - 13. Juni 2009

Kasani nach Potosi

Cobacabana
Bereits haben wir in Kasani die Grenze Peru/Bolivien überschritten. Die Formalitäten waren schnell erledigt, jedoch erhielten wir nur 30 Tage Aufenthaltsgenehmigung im Gastland Bolivien. Der Verkehr hat sich stark auf wenige Fahrzeuge unbestimmter Herkunft und Jahrgang reduziert. Noch 10 Kilometer zum bolivianischen Copacabana (nicht zu verwechseln mit der Stadt in Brasilien) liegen vor uns.

Das touristisch orientierte Copacabana liegt auf 3800 M.ü.M. und zählt 20'000 Einwohner. Einst war diese Stadt ein bedeutendes Kulturzentrum und heute mit der Isla del Sol ein reizvoller Touristen- und Wallfahrtsort. Die grösste Attraktion ist ein Bootsausflug zur Isla del Sol oder der Isla del Luna im Titicacasee. Mit einem schwerfälligen Holzboot und 30 weiteren Gästen erreichen wir nach 3 Stunden (!) die 20 Kilometer entfernte Sonneninsel. Angeblich soll diese Insel das Ursprungsland der Inkakultur sein und somit gibt es auch hier einzelne Terrassenhänge und Ruinen. Die Inselwanderung entlang des Hochgrates von 3 Stunden bis zum Bootsanleger bietet uns nochmals einen eindrucksvollen Ausblick auf den Titicacasee.

Die Weiterfahrt in Richtung La Paz führt über eine Panoramastrasse 4'300 M.ü.M., mit immer wieder sensationellem Weitblick in die über 6'000 hohen und schneebedeckten Berge. Diese Strecke gehört zu den landschaftlich schönsten der Anden. Eine Engstelle in Tiquina von 800 Meter muss mit Fähre überbrückt werden. Zwischen San Pedro de Tiquina und San Pablo de Tiquina verkehren Holzfähren mit unterdimensionierten Aussenbordmotoren. Wir haben das “Glück” mit einem Reisecar in Schräglage übergesetzt zu werden. Die abenteuerliche Fahrt kostete uns 10 Bolivar (CHF 1.50).

Die verbleibenden 110 Kilometer und einer Passhöhe von 4'250 Meter bis nach La Paz eröffnet uns immer wieder den eindrucksvollen Ausblick auf die Königskordilieren. Unterwegs treffen wir bei Huatajata auf den höchstgelegen Jachtclub der Welt und viele Restaurants die “Trucha” (Forellen) in allen Variationen anbieten. Auffallend ist die örtliche “Baukunst” welche möglicherweise aus der Hand des einzigen Dorf-Architekten stammen könnte.

Über ein ausgedehntes Altiplano (40 km) geht es schnurgerade Richtung La Paz. Die ersten Anzeichen der quirligen Hauptstadt Boliviens erkennen wir beim Durchfahren der 8 Kilometer langen, ärmlichen Oberstadt “El Alto”. Dort befindet sich auch der Flughafen, welcher mit 4082 M.ü.M. zu den welthöchsten zählt.

La Paz
Ein wirres Durcheinander von Kleinbussen, Schubkarren und hastigen Fussgänger müssen wir queren, bevor die Häuser von La Paz zu erkennen sind. Über die 12 Kilometer lange Stadtautobahn, die sich wie ein Wurm in den Talkessel windet, finden wir den Weg in das Zentrum der Millionenmetropole. Wie in den meisten Grossstädten Südamerikas wird die Suche unserer Unterkunft im Abendverkehr zur nervenaufreibenden Geduldsprobe.

Ein Städtebummel am nächsten Tag zeigt uns das Bild einer hektischen, lauten und indogen-geprägten Businessstadt. Auffallend wenig Tourismus, viele Fastfood-Ecken entlang der Hauptstrasse, und immer wieder steile Nebenstrassen und Treppen die in nächst höher gelegene Parallelen führen.

Wir durchstreifen:

  • Die “Zaubergasse” wo Kräuter gegen: böse Geister, Krankheiten, für Glückseligkeit und ein langes Leben, angeboten werden.
  • Den Markt, wo es von Textilien, Wurst- und Fleischwaren, Gemüse, bis hin zu Diebesgut alles zu kaufen gibt.
  • Die schönste autofreie und kopfsteingepflasterte Gasse von La Paz , die Calle Jän, mit ihren alten Häuserfassaden aus dem 18. Jahrhundert.
  • Die “Plaza Murillo”, hier wurde 1810 der Freiheitskämpfer Murillo von den Royalisten gehängt, das Parlamentsgebäude, und den durch die Palastgarde “schwer bewachten” Präsidentenpalast.

Gehandelt wird fast alles was das Herz begehrt. Es herrscht ein Schubsen und Stossen, man trifft auf sich zankende Hunde und zum platzen überfüllte Busse die sich hupend durch die Strassen drängen.

Carretera de la muerte
Unser Interesse jedoch gilt der “Carretera de la muerte”. Ein Erlebniss der besonderen Art! Die gefährlichste Strasse der Welt, auch “death road” genannt werden wir mit Downhill-Bikes befahren. Das Unternehmen “Madness” bietet die Tour für maximal sieben Fahrer mit einem professionellen Führer an. Früh morgens um 07.00 Uhr werden die Teilnehmer mit Integralhelm, Leuchtstreifenweste, Handschuhe, Skibrille, Nylonhose und einem vollgefederten Rocky-Mountain-Downhill-Bike ausgerüstet. Alle Räder aufs Dach gestellt, befördert uns ein Begleitfahrzeug zur Passhöhe “ La Cumbre (4655 M.ü.M.) der Cordillera Real, wo gestartet wird.

Über 64 Kilometer Distanz geht es 3345 Höhenmeter talwärts nach Yolosa, welches auf 1295 M.ü.M. liegt. Dieser spektakuläre Downhill führt uns durch Nebelbänke, Wasserfälle, subtropischen Dschungel und entlang von steil abfallenden Felswänden. Die ungesicherte Schotterpiste von 4 - 6 Meter breite wird ausnahmsweise berg- und talwärts auf der linken Strassenseite befahren. Während dieser 4-stündigen Fahrt werden wir aus dem Begleitfahrzeug mit Zwischenmahlzeiten und Getränken versorgt. Vor dem Rücktransport nach La Paz gibt es eine Duschmöglichkeit, Swimmingpool, ein Buffet-Lunch und als Zertifikat ein Madness-T-Shirt. Nach dieser perfekt organisierten und mit grösstmöglicher Sicherheit geführten Tour erreichen wir um 19.00 Uhr das Hotel.

Ein Erlebnis, das wir unter dem Link www.madness-bolivia.com bestens empfehlen können.

Streckeninfo: La Paz – Uyuni – Potosí
Von La Paz über Oruro bis Huari wäre die asphaltierte Strecke von 350 Kilometer ohne grosse Anstrengungen zu bewältigen. Die Strassenverhältnisse ab Huari sind jedoch katastrophal. Der verbleibende 180 Kilometer lange Abschnitt, in einer äusserst schlecht erschlossenen Gegend, führt durch eine weitreichende Wüste. Ein Sandkasten so weit das Auge reicht! Die Fahrspuren sind teilweise mit feinem Sandstaub gefüllt. Wo dies nicht der Fall sein sollte, sorgt der Wellblechuntergrund für Abwechslung wie im Schüttelbecher. Die Strasse quert mehrfach ausgetrocknete und wasserführende Furten die auch Motorfahrzeuge zum Schritttempo zwingen. Auch die Topografie hat sich geändert. Steiles Gefälle und ebenso starke Anstiege erschweren das Vorankommen zusätzlich.

Um es gleich vorabzunehmen, auch von Uyuni nach Potosi herrschen zur Zeit die gleichen miserablen Bedingungen. Mit wenigen Ausnahmen windet sich die 210 Kilometer lange sandige Piste durch eine “unwirtliche” Gegend, wobei sich noch 2 Pässe (4200 M.ü.M) dazugesellen. Schlechte Versorgungsmöglichkeiten und entsprechend schwierig wird die damit verbundende Wasserversorgung! Auf der ganzen Strecke wird zur Zeit mit schweren Baumaschinen die Strasse verbreitert. Vereinzelt felsige Hindernisse müssen weggesprengt und aufwändig abtransportiert werden. Bis Ende 2010 soll die Strecke Uyuni – Potosi asphaltiert sein.

Aufgrund der äusserst schlechten Strassenverhältnisse entscheiden wir uns die 2 Teilstrecken im ”bequemen” Reisecar zu bewältigen. Von La Paz – Uyuni besteigen wir um 22.00 Uhr den “First-Class-Car” um morgens um 08.00 Uhr Uyuni zu erreichen. Eine warmgereichte Mahlzeit, den Film “Indiana Jones” zu Ende gesehen, beginnt auch schon die Rappelpiste. Die Fahrgäste werden aufgefordert sämtliche empfindlichen Geräte unter die Sitze zu verlagern. Kissen gegen das “durchschütteln” und Decken gegen die Kälte (bis -10 Grad möglich) werden verteilt. Auch der bequeme Liegesessel kann uns nicht in den Schlaf wiegen. Die Nacht wird zur 10-stündigen Tortur durch lichterloses Wüstengebiet bis Uyuni.

Salar de Uyuni und Lagunenroute
In Uyuni angekommen, begeben wir uns sogleich in eines der vielen “Tour-Office”, um eine 3-tägige Classic-Rundeise mit 4x4 Jeep zu buchen. Angeboten werden organisierte und durch den Fahrer geführte Ausflüge rund um Uyuni. Im Preis von 140 USD pro Person sind Toyota 4WD-Jeep, Verpflegung, einfache Unterkünfte und (in unserem Fall) die hervorragende Führung des Fahrers inbegriffen. Alles ist bereits auf das Dach des Jeeps geladen und mit einer Plane (Staubschutz) zugedeckt und festgezurrt. Wir, 4 weitere Gäste und der Fahrer, brechen um 10.30 Uhr zum 800 Kilometer Abenteuer auf.

Unsere Erlebnisse möchten wir mehr mit Fotos als mit Text dokumentieren. Nachfolgend versuchen wir dennoch mittels Stichworten die einzigartigen Naturbilder weiterzuvermitteln.

1. Tag
Cementario de trenes (Zugfriedhof)

Tafelsalzgewinnung in Colchani (Häuser aus Salzblocks)

Salar de Uyuni mit 2000 km2 grösster Salzsee der Welt. Salzdecke bis 28m dick. 60% des Salzweltbedarfs. Mineralsalz wurde während mehr als 1000 Jahren aus dem umliegenden Bergen herausgespült. Während Regenzeit von November – April unpassierbar.

Einzigartiges Salzhotel, geschlafen wird auf Lamafellen

Incahuasi (Isla Pescado). 100 Kilometer von Uyuni entfernt. Bis 1200 Jahre alte Kaktusse welche 8 – 12 Meter hoch werden.

Nachtessen und Übernachtung in San Juan, 400 Einwohner und 2 Fussballplätze. Einfache Unterkunft (keine Heizung jedoch mit Warmwasserdusche).

2. Tag
Aktiver und gefährlicher Volcano Ollaguee (5980 M.ü.M.). Schwere Erdbeben auf chilenischer Seite.

4 kleine Lagunen und wilde Vicunas (domestizierte tragen Bändel in den Ohren)

Siloliwüste mit den Arbol de Piedra (Steinbäumen). Schneedecke im Juni bis 10cm möglich. Sand und Staub überall auch im Jeep.

Laguna Canapa mit Mineralien angereichert und noch teilweise bedeckt mit einer Eisdecke von der Nacht.

Laguna Colorado (4274 M.ü.M.) 60 qkm grosser See, mit Farbwechsel je nach Wind und Sonneneinstrahlung. Lagune besteht aus Süsswasser, Mineralien, Algen und weissen Boraxinseln. 3 verschiedene Arten von Flamingos brüten hier. Das Thermometer fällt in der Nacht bis auf – 20 Grad.

Nachtessen und Übernachtung im einfachen Mehrbettzimmer

3. Tag
Aufstehen um 05.00 Uhr bei -20 Grad! Es ist schweinekalt (Heizung und Warmwasser gibt es hier nicht)

Sol de Manana, Geysirbecken auf 4850 M .u.M. und Termas de Chalviri mit 30 Grad warmen Wasser (Bademöglichkeit).

Frühstück um 08.00 Uhr, wieder an der Laguna Colorado.

Salvador Dali Wüste, ausgeworfene Vulkansteine nach einem Vulkanausbruch. Surrealistisch!

Laguna Verde am Fusse des Vulkans Lincancabur und Juriquez, 17 qkm gross und 4850 M .u.M. mit hohem Blei-, Kalzium- und Schwefelgehalt. Kein Leben möglich.

Salar de Chiguana (Boraxabbau)

Laguna Blanca (weisse Lagune)

Chilenische Grenze (Kollege wird abgesetzt und fährt mit Bus nach San Pedro de Atacama)

Aktiver Vulkan Uturunco ( 6010 M .u.M.). Strasse bis auf 4000 Meter , Wanderung zum Kratersee auf 6000 Meter möglich.

Mittagessen im Jeep mitgeführt und vom Fahrer vor Ort zubereitet.

Tanzende Felsen

Von weitem die 5-grösste Silbermine der Welt, San Cristobal, ersichtlich.

 

Hervorragend geführt und ohne Pannen endete die Tour um 19.00 Uhr vor unserer Unterkunft, Hostal Tonito. Die Naturvielfalt im südwestlichen Bolivien hat uns begeistert. Ein Erlebnis, wie wir es uns so in Südamerika nicht vorstellen konnten.

 

Bemerkung:
Die Unterkünfte sind sehr “Basic” und von Einheimischen geführt. Strom und Licht vom Generator gibt es erst nach Dämmerung. Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsbad. Nachtessen und Frühstück entsprechend dem Touroperateur und was dem Fahrer mitgegeben wird. Und…. sobald die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwinden, wird es bitterkalt. Auch in den Unterkünften erreicht das Thermometer wegen einfach Verglasung und Ritzen empfindliche -20 Grad. Ein guter Schlafsack ist unermesslich. Und….. nicht zu vergessen, man befindet sich immer zwischen 4000 – 5000 Meter über Meer, so dass die Atmung bei kleinster Anstrengung schwerfällig werden kann (mangelnde Anklimatisierung). Im Fahrzeug kann es ziemlich staubig werden. Mit ca. 20 Autofahrstunden muss für 800 Kilometer gerechnet werden und man benötigt gutes Sitzleder.

Weitere Infos zur Tour unter: www.bolivianexpeditions.com

Potosi
Aufgrund der miserablen Strassenverbindung nach Potosi (bereits oben beschrieben) entschliessen wir uns zu einem weiteren “Transfer”. Im vollbesetzten 48-plätzigen Regionalbus verlassen wir die unasphaltierten und staubigen Strassen von Uyuni.

Diese Tagesreise über 200 Kilometer sollte nur 6 Stunden (!) dauern. Schon kurze Zeit nach der Abfahrt um 10.00 Uhr gibt es einen ungeplanten Stop. Reifenpanne! Druckverlust eines Hinterrades. Keine Aufregung, die Passagiere bestaunen die Reparatur der 2 “Mechaniker” welche als Begleitung des Chauffeurs mitfahren. Bei der allgemeinen Reifenkontrolle stellt man fest, dass sich an einem Vorderrad das Profil ablöst und das Ventil undicht erscheint. Somit wird ein 2. Radwechsel ausgeführt. Nach einer Stunde kann die Fahrt fortgesetzt werden, zu unserem Erstaunen ohne Halt (5 Stunden), so dass die verlorene Zeit kompensiert werden kann. Es bleibt nun der Fantasie überlassen, wie sich ein Toilettengang im fahrenden Bus erledigen lässt. Um 18.00 Uhr erreichen wir, man wusste schon nicht mehr auf welcher “Backe” man sitzen soll, die 170'000 Einwohner zählende Stadt Potosi.

Mit 4067 M.ü.M. ist diese Grossstadt die höchstgelegene der Welt. Aufgrund des Mineralienabbaus (Untertageminen) war Potosi im 16. Jahrhundert die reichste Stadt der Welt und grösser und bedeutender wie Madrid, Paris oder Rom und einst die Schatzkammer Amerikas. Aus dem Berg “Cerro Rico” wurden bis heute annähernd 50'000 Tonnen Silber herausgeholt. Inzwischen sind die Adern ausgebeutet und es wird vorwiegend nur noch Zinn und Zink abgebaut. Die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen (Höhenlage, Quecksilbervergiftung, Staublunge, usw.) hatten bis zum 18. Jahrhundert 8 Millionen Tote gefordert! Aktuell liegt der Mineralien-Welthandelswert auf einem tiefstwert und an der Situation hat sich bis heute kaum etwas geändert.

Unvorstellbar, dass es eine solche Ausbeutung an menschlicher Arbeitskraft heute noch gibt. Um 1 Kilogramm Erz zu gewinnen müssen erst viele Tonnen Stein gefördert werden. Gemäss Information werden die Potosi-Erze exportiert und nicht wie einst 1850 zu Silberbarren verarbeitet. Vom ehemaligen Reichtum der Stadt sind nur noch 36 (zum Teil verfallene) Kirchen übrig geblieben. Das historische Zentrum wurde von der UNESCO zum weltkulturerbe erklärt. Die Silbergewinnung verlieh dieser Stadt ehemals grosse Bedeutung durch die Herstellung und Prägung von Münzen und Medaillen. Der Besuch des Museums “Casa Real de la Moneda ” vermittelt einen interessanten Einblick in die Kunst der Münzherstellung.

Der Besuch einer Mine wird von vielen Agenturen als geführte Tour angeboten (10 USD). Diese Attraktion gilt als Höhepunkt eines Potosi-Aufenthaltes. Als 2-Personengruppe mit Führung in englischer Sprache werden wir zum Überkleider, Stiefel, Helm und Stirnlampen fassen abgeholt. In Bergwerkskleidung kaufen wir beim “Calvario miners Market” Geschenke, die wir unterwegs auf dem Gelände an die Arbeiter verteilen werden. Für 35 Bolivar (5 USD) gibt es einen Sack Coca-Blätter, 2 dl Zuckerrohr-Alkohol 96%, Zigaretten, Mineralwasser, Bananenkonzentrat und Dynamit auf den Weg. Ein Kleinbus bringt uns zu einem Aussichtspunkt mit Blick über die Stadt und das Minengelände. Es folgt eine Dynamit-Nitroglycerin-Sprengung mit Zündschnur, demonstriert von einer Tourführerin.

Auf dem Weg zum Mineneingang treffen wir Frauen die von Hand Gesteinsbrocken zertrümmern und nach Qualität verlesen. Eine 79-jährige Frau (Foto) arbeitet 16 Stunden die Woche und erhält je nach Ausbeute 500 Bolivar (70 USD) pro Monat und von uns eine Handvoll Cocablätter.

Eine “miners”-Frau, sie ist meistens bereits Witwe, bearbeitet und separiert 7 Tonnen Gestein in 3 Monaten. Alle sind “gefangen” von der Familientradition als Mineure arbeiten zu müssen. Über Generationen werden Minenstollen weiter gereicht. Um Potosi bestehen noch 180 aktive Minen die zur Zeit von 5000, vor 3 Jahren waren es noch 8000, Mineuren ausgebeutet werden. Wegen des heute schlechten Mineralanteils ist der Familienertrag entsprechend schlecht. 12-jährige Kinder werden zur Arbeit ausserhalb der Minen herangezogen, gehen Nachts zur Schule, und erhalten 30 Bolivar pro Tag. Mit 14-15 Jahre beginnt die harte Arbeit im Stollen als Hilfsarbeiter zu 50 Bolivar-Tageslohn. Die Beförderung zum Maschinist, sofern in diesem Stollen notwendig bringt doch schon 140 Bolivar pro Tag. Als Minenbesitzer (bezahlt eine Miete an den Staat) arbeitet der Mineur an der gefährlichen Front und verdient je nach Erzqualität 200 - 300 Bolivar pro Tag.

Die Lebenserwartung eines Mineurs beträgt 40 – 50 Jahren. Die Todesursache liegt meistens am Asbest- oder Staublunge, Kollaps durch übermässigen Alkohol- und Tablettenkonsum oder am beschleunigten Alterungsprozesses. Die Arbeitsbedingungen sind extreme hart. Alle Arbeiter, Frauen und Männer, kauen ununterbrochen Cocablätter die sie aus ihrem Depot in den Backen holen. Cocablätter unterdrücken den Hunger und verdrängen Erschöpfung und Schmerzen. Damit eine Mine rentabel wird, muss pro Tag 1 Tonne von Hand oder 20 Tonnen mit Maschinenunterstützung gefördert werden. Die Rentabilität ist abhängig von der Qualität des Mineralgehaltes. Ein Arbeitstag dauert 8 Stunden, ohne Essen und Pausen. Je nach Beschäftigung besteht die Arbeit aus 1-Tonne schwere Karren schieben, mit Hammer und Meisel Sprenglöcher in das Gestein treiben, Gesteinsbrocken umlagern und sortieren, und…. den ganzen Tag Cocablätter kauen.

Inzwischen haben wir unsere Geschenke verteilt, die Mine verlassen, und uns mit einem “Gracias por visitation” verabschiedet. Die Gesichtsausdrücke dieser Arbeiter werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

 

Potosi nach Puerto Suarez

Erfreut über die vollständig asphaltierte Hauptstrasse sind wir unterwegs von Potosi nach Sucre. Die Strasse führt durch ein fruchtbares Tal und es wird mit jedem Kilometer merklich wärmer. Wie bereits gewohnt, liegen einige Hügel dazwischen. Die ersten 35 Kilometer nach Potosi werden uns durch eine schnelle Talfahrt geschenkt. Jedoch sind auf der ganzen Strecke von 160 Kilometer insgesammt 2000 Höhenmeter zu überwinden, die nicht zu unterschätzen sind. Insbesondere das letzte Stück setzt uns zu. Man denkt, ja dort vorne liegt unser Zielort, aber nein, es gibt noch eine letzte kräftige Steigung bis Sucre.

Sucre, die Hauptstadt Bolivien ohne Regierungssitz (dieser befindet sich in La Paz), wirkt sehr gepflegt und wir fühlen uns sofort wohl. Sucre (knapp 300'000 Einwohner) feiert dieses Jahr den 200-jährigen Geburtstag und das 50-jährige bestehen des Autorennens. Ja! Ein alljährliches Rennen wie in Monaco, wo die Rennstrecke mitten durch die Gassen der Altstadt führt. Keine einmündende Strasse wird gesperrt, keine Abschrankungen, die Zuschauer verfolgen das Geschehen vom Gehsteig aus. Wenn sich ein “Bolide” mit bis 170 Km/h nähert, trillert die Polizei mit der Pfeiffe, so dass sich die Leute von der Strasse weg begeben. Die gefährlichsten Kurven um die “Plaza 25 de Mayo” sind mit von Frauen abgefüllten Sandsacken entschärft. Zu unserem Erstaunen gibt es ein paar “Krüppelkisten” welche die Ecken nicht schaffen und geradeaus in die Sandsäcke donnern. Unglaublich gefährlich! Dies gibts bestimmt nur hier in Bolivien, jedoch habe es noch nie einen nennenswerten Unfall gegeben. Die Rennwagen erscheinen uns mehrheitlich aus überzähligen Autörsatzteilen zusammengebastelt und ohne Schalldämpfer auf die Strecke geschickt.

Wegen des Renngeschehens sind alle umliegenden Strassen gesperrt, so dass wir den bekannten Sonntagsmarkt von Tarabuco nicht besuchen konnten. Dieser Markt, 65 Kilometer von Sucre entfernt, soll einer der schönsten von Bolivien sein. Die Stadt Sucre erhielt den Namen nach dem “General Jose de Sucre” der 1809 den Unabhängigkeitskampf hier begann, deshalb das 200-jährige Jubiläum. 1992 wurde Sucre von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Zahnschmerzen von Alexandre zwingen uns zu einem merhtägigen Aufenthalt. Der in Cusco bereits fehlerhaft behandelte Zahn macht erneut grosse Probleme, so dass eine Krone angefertigt werden musste. Mit Erfolg wie sich zeigt! Die Zeit zwischen “Dentista” und Städtebummel verbringen wir im “Hostal de Su Merced” www.desumerced.com eine sehr empfehlenswerte Adresse. Ein Hotel inmitten der Stadt, ruhig gelegen, freundliches Ambiente und ein gepflegtes Frühstücksbuffet. Von der Besitzerin erhalten wir eine Einladung zum Espectaculo Origen. Eine 2-stündige Darbietung von bolivianischen indigenen Tänzen und traditionellen Trachten. Erst waren wir etwas skeptisch, betreffend solcher Shows. Etwas ähnliches, nicht sehr einfallsreiches, hatten wir bereits in Cusco gesehen. Diese Attraktion hier in Sucre hat uns jedoch sehr gefallen. Über www.origenesbolivianos.com finden sich weitere Details zu dieser farbenfrohen Darbietung.

Das Gebiss wieder in Stand gestellt, verlassen wir Sucre in Richtung Santa Cruz. Ein hartes Wegstück von 600 Kilometer liegt vor uns. Bolivien wie es sich für Radler von der extremsten Seite zeigt. Nach Sucre erst 300 Höhenmeter kräftig bergauf, gefolgt von unzähligen Kehren talwärts bis ca. 2000 M.ü.M.. Bei Puente Arce, 97 Kilometer hinter Sucre, hört der Spass auf! Aus feinstem Asphalt wird eine steinige und staubige Bergstrecke. Die verbleibenden 67 Kilometer bis Aiquile sind kräftezehrend! Teilweise schieben wir unsere schmalen Reifen (für den Asphalt hervorragend geeignet) durch Sand und Staub. Die Strecke führt durch ödes und trockenes Gebirge, mit teilweise kräftigen Steigungen und Kehren. Vorsorglicherweise haben wir im letzten Dorf nach Puente Arce noch unsere 5 Bidons und die 2 Wassersäcke (20 Liter) mit Wasser gefüllt, so dass uns ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung steht. In Aiquile, ein eher unwirtlicher Ort, wo sich die Nord -Süd mit der Ost-West Achse kreuzt, finden wir eine Unterkunft mit Dusche. Eine Dusche “caliente” versteht sich als, durch einen Durchlauferhitzer-Brausekopf gedrücktes Kaltwasser. Mit viel Fingerspitzengefühl findet man die richtige Durchlaufmenge, so dass sich ein Gefühl von Warmwasser einstellt. Mit den elektrischen Installationen nimmt man es hier nicht so genau. Falls der Erdungsdraht nicht fachgerecht angeschlossen ist, gesellt sich zum Caliente-Duschen noch ein Kribbelgefühl ein.

Bis Santa Cruz verbleiben noch 450 Kilometer. Die Informationen von Ortskundigen über den Strassenzustand unterscheiden sich von “todo plano” (alles flach) und “todo asphalto” (alles aspahltiert) bis “Empiedrada” (steingepflastert). Besser man gibt eine falsche Auskunft als keine, heisst die gutgemeinte Devise. Deshalb sind Streckenbeschreibungen vielfach für uns unbrauchbar. Bei Empiedradastrassen handelt es sich um unbearbeitete Feldsteine, die mit Zement zusammengefügt einen Belag ergeben. Solche Fernstrasen sind für Fahrräder, Radler und Gepäcktaschen etwas vom Übelsten! Die Vibrationen spüren wir durch das Klappern im Ober- und Unterkiefer, so dass Geschwindigkeiten von mehr als 5 km/h nicht denkbar sind.

Angeblich soll die ganze Etappe ab Aiquile bis Epizano (90 Kilometer) auf diese Art gepflastert sein. Aus diesem Grund verlassen wir nach 8 Kilometer das “Empiedra-Erlebnis” und wollen quer über das Gebirge zur Hochlandstrasse (bei San Isidro) fahren um von dort weiter nach Santa Cruz zu gelangen. Die Hochlandroute Cochabamba – Santa Cruz gilt allgemein als abwechslungsreicher, als die neuerstellte, weniger spektakuläre Tieflandroute welche über den 3660 M.u.M. hohen Sacaba-Pass führt. Vorerst noch begeistert über die Abkürzungsvariante vergeht uns schnell die Lust unsere Räder erneut durch den Sand und Staub zu schieben. Umkehren auf die Empiedraroute wollen wir nicht. Am staubigen Strassenrand warten wir auf eine Mitfahrgelegenheit die unseren “Anforderungen” gerecht wird.

Eigentlich wird die Strecke Aiquile nach San Isidro nur von sehr wenigen Fahrzeugen genutzt, jedoch... wie bestellt, ein kräftiger LKW nähert sich uns. Die Mitfahrgelegenheit ist schnell erkannt, den es ragen bereits einige Hüte der Indigenas über die Seitenwände des Aufliegers. Alles aufladen! Super, das 70 Boliviano-Ticket (10 USD) für über 400 Kilometer nach Santa Cruz ist gelöst. Wir richten uns gemütlich auf ca. 400 Zementsäcken ein und unterhalten uns mit den anderen, welche für unser Zubehör wenig Verständnis empfinden. Sie alle führen Zwiebel-, Kartoffel- oder Gemüse-Säcke mit sich, die sie am Markt in Sucre gekauft haben. Die Fernfahrer ermöglichen sich mit solchen Individual-Transporten einen willkommenen Zusatzverdienst. Durch “Halt-auf-Verlangen” wird unterwegs zu- oder abgesprungen. Auch Säuglinge, Kinder und Betagte, jeder kann von dieser günstigen Fahrgelegenheit profitieren. Die Männer stehen stramm an den Seitenwänden, die Frauen liegen in Wolldecken und schlafen oder stillen ihre Säuglinge, die Kinder vergnügen sich auf der Laderampe.

Die schwere Last und die breiten Reifen des 5-achsigen Gefährts verdrängen den mehrere Zentimeter dicken Feinsand aus den Fahrspuren. Wir staunen über die karge, gebirgige und trockene Umgebung und sind erleichtert diese Fortbewegungsart gewählt zu haben. Durch das Ab- und Zusteigen der Mitfahrer ergibt sich immer wieder eine Gelegenheit zum Beine vertreten, Toilettengang hinter einem Busch oder Kioskbesuch am Strassenrand. Inzwischen haben wir bereits 12 Stunden auf der Laderampe verbracht und erreichen um 22 Uhr Matarai. Wegen des einsetzenden Regens wird die empfindliche Ladung (Zementsäcke und Mitfahrer) mittels einer Plane überdeckt und geschützt. Der Fahrer verabschiedet sich und verschwindet für die nächsten 7 Stunden in seiner Kabinenkoje. Für uns eine ungewohnte Situation. Keiner kann rein, keiner kann raus. Für die Einheimischen kein Problem, sie liegen schnarchend in ihren mitgebrachten Decken. Auf unseren “Therm-a-Rest” Matten und mit einer staubigen Lastwagenplane zugedeckt, versuchen wir die Kälte zu verdrängen.

5 Uhr! Motorenlärm, Dieselgeruch und quietschende Räder, unsere Fahrt wird fortgesetzt. Die restlichen Kekse und eine Flasche Coca-Cola beruhigen vorerst unseren knurrenden Magen. Niederschläge während der ganzen Nacht haben den Staub und Feinsand der Strasse zu einer klebrigen Masse gebunden. Während den verbleibenden 6 Stunden müssen, wir ohne Sicht auf's Geschehen, auf Zementsäcken verharren und erreichen nach insgesamt 28 Stunden die Aglomeration von Santa Cruz.

Santa Cruz (2'100'000 Einwohner) liegt auf 420 M.ü.M. im Tiefland von Bolivien. Ein tropisches Klima lässt die Vegetation bis in das Stadtinnere gedeihen. Während der Winterzeit (Trockenzeit) vom Mai bis August wird es Nachts ziemlich kühl, es bleibt jedoch frostfrei. Mit der Erstellung der Verbindungsstrasse nach Cochabamba erhielt Santa Cruz zunehmend an Bedeutung und ist heute nach La Paz die wichtigste Stadt Boliviens. Soja- und Maisanbau sowie Rinderzucht werden intensiv betrieben und lassen Santa Cruz zur Wirtschaftshauptstadt Boliviens werden. Santa Cruz hat auch den Ruf, die Drehscheibe des Kokainhandels zu sein und wird deshalb auch Drogenhauptstadt des Landes genannt. Für uns hatte diese Grossstadt nichts ausserordentliches geboten. Das Stadtbild und die Aglomerationen sind vielfach von Unrat geprägt und die Häuser erscheinen uns ungepflegt. Somit fällt es uns leicht, nach 2 Tagen Aufenthalt, bald an die Grenze von Paraguay zu gelangen.

Schon bei der Reiseplanung wurde uns bewusst, dass es mit Fahrrad einfacher sein wird aus Peru nach Bolivien einzureisen, als dieses Land Richtung Paraguay zu verlassen. Die “Ruta Trans-Chaco” (Paraguay) führt von Sucre über Boyuibe (Grenzabfertigung) nach Mariscal Estigarribia. Die Strasse ist unasphaltiert und sehr schlammig. Inzwischen sollte davon der Abschnitt von Espinola nach Mariscal Estigarribia (100 Kilometer) fertig gestellt sein. Die 530 Kilometer nach Asuncion sind asphaltiert. Die langen Sandstrecken sind schwierig und es gibt kaum Orte für Verpflegungs- und Wassernachschub. Nach unseren Kenntnissen bleibt nur noch die Variante mittels einer Schiffspassage auf dem Rio Paraguay nach Asuncion zu gelangen.

Die Strecke von Santa Cruz bis Puerto Suarez (660 Kilometer) sollte inzwischen asphaltiert sein. Die Umgebung besteht aus Wildnis pur, endlosem Staub und Sand, und die Versorgungsmöglichkeiten sind gering. Wir nutzen die Gelegenheit mit dem “Express Oriental” von Santa Cruz nach Puerto Suarez (Grenze Brasilien) zu fahren. Für diese abenteuerliche Nachtfahrt bezahlen wir 15 USD pro Person, 2 Fahrradzuschläge von 4 USD und ein extra Trinkgeld von 4 USD für bevorzugtes behandeln der Ausrüstung. Abfahrt 16.00 Uhr, Ankunft am nächsten Morgen um 08.00 Uhr. Wir freuen uns auf die bequemen Liegesessel, den Verpflegungsservice und die Kinofilme zur Verkürzung der 14-stündigen Bahnfahrt.

Die Zugskomposition, von einer Diesel-Lokomotive gezogen, verlässt langsam den sicheren Bahnhof. Schon bald erkennen wir, dass eine Geleise- und Trasse-Revision nötig währe. Die einzelnen Wagen schwanken und die Spalten zwischen den Schienen sind nicht zu überhören. Befinden wir uns auf einer Achterbahn? Man gewöhnt sich schnell an die neue Umgebung, die 2 Filme sind abgespult, es wird auf Dämmerlicht umgeschaltet, der Zug knattert schwankend weiter durch die Nacht. Die Heizung der Klimaanlage ist ausgefallen und es wird mit zunehmender Fahrzeit immer kühler in unserem Abteil. Einmal mehr fehlen uns die notwendigen Wolldecken. Die Einheimischen sind sich solche Ausfälle gewohnt und haben vorsorglicherweise ihre Kissen und Decken mitgebracht. Not macht erfinderisch, so bedienen wir uns der Sitzbezüge von unbenutzen Sessel und nutzen diese als “Schlafsäcke”. Pünktlich in Puerto Suarez angekommen, können wir unser ganzes Gepäck und die Fahrräder unversehrt entgegen nehmen. Das Trinkgeld hat sich gelohnt!

Wir entscheiden uns für die Variante 2 (Schiffspassage) und verbringen den restlichen Tag um die notwendigen Grenzformalitäten nach Paraguay zu erledigen. Mit Taxi fahren wir bis zur 11 Kilometer entfernten bolivianischen Grenze und lassen uns den Ausreisestempel für den nächstfolgenden Tag eintragen. Ein brasilianischer Fahrer bringt uns zum 7 Kilometer entfernten Busterminal in Corumba wo wir den Einreisestempel für Brasilien erhalten. Klingt alles sehr umständlich und kompliziert, ist aber notwendig, wenn wir die “grüne Grenze” nach Paraguay überqueren wollen.

Alles kommt anders als man plant! Beim verlassen des Terminals ist uns eine aufgeklebte Brasilianische Landkarte aufgefallen. Beim verfolgen des Flusslaufes Rio Paraguay, er bildet den Grenzverlauf zu Bolivien, Brasilien und Paraguay, erkennen wir ein Porto Esperanca (Brasilien) und ein Puerto Esperanza (Paraguay). Sehr verwirrend! Da alle Leute bestätigten, dass der genannte Ort in Brasilien liege, haben wir uns spontan entschlossen Porto Esperanca in Brasilien anzufahren.

Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Mehr dazu im nächsten Reisebericht aus Paraguay.

 

Nach 670 Kilometer verlassen wir Bolivien mit folgenden Erinnerungen:

Viel gesehen, viel erlebt und wenig gefahren

Übersetzen auf Fähre mit Reisecar in Schräglage

Carretera de la muerte, spektakuläres Downhill von 4465 M.ü.M. - 1295 M.ü.M.

Zugfriedhof, Salar de Uyuni und Salzhotel, Fish-Island und die Kakteen

Laguna Colorado, Verde, Blanca und Canape

Alpacas, Vicunias, und Flamingos

Geysire, Termen, Steinbäume und tanzende Felsen

Sucre, die Hauptstadt nur durch Naturstrassen erschlossen

Strassenbedingungen für Radler grösstenteils ungeeignet

Empiedradastrassen, Belag mit unbearbeiteten Feldsteinen gepflastert

Potosi die höchstgelegene Stadt der Welt auf 4100 Meter

Minenarbeiter, Dynamit und Cocablätter

Nachtzugfahrt Santa Cruz – Puerto Suarez

Carfahrt La Paz – Uyuni – Potosi

28 Stunden auf Zementsäcken

Staub, Feinsand und ausgetrocknete Flussläufe

Wilde, karge Landschaft mit Savanne, Steppe und üppiger Vegetation

Tropisches, gemässigtes und subpolares Klima

Temperaturen von -20 bis +30 Grad

 

Bikerinfo zur Strecke

- Aktiv (11 Fahrtage) 550 Kilometer
- Transfer (Bus, PW, Zug) 1900 Kilometer
- Total Höhenmeter 5'200 Hm
- Durchschnittsgeschwindigkeit 18,3 km/h
- Fahrzeit in Bewegung 30 Stunden

 

Reisebericht Paraguay

13. - 24. Juni 2009

Von Puerto Suarez (Bolivien) über Corumba (Brasilien) erreichen wir nach 100 Kilometer Puente Morinho (Brasilien) und lassen uns mit einem Boot nach Porto Esperanca (Brasilien) bringen. In der Annahme dort unser Schiff nach Asuncion zu besteigen geniessen wir die Fahrt mit Flusstaxi auf dem Rio Paraguay. Die Flussgeschwindigkeit lässt sich durch die losgerissen “Seerosen” schnell feststellen. Teilweise bedecken diese treibenden Gewächse grossflächig den Wasserweg. Unser Bootsführer muss sich den Weg voraussichtig wählen um passierbare Lücken rechtzeitig durchfahren können. Ein Zwischenhalt beim Eisenbahnviadukt ermöglicht uns einen fantastischen Weitblick über den Rio Paraguay.

Nach 40 Minuten erreichen wir Porto Esperanca. Ein Schock! Wo befindet sich das Hafengelände? Es scheint, dass sich ausser uns und den Moskitos niemand hierher verirrt hat. Ja, ja, bestätigt uns der Bootsführer stolz, das ist Porto Esperanca in Brasilien. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt und es stellt sich die Frage wo wir die Nacht verbringen werden. Miguel erkennt unser Entsetzen und bringt uns zu seinem Freund, der am Flussufer wohnt. Einmal mehr freuen wir uns über die Südamerikanische Hilfsbereitschaft. Die ganze Familie hilft beim Ausladen und bringt unsere Taschen in ein kurzfristig bereitgestelltes 4-Bett-Zimmer. 2 Betten sind mit frischen Bettlacken überzogen und stehen für uns bereit. Die Matrazen der restlichen 2 Betten haben die Jungs ins andere Zimmer gebracht. In der Küche ist die Mama bereits am kochen, so dass unser Hunger auch bald ein Ende findet.

Selbst die beste Planung kann buchstäblich ”in's Wasser fallen”. Wir befinden uns am falschen Flussufer. Das von uns erwartete Schiff fährt ab Puerto Esperanza in Paraguay und dies liegt etwa 200 Kilometer weiter flussabwärts, und ist von hier nur auf dem Wasserweg erreichbar. Ausserdem gibt es nur einmal wöchentlich ein Auslaufen nach Asuncion, jeweils Freitags um 07.00 Uhr und somit erst in 5 Tagen. Der Gastgeber würde uns Morgens weiter Flussabwärts zum Hafen bringen. Eine 5-stündige Bootsfahrt, 140 Liter Benzin plus 100 USD würde uns der Spass kosten. Es gibt nur eine vernünftige Lösung! Zurück nach Puente Morinho, wo sich auch nur ein paar einsame Hütten, die Tankstelle und die Brücke befinden.

Wo es eine “Zapfsäule” gibt, da findet sich bestimmt auch ein LKW bis zum nächsten Busterminal. Die Mitfahrgelegenheit lässt nicht lange auf sich warten, und wir werden ins 160 Kilometer entfernte Miranda befördert. Portugiesisch verstehen wir nicht und sprechen ist erst recht nicht möglich. Zeichensprache und die Hilfe eines spanischsprechenden Einheimischen lassen uns bald im Reisecar 270 Kilometer weiter nach Campo Grande fahren. Im grossen Busterminal, hier treffen sich die meisten Linien von Brasilien, müssen wir umsteigen, um in's 1000 Kilometer entfernte Asuncion zu gelangen. Morgens um 06.00 Uhr nach 14 Stunden Nachtfahrt, die Dämmerung hat noch nicht eingesetzt, radeln wir zum 8 Kilometer entfernten Stadtzentrum.

Asuncion, die Hauptstadt von Paraguay mit 600'000 Einwohner, hat uns ausser den vielen gefährlichen Schlaglöcher mi Asphalt, nicht viel geboten. Beim Stadtrundgang ist uns das “Panteon de las Herös” mit den 2 Wachsoldaten aufgefallen. Dieser kuppelgekrönte Prachtbau wurde 1936 nach seiner Fertigstellung als Kriegsgräberstätte eingerichtet. Unübersehbar ist der Regierungspalast und die direkt vorgelagerten Slums. Die Elendsviertel erstrecken sich bis an das Flussufer des Rio Paraguay und werden von der Policia National überwacht. Extremer könnten die Gegensätze nicht sein! Die Regierenden geniessen einen sensationellen Ausblick, und die Randständigen können sich keine Fenster in ihren Bretterbuden leisten.

Verlassen und verkommen steht auch das alte Bahnhofsgebäude, welches 1856 eines der ersten des Südamerikanischen Kontinents war. Nur eine Strassenbreite entfernt, befindet sich die “Plazza Uruguaya”. Ein erschreckendes Bild von Elend, Unrat und Plastikfolien-Zelten. Es ist uns unverständlich, dass inmitten der Hauptstadt von Paraguay ein derartiger Elendsplatz “Uruguaya” genannt wird. Dieser Fussballfeld grosse Flecken beherbergt 50 – 100 Behausungen, deren Familien und eine handvoll WC-Häuschen. Auch dieses Elend wird rundum von der Polizei bewacht, aus Vorsicht dass sich kein Tourist hinein verirren kann. Zwei Tage in Asuncion haben uns gereicht, wir ziehen weiter ins 360 Kilometer östlich liegende Ciudad del Este.

Die “Ruta International” führt erst 2-spurig aus der Grossstadt, wird jedoch schon bald nur noch 1-spurig geführt. Alles, aber auch alles wird auf dieser Hauptverkehrsachse quer durchs Land bewegt. Das Verkehrsaufkommen ist enorm. Selbst auf der entgegenkommenden Strassenhälfte herrscht Gegenverkehr. Wo ein Pannenstreifen geführt wird, was auf fast der ganzen Autopista der Fall ist, sind “Sekunden-Schlaf-Schwellen” eingebaut. Diese quer zur Fahrrichtung gelegten Asphalterhöhungen sind für uns Radler derart Unangenehm, dass wir beim Überfahren erst einen Stop einlegen müssen. Somit befinden wir uns immer zwischen schnellem Verkehr, Asphalt-Schwelle oder entgegekommenden Fahrzeugen, die noch schnell vor ihr Haus drängeln wollen.

Auf der ganzen Strecke von Asuncion nach Ciudad del Este bestehen genügend Versorgungsmöglichkeiten, bei den angrenzenden Landwirtschaftsbetrieben “Estancias” ist auch meistens ein Platz fürs Zelt zu finden. Nach 4 Tagen, mehr Frust als Lust erreichen wir Ciudad del Este, die am schnellsten wachsende Stadt des Landes. Die “Puente de la Amistad” welche den Rio Parana überspannt und der Bau des Wasserkraftwerkes brachten den Stadt den Aufschwung. Inzwischen leben hier 300'000 Einwohner, in einer Schmuggelstadt wo sich alles kaufen und verkaufen lässt, was Geld bringt. Elektronikgeräte, Spirituosen, Parfüme, Kleidungsstücke und Kopien von Markenartikel werden zu Tiefstpreisen angeboten.

Am Wochenende erscheint die Stadt wie ausgestorben, ideal für uns zu den 40m hohen Wasserfällen am Parana-River zu radeln. Ciudad del Este liegt sehr zentral. Die Brasilianische Grenze, die Wasserfälle “Saltos Monday” und das Itaipu-Kraftwerk liegen im Umkreis von nur 10 Kilometer. Das temperamentvolle Verkehrsverhalten der Innenstadt benötigt allerdings starke Nerven und eine dauerhafte Bremsbereitschaft!

Das grösste Wasserkraftwerk der Welt!
Mit einem fahrbaren Untergestell welches sich “Hernandarias”-Regionalbus nennt, begeben wir uns zum 10 Kilometer entfernten Megakraftwerk Itaipu. Im Auditorium gibt es einen Informationsfilm (in 3 Sprachen möglich) mit anschliessender Führung durchs Gelände mittels eines Luxuscars. Ein absolutes “Must” diese geniale Pionerleistung zu besichtigen und dies, man staune, kostenlos!

Als ein “Denkmal der Solidarität, der Zusammenarbeit und der Integration” wurde im Mai 1991 das Kraftwerk Itaipu eröffnet. Mit der Vereinbarung im Jahre 1966 war der Grundstein des binationalen Unternehmens zwischen Brasilien und Paraguay gelegt. Der Fluss Parana sollte zu gleichen Teilen zur Energiegewinnung genutzt werden. Ein internationales Konsortium, bestehend aus den Firmen IECO-USA und ELC-Italien bekamen den Zuschlag. Die Bauzeit diesen gigantischen Projektes betrug 16 Jahre (1975 -1991) und kostete angeblich 22 Miliarden Dollar.

Zahlen:
Die 1,2 Millionen Baupläne, Zeichnungen und Materiallisten übereinandergelgt, würden einen Stappel von 50 Stockwerken gleichkommen. Die 12,3 Mio. Kubikmeter Beton würden ausreichen um 210 Fussballstadien zu bauen. Mit dem verbrauchten Eisen- und Baustahl könnte man 380 Eiffeltürme bauen. Der Hochwasserüberlauf von 62,2 Mio. Kubikmeter entspricht der 40-fachen Durchflussmenge der Iguacu-Waserfälle und erreicht eine Geschwindkeit von 120 km/h. Der Stausee hat die grösse von 1350 Quadratkilometer, bei einer Ausdehnung von 170 km, und ist somit 2,3 mal grösser als die Genferseefläche. 20 Francis-Turbinen (10 Brasilien, 10 Paraguay) erreichen eine Gesamtleistung von 14 Mio. Megawatt. Eine Turbine vermag eine Stadt von 1,5 Mio. Einwohner zu versorgen. Die Staumauer ist an ihrer höchsten Stelle 196m hoch.

Auf dem Rückweg nach Ciudad del Este, sind “El Museo de la Tierra Guarani” und der integrierte zoologische Garten nicht zu verpassen. Dort wird die Kultur der Guarani-Indianer, die Tierwelt des Kontinentes konserviert in Vitrinen und lebend in Gehegen gezeigt. Mehrfach hat man uns darauf hingewiesen, dass in Paraguay (Chaco) wilde Berglöwen, Jaguare und Panther leben. Es sei deshalb gefährlich, diese Region zu durchqueren. Diese Tiere würden auch Radfahrer nicht vom Speiseplan ausschliessen.

Für uns war Paraguay ein “Durchgangsland” um zu den Wasserfällen von Iguacu (Brasilien) und weiter nach Argentinien zu gelangen. Ausser dem Itaipu-Wasserkraftwerk und die Salto Monday Wasserfällen, welche für uns die “rettenden” Höhepunkte darstellte, hatte uns Paraguay nicht viel mehr geboten.

 

Nach 380 Kilometer verlassen wir Paraguay mit folgenden Erinnerungen:

Slums inmitten des Stadtzentrums von Asuncion

Gefährliche Tiger, Panther und Jaguare im Chaco

Flussfahrt auf dem Rio Paraguay

Odysse nach Porto Esperanca, Brasilien

Wasserfälle Salto Monday

Weltgrösstes Wasserkraftwerk Itaipu

Für uns ein Durchgangsland, mit Panama vergleichbar (je ein gigantisches Bauwerk)

 

Bikerinfo zur Strecke

- Aktiv (5 Fahrtage) 380 Kilometer
- Transfer nach Asuncion (Bus) 450 Kilometer
- Total Höhenmeter 450 Hm
- Durchschnittsgeschwindigkeit 18,1 km/h
- Fahrzeit in Bewegung 21 Stunden

 

Reisebericht Argentinien

24. Juni - 03. Juli 2009

Brasilien ist als Reiseland für uns nicht vorgesehen. Um das grösste subtropische Dschungelreservat Iguazu mit den Cataras zu besuchen, ist der Grenzwechsel Paraguay – Brasilien – Argentinien unumgänglich. Der einfachheithalber sind in diesem Reisebericht die Brasilianischen Cataratas unter dem Reisebericht Argentinien geführt.

Wer von Norden kommt, der sollte erst die Wasserfälle auf Brasilianischer Seite aus Foz dos Iguazu (32 km vom Park entfernt) www.cataratasdeliguazu.net und nachher die Argentinischen aus Puerto Iguazu (18 km vom Park entfernt) www.iguazuargentina.com anschauen. Diese Reihenfolge erspart einen zusätzlichen Grenzwechsel um anschliessend weiter nach Argentinien zu gelangen.

Die Cataratas del Iguazu des Rio Iguazu mit den 275 Wasserfällen, wollten wir auf keinen Fall verpassen! Sie gelten als die schönsten der Welt und sind einmalig. Dies begründet auch unsere Routenwahl, welche unüblicherweise nicht durch Chile führt.

Cataratas Brasilien
Mit dem öffentlichen Bus von Foz dos Iguazu erreichen wir in 20 Minuten den 32 km entfernten Eingang zum 185'000 ha grossen Parque Nacional del Iguazu. Der Eintritt kostet 21 Real p/P. (ca.11 USD), darin enthalten ist der Bustransfer zu den einzelnen Aussichtsplattformen. Die 17 Attraktionspunkte (Busstops) sind auch mittels gutausgebauten Wanderwege erreichbar. Bei guten Wetterverhältnisse kann man von der Brasilianischen Seite die ganze Kulisse der Saltos (Wasserfälle) bestaunen. Durch den feinen Sprühnebel ergibt sich meist ein leuchtender Regenbogen. Heute ist die Sicht jedoch leider durch einen Vorhang von Bindfaden-Niederschlag getrübt. Bereits am Vortag und in der folgenden Nacht hatte es ununterbrochen wie aus Kübeln gegossen. Nur kurze Augenblicke liessen Fotos des ganzen Wassergartens zu.

Die geologische Entstehung der Wasserfälle liegt 150 Millionen Jahre zurueck. Der Rio Iguazu fliesst über ein hochgelegenes Basaltplateau, das in Südbrasilien, im Parque Nacional de Iguazu über eine Gesamtbreite von 2'700 Meter, plötzlich abbricht. 800 Meter liegen auf Brasilien-, 1'900 Meter auf Argentinischem Territorium. Die Uferseiten sind nicht miteinander verbunden. Durchschnittlich stürzen 1'700 Kubikmeter Wasser über 2 Stufen 57 – 72 Meter tosend in die Tiefe und entwickeln einen weitreichenden Nebel. Auch wenn sich in Spitzenzeiten bis 7'000 Kubikmeter der Wassermassen den Abbruch zubewegen, bleibt der Grund des Flussbeckens 2 Meter tief. Die Brasilienischen Cataratas zählen seit 1986 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Cataratas Argentinien
Die Wetterlage hat sich etwas gebessert. Von Foz dos Iguazu (Brasilien) wechseln wir über die Grenze nach Puerto Iguazu (18 km vom Park entfernt) zur Argentinischen Seite. Der Eintritt in den Park war mit 60 Pesos p/P. (ca. 15 USD) etwas teurer als auf Brasilianischer Seite. Die insgesamt 4 km langen gut ausgebauten Wanderwege erlauben hier eine einzigartige Nähe zu den “Saltos”. Mit dem Besuch und einer ausgedehnten Wanderung durch das Naturschauspiels sollte einen Tag geplant werden. Von der Argentinischen Seite erlebt man diese Wasserfälle hautnah! Insbesondere die “Gargente del Diablo” war für uns ein spektakulaeres Erlebnis. Dieser U-förmige, 150 m breite und 750 m lange “Teufelsrachen” erreicht man mit einer Schmalspurbahn (3,6 km) und einem 1'100 m Fussmarsch. Der Weg zur Plattform führt meist unmittelbar über den Flusslauf auf einer Metallbrücke.

Weitere Attraktionen:
Die Isla San Martin im Herzen der Saltos mit einzigartiger Sicht auf die San Martinfälle. Dazu wird man durch einen Bootstransfer vom Paseo Inferior-Trail (1'400 m) zur Insel gebracht. Der “Sendero Macucu”, ein 3-stündiges Trekking in den Suptropischen Regenwald, mit tausenden von Tier- und Pflanzenarten.

Die Argentinischen Cataratas zählen seit 1984 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Auf der Ruta 12 bis Bella Union, an der Grenze zu Uruguay sind noch 700 Kilometer durch die Provinzen Missiones und Corrientes zurück zu legen. Die ersten 300 Kilometer bis Posadas führen über ein gutausgebautes “Asphalt-Wellblech”. Ein ewiges auf und ab! Der Schwung der Abfahrten reicht nicht annähernd aus für die nächste steile Rampe. Die Temperaturen sind inzwischen so stark gefallen, dass unsere auf und ab mit Jacke auf und zu ergänzt werden. Nicht weniger als 50 solcher Hügel mussten bewältigt werden – ein nicht zu unterschätzender Kraftaufwand. Erstaunlich, während unserer ganzen Reise hatten wir in einem vorwiegend flachen Land wie Argentinien die meisten Tageshöhenmeter von 1'350 erreicht.

In der kleinen Provinz Missiones leben etwa 1 Million Einwohner. Die ersten Europäer die hier im 17 Jahrhundert siedelten, waren Jesuiten-Missionare. Insgesamt gibt es 30 Reduktionen: 7 in Brasilien, 8 in Paraguay und 15 in Argentinien, wovon sich 11 in der Provinz Missiones befinden. In San Ignacio besuchen wir die Ruine “San Ignacio Mini”. Die Reduktion San Ignacio Mini wurde von 4000 Menschen auf 10 Hektaren bewirtschaftet. Die Überreste dieser Ruinen mit Kirche, Sozial- und Unterrichtsräume, Speisesaal, Küche, Werkstätten, Gefängnis und Friedhof sind Zeugen des Guarani-Barock, einem Baustil der auch von Europäischen Baumeistern übernommen wurde. Nachdem die Jesuiten 1767 ausgewiesen wurden, verfiel die Siedlung dem Urwald. Erst 1941 begann man mit der Freilegung und Restaurierung des heutigen UNESCO Weltkulturerbe.

Vom undurchdringlichen Urwald ist inzwischen nicht viel übrig geblieben! Durch das Abholzen ist der Wald nur noch ein Drittel so gross wie er vor 100 Jahren war. Mittels schnellwachsendem Nadelgehölz wird der Kahlschlag wieder aufgeforstet. Trotz aller Umweltprobleme gilt Missiones als eine der abwechslungsreichsten Provinzen Argentiniens.

Die Provinz Corrientes, wo Baumwolle, Reis und Mate angebaut wird, bietet nicht viel. Die Ruta 12 scheint unendlich lang, schnurgerade und langweilig. Teilweise fehlt die Überholspur (bergwärts), so dass ein Kreuzen der Lastwagen und Busse auf der engen Strasse für uns gefährlich wird. In keinem Land sind wir so bedrängt und vom Asphalt gedrängt worden, wie hier in Argentinien. Insbesondere die Fernfahrer fühlen sich wie auf der Rennbahn. Geschwindigkeitslimiten werden ignoriert, es wird so schnell gefahren “was die Maschine hergibt”. Dazu gesellen sich die PW's die nicht selten mit Geschwindigkeiten von 160 und mehr über diese “Überland-Autobahn” rasen.

Die Ruta 12 gilt für uns Radler eher als Durststrecke. Die Ortschaften liegen oft mehr als 50 Kilometer auseinander, Unterkunft- und Versorgungs-Möglichkeiten sind nicht zahlreich. Somit geniessen wir die Gastfreundschaft der grossen Tankstellen, wo man nicht nur Trinkwasser nachfüllen und Essen kann, sondern auch eine Dusch- und Waschgelegenheit zur Verfügung gestellt bekommt. Meist findet sich auch eine Grünfläche, die aber, wegen der Strassennähe ziemlich laut sein kann. In der Pampa ist wildes campen wegen dem eingezäunten Weideland nicht einfach. Oft radeln wir mehrere Kilometer bis zu einer Farm, wo uns immer Wasser und ein ruhiger Campground angeboten wurde.

Bis zur Hauptstadt Buenos Aires sind noch mehr als 800 Kilometer zurück zu legen. Die Provinz Missiones (Puerto Iguazu bis Posadas) und Corrientes (Posadas bis Paso de los Libres) haben wir bereits hinter uns gelassen und überqueren erneut den Rio Uruguay. Unser „Zick-Zack-Kurs“ bis zu unserem Zielort Montevideo in Uruguay erfordert einen weiteren Grenzwechsel nach Brasilien. Die Strecke von Uruguayana nach Bella Union (Brasilien) von nur 80 Kilometer ist schnell zurück gelegt und wir befinden uns im letzten Reiseland Uruguay (Bericht siehe Uruguay). Von Montevideo aus wollen wir mit der „Buquebus“ Fähre nach Buenos Aires gelangen.

Buenos Aires:

Buenos Aires mit ca. 12 Millionen Einwohnern setzt sich aus mehreren Stadtvierteln (12) zusammen. Diese Viertel haben ihre unverwechselbare Identität und waren einst eigenständige Gemeinden. Durch deren Ausbreitung sind diese jedoch mit der Stadt zusammengewachsen. Wir interessieren uns für die „Barrios“ San Telmo, Puerto Madero, Centro & Retiro und Recoleta. Mit unseren Fahrrädern gelangen wir zu jeder Attraktion und müssen uns nicht um einen Parkplatz oder ein Busverbindung kümmern.

Um Buenos Aires ausgiebig kennen zu lernen benötigt es wahrscheinlich mehrere Tage oder Wochen.

Wir haben unseren 5-tägigen Aufenthalt auf nachfolgende Sehenswürdigkeiten beschränkt:

Das historische Zentrum ist die Plaza de Mayo, benannt nach der Mai-Revolution 1810, wo sich der 67 Meter hohe Obelisk befindet. Hier trifft man auf den Präsidentenpalast, die Casa Rosada, ein rosafarbig getünchtes, auffallendes Gebäude. Der Cabildo, früherer Sitz des Rates befindet sich gleich gegenüber - hier wurde die Loslösung von Spanien verkündet –, beherbergt heute das historische Museum.

Der „Geldtempel“ Banco de la Nacion (Argentinien gehörte einst zu den reichsten Städten der Welt) mit seiner Vorhalle wird von vier mächtigen Säulen getragen. Die Kathedrale am politischen Zentrum der Stadt dokumentiert den grossen katholischen Einfluss in Argentinien; noch bis 1994 musste ein Katholik das Amt des Stadtpräsidenten vertreten.

Der Parque Colon, ehemals eine schmutzige Hafenanlage. Heute präsentiert sich das neue Viertel Puerto Madero mit Büros, Wohnungen, Lofts in alten Lagerhäusern und zahlreichen Restaurants. In den 4 Hafenbecken (beidseits mit Fussgängerzone) befinden sich zwei Museumsschiffe: die Fregatte „Sarmiento“ das ehemalige Flaggschiff der Marine und die gepanzerte Korvette „Uruguay“ welche 1903 eine Expedition aus der Antarktis rettete.

Die Puente de la Mujer, eine futuristisch aussehende Fussgängerbrücke (horizontal drehbar) die seit 2001 das Hafenbecken Nr. 3 überspannt. Die beiden Fussgängerstrassen Calle Lavalle, die kreuzende Florida und die Galeria Pacifico, mit vielen modernen und exquisiten Geschäften – ein ideales Tummelfeld für Konsumfreudige.

Die 1722 eingeweihte Jesuitenkirche San Ignacio de Loyola, älteste erhaltene Kirche und Gebäude der Stadt.

Der Bezirk San Telmo war einst ein Hafenviertel der Fischer, Sklaven und reicher Kaufleute. Als 1871 eine Gelbfieberepidemie ausbrach blieben nur noch die Armen und europäischen Einwanderer, die Reichen zog es ins heutige Stadtzentrum. Als grosse Attraktion gilt heute der sonntags Flohmarkt. Es wird alles gehandelt was nicht niet- und nagelfest ist, und die Plazza Dorrengo und die umliegenden Gassen werden zur Bühne. Hier trifft man auf sehr gute Tango-Darbietungen, Gaukler-Shows, und jeder der glaubt etwas „aussergewöhnliches“ darzustellen, zeigt sich dem Publikum.

Der Bezirk Recoleta, von den Reichen während der Gelbfieberepidemie erbaut, fällt auf durch ruhig gelegene Hotels und Geschäfte mit aktuellster Auslage. An der Plazza Alvear trifft man auf Dutzende angeleinter Rassehunde der Reichen welche von Hundeführer „Gassi“ gebracht werden. Der Friedhof mit der Basilica entspricht dem exklusiven Viertel. Auch nach dem Tode wird der Reichtum mit überdimensionalen Mausoleen und Gruften in Marmor und edlen Metallen, ungeniert ausgestellt.

Die Suche nach Fahrradkartons gestaltete sich nicht ganz einfach! Die wenigen Fachgeschäfte liegen weit ausserhalb der Stadt oder in Einkaufszentren der Agglomerationen. Wir benötigten ein Taxi, pro Fahrstrecke ¾ Stunde um an unser Verpackungsmaterial zu gelangen. Inzwischen sind wir bereits geübt im Zerlegen unserer Koga's so dass unser Gepäck schnell flugtauglich verpackt ist.

 

Nach 760 Kilometer verlassen wir Argentinien mit folgenden Erinnerungen:

Cataratas Iguzu, die weltgrössten Wasserfälle, insbesondere die “Gargente del Diablo”

Reduktion “San Ignacio Mini” Ruine aus dem 17. Jahrhundert.

Wellblechpiste, 1350 Höhenmeter – Die grösste Tagesleistung der ganzen Reise

TV-Interview in Santo Tome

Die Ruta 12, schnurgerade, langweilig und gefährlich. Fernfahrer fühlen sich wie auf der Rennbahn.

Ortschaften teilweise 50 Kilometer auseinander, Unterkunft- + Versorgungs-Möglichkeit ist schlecht.

Casino in (fast) jeder Stadt. Geldspiele erscheinen uns als Argentinischer „Volkssport“

Gastfreundschaft der grossen Tankstellen mit Camping, Dusch- und Waschgelegenheit.

Buenos Aires;

Hafengelände, Schiffsmuseen, Schwenkbrücke „Puente de la mujer“

Plazza Dorrengo im Bezirk San Telmo mit Flohmarkt, Tango, Gaukler und Künstler

Das erste und einzige Mal ein hervorragendes Stück Fleisch im Restaurant „Piegari vitello e dolce“

Friedhof Recoleta, Mausoleen, Gruften, schwarzer Marmor und zerfallene Särge

 

Bikerinfo zur Strecke

- Aktiv (8 Fahrtage) 760 Kilometer
- Total Höhenmeter 5100 Hm
- Durchschnittsgeschwindigkeit 18,5 km/h
- Fahrzeit in Bewegung 41 Stunden

 

Reisebericht Uruguay

03. - 14. Juli 2009

Uruguay werden wir „locker“ durchqueren und schon bald unser Reiseziel Montevideo erreichen. Falsch gedacht! Ein Tag nach überqueren der Grenze in Bella Union werden wir von starkem Gegenwind aus Süden überrascht, der teilweise nur noch einstellige Zahlen der Kilometeranzeige zulässt. Mühsam strampeln wir gegen eine Naturkraft die ganz schön an unseren Nerven und den Gepäcktaschen „reibt“. Wenigstens „reibt“ sich der Belag nicht auch noch an den Pneus, so dass es gut rollt. Die Strassen sind bestens asphaltiert und gut ausgebaut. Sie erinnern uns erneut an das Argentinische Wellblechprofil der quer liegenden Hügelzüge mit Erhöhungen bis 500 Meter über Meer. Ein unendlich erscheinendes Rauf und Runter.


Der Unterschied zu Argentinien ist markant, der Verkehr hat merklich abgenommen und jetzt in Uruguay erfreuen wir uns über stressfreies radeln. Auffallend sind die Oldtimer, Lastkraft- und Personenwagen amerikanischen Ursprungs. Vielfach ist der Zustand dieser Fahrzeuge jedoch bedenklich, und viele sind nicht haftpflichtversichert. Man fragt sich, wie viele Jahre der letzte Service zurück liegt. Wir bevorzugen es, von Klapperkisten mit einem freundlichen Winken überholt zu werden, als von verärgerten Fahrer wie in Argentinien mit „Dauerhupen“ von der Strasse gedrängt zu werden. Obwohl es die Rechtsvortrittsregelung gibt, hat eher das Recht des Stärkeren oder Schnelleren Geltung. An diese Situation haben wir uns inzwischen gewöhnt und verstehen „andere Länder andere Sitten“.


Mit dem Fahrrad durch Uruguay …. Auf Grund der dünnen Besiedlung liegen die Ortschaften oft mehr als 50 Kilometer voneinander entfernt. Die Fauna und Flora bieten keinen Schatten vor intensiver Sonnenbestrahlung und die kleinen Waldflächen liegen vielfach weit weg von der Strasse. Diese Umstände werden für Fahrradtouristen zu echten „Durststrecken“. Übernachtungs- und Versorgungsmöglichkeiten bedeuten häufiges Campieren, so dass Zelt und der Kocher unentbehrlich sind. Weit und breit alles stachlig-grobe Gras- und Wasserflächen (von 177‘000 qm Uruguays sind 20% Wasserflächen). Keiner der sich an einem Zelt stört, wildes zelten kein Problem – denkt man. Nein, alle Farmen haben ihr Grundstück mit Pfählen und unüberwindbaren Drahtzaun begrenzt. Die Wasser „Zapfsäulen“ befinden sich nicht am Strassenrand, oder sind nur mit Katadyn-Filter und Chlortabletten trinkbar. Die Farmen mit ihren auffallenden Türmen der Windkraft-Grundwasserförderung geben uns das Gefühl nicht ganz von der Zivilisation verlassen zu sein. Meistens erhalten wir bei diesen „Estancias“ einen Platz für das Nachtlager. Es kam auch vor, dass wir zum Duschen im Angestelltenhaus und Aufwärmen am Kamin eingeladen wurden.


Das schönste Thermalbad Uruguays befinde sich am Rio Arapay (90 km nordwestlich von Salto). Dieses „Muss“ nicht verpassen! So lautet der gut gemeinte Ratschlag eines Einheimischen. Also los, wir haben genügend Zeit den 19 Kilometer abseits unserer Route liegende Ort in unseren „Fahrplan“ aufzunehmen. Im Gegenwind, mit unzähligen Schlaglöcher im Asphalt erreichen wir die „Thermas de Arapay“ nach 2 Stunden. Dieser touristisch sehr stark „angeschlagene“ Ferienort wirkt eher wie ein Resort und hat uns von der angeblichen Attraktivität nicht überzeugt. Noch am selben Tag radeln wir die 19 Kilometer zurück zur Ruta 3 um noch vor Einbruch der Dunkelheit eine „Estancia“ zum Campieren zu finden. Inzwischen hat der Süd-Polarwind schon bedenklich zugenommen und es nähern sich grosse schwarze Gewitterwolken. Bereits 1 Stunde später, noch keine Farm in Sicht, werden wir von einem orkanartigen Gewitter eingeholt. Das „Bus-Stopp-Unterstand“ bietet uns ein wenig Regenschutz, dies jedoch nur stehend auf der Bank, wo das Dach dicht geblieben ist.


Nur noch 470 Kilometer! Bereits ist eine Woche seit dem Grenzübertritt nach Uruguay verstrichen. Vorwiegend im kalten Südpol-Gegenwind, nähern wir uns stetig unserem Reiseziel Montevideo. Wenn nur nicht diese kalten Nächte wären, die unser Wasser in den Trinkflaschen gefrieren lassen. Hier herrscht Winter! Vor 8 Uhr morgens geht nichts. Das Zelt ist aussen mit Reif bedeckt und die Innenseite vom Wasserdampf nass. Täglich erwarten wir die Morgensonne die unser „Haus“ zu trocknen vermag. Es ist meistens nicht wärmer als 7 Grad.


Nur noch 200 Kilometer! Es werde noch kälter prophezeit ein Farmer. Da wünscht man sich schnell wieder die sommerliche Wärme der Nordhemisphäre. Das Wellblechprofil, bedingt durch die quer zu Strasse liegenden Hügelzüge, hat sich inzwischen etwas in die Länge gezogen. Schnurgerade zieht sich unser Weg in Richtung Montevideo und schon morgen werden wir den………


10‘000-sten Kilometer seit unserem Reisebeginn in San Francisco am Zähler ablesen können. 125 Kilometer vor Montevideo, verrät uns der Meilenstein am Strassenrand „jetzt habt ihr den 10‘000-sten“ hinter euch gelassen. Schnell noch dieses Ereignis mit der Kamera festhalten, ein Sandwich zwischen die Zähne, eine Handvoll Kekse in die Tasche und weiter geht’s.


Nur noch 100 Kilometer! Morgen könnten wir bereits Montevideo erreichen. Wäsche waschen (was dringendst nötig ist), wieder einmal in einem Bett mit frischen Laken schlafen und nicht aus einem „Fressnapf“ mit zwei Löffel essen. Haben wir inzwischen die Annehmlichkeiten des Alltags vermisst? Ja, nein, vielleicht, ein wenig?


Der „Antel-Tower“ (Telekommunikations-Gigant von Uruguay) ist das Wahrzeichen von Montevideo und zeigt uns die Richtung zum Stadtzentrum. Die Strassenkarte braucht es nicht mehr. Wir erreichen das Ufer des „Rio de la Plata“, ein Zusammenschluss des Rio Parana und Rio Uruguay. Das gegenüberliegende Ufer (Argentinien) ist 100 Kilometer entfernt. Interessant dazu; Diese gigantischen Wassermassen münden in den Südatlantischen Ozean wobei die Windrichtung den Salz- oder Süsswassergehalt bestimmen.


Montevideo erscheint uns geruhsam und ohne Verkehrschaos. Es war erstaunlich einfach mit dem Fahrrad den Weg in das Zentrum dieser Grossstadt zu finden. Die 1,5 Millionen Einwohner zählende Hauptstadt von Uruguay erscheint uns übersichtlich und gepflegt, wenn auch die unansehnliche „Uncap-Raffinerie“ der Petrolproduktion erst eine Industriestadt vermuten lässt.


Ziel erreicht! Montevideo!
Jetzt wollen wir uns erst ausruhen, die Rückreise planen, eine Stadtrundfahrt durch Montevideo geniessen, das Rad für ein paar Tage aus den Augen verlieren, bevor wir mit dem Reisebus von Montevideo bis Colonia de Sacramento fahren um mit der Fähre über den „Rio de la Plata“ nach Buenos Aires (Argentinien) zu gelangen.


Land und Leute:
Uruguay hat 3,3 Millionen Einwohnen, davon leben 40% in der Hauptstadt Montevideo, 50% in den restlichen Grossstädten und 10% auf dem Land (Agrarflächen). Salto, die 2 grösste Stadt des Landes erscheint im Vergleich zur Hauptstadt mit „nur“ 100‘000 Einwohner schon fast als „Provinz“.

Uruguay grenzt an Argentinien, Brasilien, den Atlantischen Ozean und ist der kleinste spanisch sprachige Staat in Südamerika.

Die weiten Grasfluren der Pampa werden von grossen Viehherden von bis zu 5000 Rinder pro „Estancia“ (Farm) genutzt. Lediglich 5% der Gesamtfläche Uruguays sind bewaldet. Zudem ist Uruguay das erste Land der Welt, in dem das Recht auf Wasser in der Verfassung gesichert ist.

Die Busgesellschaften verfügen über moderne und klimatisierte Fahrzeuge für den Überlandverkehr und somit ist der Omnibus das Hauptverkehrsmittel des Landes.

2000 km Eisenbahn, 9000 km Strasse, 1600 km schiffbare Wasserwege, 9 Häfen, 64 Flugplätze davon 14 mit asphaltierten Landebahnen

Der Haupthafen Südamerikas befindet sich in Montevideo unweit der Stadtgrenze und zählt mehr als 1 Million Container-Umschlag pro Jahr. Gemäss Statistik ist Montevideo nach Tokio die zweitsicherste Metropole der Welt.

Der Name Montevideo setzt sich zusammen aus:

Monte = Hügel,
vi (römisch VI) = 6
d (de) = von
e (este) = Ost
o (oeste) = West

Interessantes zu Montevideo: www.weltatlas.info/uruguay/sehenswuerdigkeiten/montevideo/

Das Verbreitungsgebiet der Alligatoren ist auf den oberen Flusslauf des „Rio Uruguay“ beschränkt. Uruguay verfügt nach Alaska über die 2 grösste Kolonie von Seehunden und Seelöwen, welche auf der „Isla de Lobos“ bei Punta del Este beheimatet sind.

Uruguay gehört zu den wenigen Ländern in denen der Schulbesuch und weiterführende Hochschulen unentgeltlich sind. Obwohl das Bildungsniveau eines der höchsten Süd-Amerikas ist, leben über 20% unterhalb der Armutsgrenze.

Nach 750 Kilometer verlassen wir Uruguay mit folgenden Erinnerungen:

10‘000-ster Kilometer bei Meilenstein „125“ vor Montevideo zurückgelegt

Extremer Süd-Polarwind lässt nur noch einstellige Kilometerangaben zu

Kalt, Kappe, Handschuhe, Windstopper

Aussenzelt vom Eis beschlagen, Trinkflascheninhalt gefroren

Temperaturen: nachts -2 Grad, im Zelt +2 Grad, morgens ab 08.00 +7 Grad

Viel Camping an Tankstellen, Farmen, Strassenrand

Wenig Verkehr, Oldtimer, Pferdekarren, Neuwagen und rostigen Altkisten

Wellblech-Terrain durchs ganze Land. Hügelketten liegen quer zur Fahrbahn

Von Meereshöhe bis max. 500 Meter über Meer, rauf und runter wie in Argentinien

Riesige Agrarflächen, Fauna, Flora und riesige Rinderherden

Wasserfilter ermöglicht uns Trinkwasser aus den Sümpfen

Stadtbesichtigungstour in Montevideo

 

Bikerinfo zur Strecke

- Aktiv (10 Fahrtage) 740 Kilometer
- Total Höhenmeter 3000 Hm
- Durchschnittsgeschwindigkeit 17,6 km/h
- Fahrzeit in Bewegung 42 Stunden